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NEUHEIM: Grosse Verunsicherung im Familiendorf

Im Zusammenhang mit der schulergänzenden Betreuung werden Vorwürfe gegen die Gemeinde erhoben. Jene verteidigt ihren Kurs.
Raphael Biermayr
Der Mittagstisch wird bald ausgedient haben. (Bild Stefan Kaiser)

Der Mittagstisch wird bald ausgedient haben. (Bild Stefan Kaiser)

Raphael Biermayr

Das grösste Kapital von Neuheim sind die Familien. Unter einigen von ihnen herrscht Verunsicherung. Die Einführung der schulergänzenden Betreuung (SEB) auf das kommende Schuljahr hin sieht gravierende Änderungen vor – Änderungen, die so anscheinend nicht erwartet worden sind. Das betrifft vor allem das Team des bestehenden Mittagstischs. Dessen Erfolgsgeschichte ist auch durch die Nachfrage belegt: Mehr als 20 Prozent der Schulkinder nehmen gegenwärtig daran teil. Dass die Betreuerinnen selbst kochen und dazu frische, im Dorf bezogene Zutaten verwenden, kommt an.

Mit Ablauf des Schuljahrs wird es diesen Mittagstisch nicht mehr geben. Die Bevölkerung hat sich an der vergangenen Gemeindeversammlung (GV) deutlich für die SEB ausgesprochen, die neben der Mittagsverpflegung an Werktagen mehrere Betreuungsmodule umfasst. Dafür haben die Verantwortlichen mit Yvonne Güttinger eine auswärtige Leiterin verpflichtet. Und sie haben entschieden, das Essen künftig liefern zu lassen. Beides sorgt für Irritationen, zum Beispiel bei der zweifachen Mutter Zsuzsanna Aklin. Sie sagt: «Am Mittagstisch war alles familiär, und es wurde auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen. Dass die Kinder mit einem gelieferten Essen eine Schnellabfertigung erhalten sollen, verstehe ich nicht. Da behalte ich sie lieber zu Hause.»

Vorwürfe gegen Offizielle

Susanne Krüdewagen ist der Kopf des Mittagstischs, den es seit sieben Jahren gibt. Sie erhebt Vorwürfe gegen den Gemeinderat sowie den Gemeindeschreiber Christof Wicky und den Rektor Dominik Lehner, die für die Personalauswahl im Schulbereich zuständig sind. Die sieben Mittagstischfrauen seien nach Gesprächen mit Lehner «davon ausgegangen, dass die Leitung und Betreuung der SEB vom bisherigen Team übernommen würde». Gemäss dem Gemeindepräsidenten Roger Bosshart, der in der Angelegenheit SEB die Kommunikationshoheit innehat, habe Lehner zwar «Andeutungen in diese Richtung» gemacht. «Er sagte in meiner Anwesenheit gegenüber Frau Krüdewagen, dass es ihm leid tue, sollten seine Äusserungen falsch interpretiert worden sein.» Sie sei unter den letzten drei Kandidatinnen für die Leitung gewesen. Den Ausschlag zu Gunsten Güttingers hätten deren «berufliche Qualifikationen im Bereich schulergänzende Betreuung» gegeben. «Das ist nicht als Kritik am aktuellen, sehr geschätzten Mittagstisch zu verstehen», ergänzt er.

Ein weiterer Vorwurf Krüdewagens betrifft die «Verschleierung» gegenüber dem Stimmvolk. In der Vorlage zur vergangenen GV heisst es zum Thema SEB unter anderem: «Ziel ist es, den Finanzkreislauf innerhalb der Gemeinde schliessen zu können, indem das Personal nach Möglichkeit lokal geworben und das Essen lokal bezogen wird.» Für Krüdewagen ist klar: «Mit der Einstellung einer Leiterin aus Thalwil und dem Catering des Essens wird dagegen verstossen.» Darüber hinaus gibt es eine im Internet abrufbare gemeindliche Richtlinie von 2010, die besagt, dass «sämtliche von der Einwohnergemeinde bezahlten Lebensmitteleinkäufe in Neuheim getätigt werden müssen», die ebenfalls missachtet würde. Der Gemeindepräsident Bosshart erwidert: «Natürlich wollen wir unserem Gewerbe nicht schaden. Wir werden weiterhin selbst kochen und die Produkte nach Möglichkeit wie bisher aus Neuheim beziehen.» Diese Abkehr vom Geplanten fusst nicht auf einem generellen Sinneswandel, sondern auf der tiefen Zahl von Anmeldungen für die SEB: Gegenwärtig liegt sie bei 20 Kindern aus 13 Familien, das entspricht nach Gemeindeangaben lediglich 10 Prozent der Schüler. Bosshart hält fest, dass die Anmeldungen weit unter den Ergebnissen einer Umfrage zur SEB liegen würden. «Wir müssen zuerst unsere Erfahrungswerte machen», sagt er. Die Anmeldefrist für die SEB ist deshalb aufgehoben worden, Eltern können ihre Kinder also fortlaufend anmelden.

Und woher kommt das Catering, sollte es dereinst eingeführt werden? «Nach Möglichkeit aus Neuheim.» Bosshart äussert sich nicht zur Tatsache, dass der GV-Vorlagebegriff «lokal» weiter gefasst ist als die Dorfgrenze. Er hält abschliessend fest: «Wir haben stets betont, dem Projekt SEB drei Jahre Zeit zu geben, bevor eine Bilanz gezogen wird.»

Was passiert am 7. Juni?

Bleibt die Frage, ob und wie das Thema SEB an der Gemeindeversammlung vom 7. Juni angesprochen wird. Die dreifache Mutter Nadine Wyss, die die Einführung im Vorfeld der letzten GV stark unterstützt hat, will dem Projekt eine Chance geben und ihre mittlere Tochter anmelden. «Das Dorf braucht diese Möglichkeit, damit die Mütter arbeiten gehen können.» Sie denkt nicht, «dass sich der Gemeinderat vorwerfen lassen muss, etwas verschleiert zu haben. Allerdings dachten alle, dass mit dem bestehenden Team weitergemacht würde.» Dessen Mitglieder sind von Roger Bosshart aufgerufen, sich auf die nächstens ausgeschriebenen Stellen für die SEB zu bewerben. Susanne Krüdewagen lehnt das ab. Sie sagt: «Unter diesen chaotischen Voraussetzungen bin ich nicht bereit, mich zu engagieren und meinen guten Ruf zu riskieren.»

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