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NEUHEIM: Ein rundes Lebenswerk

Vor einem halben Jahrhundert wurde dieses aussergewöhnliche Haus entworfen. Unterdessen interessiert sich dafür sogar die Denkmalpflege.
Christian Peter Meier
Das Rundhus ist weitgehend aus Holz gebaut. (Bild: Stefan Kaiser)

Das Rundhus ist weitgehend aus Holz gebaut. (Bild: Stefan Kaiser)

Über dieses Haus spricht man schon seit Jahrzehnten – bis zum heutigen Tag fasziniert es wohl fast jeden, dem es ins Auge sticht. Und das tut es zwangsläufig. Denn das Rundhus bei Neuheim ist so einzigartig wie auffällig. Es thront in der Landschaft, ohne sie zu dominieren. Es regt die Fantasie an. «Keine fliegenden Untertassen in Neuheim» titelte einst das «Zuger Tagblatt». Die «Zuger Nachrichten» sprachen von einem Pilz, während die Zeitung «Vaterland» noch während der Bauzeit betonte, hier entstehe «nicht etwa ein Atomkraftwerk und noch viel weniger eine Sternwarte».

Das Rundhus ist weitgehend aus Holz gebaut. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Das Rundhus ist weitgehend aus Holz gebaut. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nein, gebaut wurde an diesem Nordhang eben ein an sich normales Wohnhaus in ungewöhnlicher Form. Ungewöhnlich ist auch der Baustoff Holz, der in den Sechziger- und Siebzigerjahren in unseren Breitengraden nur selten mit moderner Architektur in Verbindung gebracht wurde. Und ungewöhnlich ist schliesslich, wie das Haus entstand: Laurenz «Lory» Iten, ein Schreinermeister und Bauleiter in Diensten des renommierten Zuger Architekturbüros von Fritz Stucky, baute ab 1965 während Jahren und Jahrzehnten höchstpersönlich und oft allein an seinem Traum. Fertig wurde er damit nie ganz – auch wenn das Haus ab 1974 von ihm und seiner Familie bewohnt wurde. Lory Iten starb vor gut drei Jahren nach längerer Krankheit 80-jährig in seinem eigenen Haus.

Spektakuläre Aussicht

Dort lebt heute noch immer Erica Iten (71), die Frau des Erbauers. Sie öffnet uns dieser Tage für einen Augenschein die Tür, serviert Kaffee und Kuchen und hat auch noch Sohn Laurenz (45) aufgeboten. Journalist und Fotograf sind nicht nur vom netten Empfang angetan, sondern natürlich auch vom Gebäude und der sich darin eröffnenden spektakulären Aussicht ins Sihltal wie auf die Hirzel- und die Albiskette. Hier lebt man wahrlich «im Grünen» – auch dank grosser Fenster und dem Verzicht auf Vorhänge. Vor allem ist es aber die plattformartige Positionierung der runden Wohnung, die einem das Gefühl gibt, mitten in der Natur gleichsam zu schweben. Manchmal, sagt Erica Iten, bekomme man die Naturkräfte auch ganz unmittelbar zu spüren. «Etwa wenn die Sonne hereinscheint und den Wohnraum aufheizt, wenn der Regen aufs Dach trommelt oder erst recht wenn es gewittert.» Bei Blitz und Donner sei es auch schon vorgekommen, dass sie im Sockelgeschoss Zuflucht gesucht habe.

Gäste im Garten

Meistens aber geniesst Erica Iten ihr Privileg, in diesem unglaublichen Setting auf 300 Quadratmetern Fläche wohnen zu können. Dass hier – fast ein halbes Jahrhundert nach dem Spatenstich – Unfertiges auf Sanierungsbedürftiges trifft, damit hat sich Erica Iten längst abgefunden. «Eines Tages können das ja dann andere Bewohner ändern, wenn sie wollen», sagt sie und lacht.

In der Zwischenzeit wird Erica Iten immer mal wieder Besuch erhalten von Architekten, Journalisten und anderen neugierigen Leuten. Denn ihr Haus geniesst in der Fachwelt Respekt, kommt aber auch bei Laien bestens an. «Manche glauben sogar, wir seien ein Panoramarestaurant, und stehen dann plötzlich bei mir im Garten», erzählt Erica Iten.

Gut möglich, dass das Rundhus dereinst sogar unter Denkmalschutz gestellt wird. In das Inventar der schützenswerten Gebäude wurde es auf alle Fälle bereits aufgenommen. «Ungefragt», wie Erica Iten betont. Im letzten Herbst erhielt sie von der Direktorin des Innern, Manuela Weichelt, einen entsprechenden Brief. Seither hat sie es schriftlich: Sie wohnt in einem Haus mit «hohen Qualitäten».

Lory Iten baute sein Traumhaus fast allein

Das Rundhus ist weitgehend aus Holz gebaut. (Bild: Stefan Kaiser)

Das Rundhus ist weitgehend aus Holz gebaut. (Bild: Stefan Kaiser)

Das Neuheimer Rundhus steht mitten in der Landwirtschaftszone – heute wäre seine Realisierung an dieser exponierten Lage undenkbar. Doch 1965 ging alles mit rechten Dingen zu, als Laurenz Iten ein Stück Land von seinem Onkel Paul Strickler erwarb und danach mit der Planung und dem Bau des ungewöhnlichen Hauses begann. Unendlich viel Zeit und Energie, Jahre und Jahrzehnte investierte er in sein Werk, das er weitgehend aus eigener Kraft erstellte. «Manchmal halfen Kollegen mit, oder er wurde von zwei, drei Mitarbeitern der Firma Landis unterstützt», erinnert sich Ehefrau Erica Iten.

Der fehlende Motor

Ganz rund ist das Rundhus freilich nicht. Aber fast: Die Holzkonstruktion besteht aus 24 Segmenten, die sich auf einen zylinderförmigen Betonkern stützen. Die Plattform hat einen Durchmesser von 21 Metern, ruht auf 55 Rolllagern und ist damit drehbar. Zumindest in der Theorie. «Mein Vater hat alles dafür ausgelegt und auch die Zu- und Ableitungen entsprechend konstruiert und durch eine zentrale Säule geführt», sagt Sohn Laurenz Iten. Nur ein Motor sei nie angeschafft worden. Wohl auch, weil die Drehidee zwar faszinierend, aber aufgrund der einzigartigen Lage und Exposition eigentlich unnötig ist. Darum habe Vater Iten das Haus einst mit einem Habegger in die perfekte Lage gezogen und dann so belassen.

Die rund 300 Quadratmeter grosse Wohnfläche ist von einem durchgehenden, gut 65 Meter langen Balkon umgeben und wird in der Mitte von einer Wendeltreppe erschlossen. Ein riesiges, helles Wohnzimmer dominiert den Innenraum.

Von weit her ist das Rundhaus in Neuheim ein Hingucker. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Von weit her ist das Rundhaus in Neuheim ein Hingucker. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

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