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NEUHEIM: Ein ganz privates Häuschen auf dem Berg

Die Telefonkabine an der Poststrasse wird im ganzen Kanton am wenigsten benutzt. Sie gehört zur Grundversorgung, daraus könnte sie aber bald gestrichen werden.
Andrea Muff
An der Poststrasse verirrt sich kaum jemand in die Kabine. (Bild Stefan Kaiser)

An der Poststrasse verirrt sich kaum jemand in die Kabine. (Bild Stefan Kaiser)

Andrea Muff

Früher hatte sie in den meisten Portemonnaies einen festen Platz: die Taxcard. Diese benötigte man, wenn man ein Telefongespräch in einer öffentlichen Telefonzelle führen wollte. Heute besitzen nur noch wenige eine solche Karte, und auch die öffentlichen Telefonzellen verschwinden mehr und mehr aus dem kollektiven Gedächtnis und von der Bildfläche. Insgesamt gibt es noch 4096 sogenannte Publifone in der Schweiz. Betrieben werden sie von der Swisscom. Im Kanton Zug zählt diese noch 25 öffentliche Kabinen. In Neuheim an der Poststrasse 4 steht die am wenigsten benutzte des Kantons. Wie viel sie genau einnimmt pro Jahr und wie oft damit telefoniert wird, will die Swisscom nicht preisgeben.

Fest steht: Dem Neuheimer Gemeinderat ist die spärliche Benutzung der einsamen Kabine nicht unbemerkt geblieben. Ein Auszug aus dem Protokoll des Gemeinderats vom 20. Oktober 2014 zeigt, dass die Swisscom bereits zweimal an die Gemeinde herangetreten ist. Zum ersten Mal 2011: Damals hat der Gemeinderat beschlossen, das Publifon an der Poststrasse 4 trotz Nutzungsrückgang dort zu belassen. Drei Jahre später im Oktober meldet sich der Telekom-Riese wieder bei der rund 2000-Seelen-Gemeinde. «In den letzten sechs Monaten wurden durchschnittlich sechs kurze Anrufe pro Monat getätigt, im 2011 waren es noch zwölf Anrufe monatlich», steht es im Protokollauszug. Deshalb bittet die Swisscom um eine «allfällige Aufhebung der öffentlichen Sprechstelle». Im damaligen Beschluss hält der Gemeinderat fest: Es sei notwendig, dass in Neuheim mindestens ein öffentliches Telefon vorhanden ist. Damit lehnte er das Ersuchen der Swisscom ab.

Nicht alle haben ein Handy

«Wir haben uns 2014 klar entschieden, das Angebot für die Bevölkerung weiterhin bereitzustellen», sagt Gemeindepräsident Roger Bosshart. Der Grund liegt auf der Hand: «Es gibt immer noch Einwohner, die über kein Mobiltelefon verfügen.» Da Neuheim die kleinste Gemeinde des Kantons ist, überrascht es Bosshart auch nicht, dass die örtliche Telefonzelle wenig besucht wird. Für den Gemeindepräsidenten ist aber noch ein weiterer Aspekt wichtig: «In der Zeit des Abbaus des Service publics finde ich es umso wichtiger, an solchen Angeboten festzuhalten.» Er erinnert sich noch gut an die Schliessung der Neuheimer Poststelle 2013: «Auch damals haben wir uns dagegen gewehrt. Leider hat dies nichts gebracht.»

Wie der Poststelle könnte es auch der einsamen Telefonzelle ergehen. Denn das Bereitstellen «öffentlicher Sprechstellen» gehört zur Grundversorgung. Deren Inhalt wird vom Bundesrat periodisch angepasst. Die momentan gültige Grundversorgungskonzession vergab die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) 2007 an die Swisscom. Laut der Verordnung über Fernmeldedienste (FDV) muss in jeder politischen Gemeinde mindestens eine öffentlich zugängliche Telefonzelle bereitgestellt werden. Die Gemeinde kann freiwillig darauf verzichten. Gemäss Swisscom fallen insgesamt 2949 Telefonkabinen in der Schweiz unter die Grundversorgung – das sind rund 72 Prozent. Die Grundversorgungskonzession ist nur noch bis Ende 2017 gültig. Im vergangenen Jahr hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) die Revision der FDV in die Vernehmlassung geschickt. In der Revisionsvorlage ist die Bereitstellung von öffentlichen Telefonkabinen aus der Grundversorgung gestrichen. Ende 2016 wird der Bundesrat über die revidierte FDV entscheiden.

Dienstleistung würde geprüft

Ob die Telefonkabine an der Poststrasse in Neuheim danach weiterhin betrieben wird, steht deshalb noch in den Sternen. Der Entscheid würde erst nach der revidierten Grundversorgung gefällt. «Swisscom will die öffentlichen Publifone wie alle anderen Dienstleistungen und Produkte nach den Kundenbedürfnissen ausrichten», schreibt Sabrina Hubacher, Mediensprecherin, auf Anfrage. Der Entscheid über Weiterbetrieb oder Einstellung dieser Dienstleistung würde vom Nutzungsverhalten und vom Bedarf abhängen. «Gemäss unseren Informationen werden Publifone noch von drei Kundengruppen benutzt», erläutert Hubacher. So seien dies preisbewusste Menschen, Touristen und die sogenannten «Notfall»-Nutzer, deren Handy-Akku oder Guthaben leer sind. Wie hoch die Kosten für das Bereitstellen einer Telefonzelle sind, will die Swisscom nicht verraten.

Fakt ist: Momentan steht die öffentliche Telefonzelle noch in Neuheim. «Warum sollen wir sie abschaffen? Sie ist da und wird benutzt, wenn auch wenig», stellt Bosshart pragmatisch fest. Ob sich der Gemeinderat aber gegen den Entscheid wehren würde, ist fraglich: «Wir würden es natürlich bedauern, wenn die Telefonkabine verschwinden würde.»

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