NEUHEIM: Eine Frau übernimmt in bewegten Zeiten

An der 104. Generalversammlung der Zugerland Verkehrsbetriebe gibt es keine Überraschungen, aber in der Person von Silvia Thalmann eine neue Verwaltungsratspräsidentin. Sie folgt auf Gregor Kupper, der die ZVB zwölf Jahre geleitet hat.

Marco Morosoli
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Auf Gregor Kupper folgt Silvia Thalmann als ZVB-Verwaltungsratspräsidentin. (Bild: Maria Schmid (Neuheim, 8. Juni 2017))

Auf Gregor Kupper folgt Silvia Thalmann als ZVB-Verwaltungsratspräsidentin. (Bild: Maria Schmid (Neuheim, 8. Juni 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Generalversammlungen der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) laufen in geordneten Bahnen ab und fangen pünktlich an. Das ist auch am gestrigen Abend nicht anders gewesen, als die ZVB in der Neuheimer Lindenhalle ihre 104. Generalversammlung abgehalten haben. Dass genau 104 Personen zugegen sind, ist Zufall. Hingegen die Wahl des Ortes nicht. Es ist die letzte Handlung des scheidenden ZVB-Verwaltungsratspräsidenten Gregor Kupper. Der 69-jährige Finanzfachmann, langjährige CVP-Kantonsrat (1999 –2014) und ehemalige Neuheimer Gemeinderat wohnt immer noch im Ort.

Mit dem historischen Orion-Bus der ZVB ist er zur Linden­halle gefahren worden. Durch die Geschäfte der Generalversammlung führt Kupper in seiner besonnenen, aber durchaus bestimmten Art, die ihn schon im Kantonsrat ausgezeichnet hat.

Der scheidende Präsident sagt auch mahnende Worte

Bevor er aber den Führungsstab nach einer Amtszeit von zwölf Jahren an die Zuger CVP-Kantonsrätin Silvia Thalmann weiterreicht – eine Wahl gibt es nicht, weil der Kanton als grösster Aktionär diese Position bestimmt –, ruft Kupper nochmals das letzte ZVB-Geschäftsjahr in Erinnerung. Er darf stolz einen Gewinn von 378 378 Franken verkünden. Diese Summe wird in die Reservenbildung gesteckt. Eine Dividende für die Aktionäre im eigentlichen Sinn gibt es bei den ZVB nicht. Die Teilhaber werden mit Gutscheinen für ZVB-Leistungen beschenkt, und es wird ihnen ein Nachtmahl kredenzt.

Kupper sagt auch, dass obwohl es zum ersten Mal einen Leistungsabbau von drei Prozenten gegeben hat, die beförderte Anzahl Passagiere nur um 0,75 Prozent abgenommen hat. Die ZVB und ihre Partner transportieren täglich rund 70 000 Passagiere und fahren innerhalb eines Jahres eine Strecke von 6,6 Millionen Kilometern ab. Kupper ist kein Schönwetter-Obmann. Er äussert auch mahnende Worte. Im finanzpolitischen Umfeld des Kantons mit einem grossen strukturellen Defizit werde von den ZVB auch eine «zusätzliche Effizienzsteigerung mit Abgeltungsreduktionen gefordert». Einschneidender dürfte dann die Herausforderung sein, welche das Projekt Finanzen 2019 erfordert. Die ZVB müssen im Rahmen dieser Sparübungen Möglichkeiten aufzeigen, wie die Abgeltung des Kantons ab 2021 um rund 10 Prozent reduziert werden kann. Kupper sieht dunkle Wolken aufziehen und sagt: «Ohne Abbau von Leistungen wird dies nicht gehen. Das wird noch da und dort für rote Köpfe sorgen.» Kuppers Problem ist dieser Spagat nicht mehr, aber er wird die Entwicklung weiter mitverfolgen.

Gerne hätte der Neuheimer auch das Projekt ZVB-Hauptstützpunkt weiter vorwärtsgetrieben. Diese Sache habe ihn seit 2009 beschäftigt: «Ich bin mir manchmal wie ein Verwaltungsratspräsident eines Bauunter­nehmens vorgekommen.» Zum Schluss seiner letzten Ansprache vor den ZVB-Aktionären sagt er dann noch: «Alle Interessen unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach.»

Matthias Michels geschicktes Votum

Bei der ZVB-GV wird Kupper auch durch den Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel würdig verabschiedet. Der FDP-Regierungsrat nutzt die Plattform nicht nur für eine sehr interessante Rede, in denen er die Verdienste von Kupper würdigt. Er weiss darin auch pointiert Stellung zum Grossprojekt ZVB-Hauptstützpunkt zu nehmen: «Das heutige Areal an der Aa ist goldrichtig. Es braucht immer einen Hafen, und dieser muss zentral geregelt sein.» Wie die Vernehmlassung zu diesem Projekt gezeigt hat, steckt in diesem politischen Geschäft durchaus eine gehörige Menge Zunder. Mit der notwendigen Richtplananpassung wird sich der Kantonsrat in Bälde beschäftigen müssen.

Silvia Thalmann bekommt keine Schonfrist

Gregor Kupper wird indes die neue ZVB-Verwaltungsratspräsidentin Silvia Thalmann noch einarbeiten. Bereits heute Freitag leitet die neue Lenkerin der ZVB die erste Sitzung des strategischen ZVB-Gremiums.