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NEUHEIM: Eine überraschende Zeitreise

Im derzeit sanierten Zehnderhof im Ortskern hat die Zuger Bauforschung einige Funde gemacht. Manches gibt den Fachleuten Rätsel auf. Zum Beispiel, wie eine Abbildung im Dachstock den Weg dorthin fand.
Anette JeanRichard präsentiert die Erkenntnisse zum Zehnderhof. (Bild: Stefan Kaiser)

Anette JeanRichard präsentiert die Erkenntnisse zum Zehnderhof. (Bild: Stefan Kaiser)

Schon Mitte des 18. Jahrhunderts gab es Poster. Davon zeugt ein Fund im Dachstock des Zehnderhofs in Neuheim. Da Popstars und Sportler damals rar waren, zeigt es eine kirchliche Abbildung. Es ist auf die ab 1739 aufkommende «Wallfahrt zum Gegeisselten Heiland auf der Wies» in Bayern zurückzuführen und wohl wenig später entstanden, erklärt Annette JeanRichard. Wie diese Abbildung dahin kam, ist nicht überliefert.

Die Leiterin der kantonalen Abteilung Bauforschung und Mittelalterarchäologie steht im ehemaligen Wohnzimmer des Zehnderhofs und schildert, was in diesem historischen Gebäude bislang gefunden wurde. Neben genannter Abbildung sind es alte Knöpfe und Textil- und Lederstücke, die über die Jahrhunderte von den Ritzen im Dielenboden verschluckt wurden. «Vielleicht war hier einst ein Schumacher am Werk», mutmasst JeanRichard. Es gebe ohnehin noch manches Geheimnis zu lüften.

Darüber hinaus hat man anhand von Jahresringen im Holz Altersbestimmungen gemacht. Mit einem überraschenden Resultat sagt JeanRichard: Die ältesten erhaltenen Elemente sind aus Holz gefertigt, das 1425 geschlagen worden sei. Zu einer Zeit also, als Niklaus von Flüe im fernen Obwalden als kleiner Junge noch nichts von seinem spektakulären Lebensweg wusste. Dabei erstaune weniger das reine Alter des Holzes, als vielmehr die Art, wie es verbaut wurde: Statt des damals in ländlichen Regionen üblichen Blockbaus handelt es sich hierbei um die städtische Ständerbauweise. «Dieses Haus gehört zu den ältesten Ständerbauten ausserhalb der Stadt Zug», sagt die Fachfrau, die überaus angetan ist von diesem Gebäude. «Einen solchen Bau ohne ein Stück Metall hinzukriegen – fantastisch!» Aus heutiger Sicht war dabei einiges an Improvisationsgabe nötig: Da Dichtschaum noch nicht erfunden war, behalfen sich die Baumeister von damals mit Moos, um Öffnungen zwischen Balken zu schliessen. Und da das feuchte Holz über die Jahre schwand, klügelten die Zimmerleute ein Keilsystem zur zusätzlichen Korrektur aus.

Altes soll erhalten bleiben

So wertvoll die Erkenntnisse aus dem Zehnderhof für die Bauforschung sind: Bewohnen kann man diesen Zeitzeugen längst nicht mehr. Josef Sager und sein Team von der Schaerholzbau AG sind mit dem Umbau betraut. Ihm zufolge sollen gewisse Elemente, wie etwa eine Wand mit Holz aus dem 15. Jahrhundert, im sanierten Gebäude erhalten bleiben, um dessen reiches geschichtliches Erbe zu bewahren. Der verantwortliche Chamer Architekt Alois Fischer hat beim Herzstück des Überbauungsprojekts grossen Wert darauf gelegt (siehe Box). «Holzbau hat Zukunft», sagte er bei der Begehung mit der Bauforschung. Diese Erkenntnis ist nicht ganz neu: Wie der Zehnderhof beweist, wussten die Zimmerleute das schon vor 600 Jahren.

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

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