NEUHEIM: «Niemals die Bodenhaftung verlieren»

– Sie ist die einzige katholische Gemeindeleiterin im Kanton Zug. Nun geht Anita Wagner Weibel in den Ruhestand.

Wolfgang Holz
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Fast zehn Jahre ist sie Gemeindeleiterin in Neuheim gewesen: Anita Wagner Weibel. (Bild Christian H. Hildebrand)

Fast zehn Jahre ist sie Gemeindeleiterin in Neuheim gewesen: Anita Wagner Weibel. (Bild Christian H. Hildebrand)

Frauen können in der katholischen Kirche das Priesteramt nicht ausüben. Anita Wagner Weibel bedauert dies. Die gebürtige Luzernerin ist überzeugt, dass Frauen Kirche und Religion den Gläubigen sehr emotional vermitteln können. «Wir Frauen gehen mit unendlich viel Herz und Liebe auf die Leute zu. Und wenn in Neuheim jemand gestorben ist – oder wenn jemand heiratete, hat mich das als Gemeindeleiterin auch persönlich immer stark berührt, und ich habe das den Betroffenen so vermitteln können», versichert die 64-Jährige.

Wenn Anita Wagner Weibel über ihren Beruf spricht, spürt man, dass dieser für sie wirklich eine Berufung gewesen ist. «Ich bin mit Leib und Seele Seelsorgerin», versichert sie. Nicht nur, weil sie schon als Kind gern zu Hause an einem selbst gebastelten Altar Gottesdienst spielte – zusammen mit ihrer fünf Jahre jüngeren Schwester. Später arbeitete die Mutter von heute zwei erwachsenen Kindern zunächst als Katechetin in der Zuger Primarschule St. Johannes, bevor sie den Wunsch verspürte, «tiefer in das Wesen des Glaubens einzudringen, um noch mehr über den Sinn des Lebens in der Bibel zu erfahren. Denn der Glaube ist meine Heimat.»

Ein mutiger Schritt

Mit 42 Jahren entschied sie sich dann, noch Theologie in Luzern zu studieren. Ein mutiger Schritt. Danach wirkte sie zuerst als Seelsorgerin in Rotkreuz, Meierskappel und Luzern. Bis es sie schliesslich nach Neuheim verschlagen hat, wo es damals, so Wagner Weibel, in der Pfarrei «drunter und drüber gegangen» sei. Doch sie liess sich davon nicht einschüchtern. Im Gegenteil. Sie nahm die Herausforderung an, fasste schnell Vertrauen zu den Menschen in der Gemeinde und liess sich von der Kirchgemeinde zur Gemeindeleiterin wählen.

«Neuheim ist ein wunderschönes Dorf mit ganz vielen tollen Leuten», schwärmt Wagner Weibel über ihre Zeit auf dem Berg. Dabei ist der Seelsorgerin in all der Zeit immer eines besonders wichtig gewesen: «Man muss die Sprache der Gläubigen sprechen und darf nie die Bodenhaftung verlieren.» Ein Vorsatz, der bei den Neuheimern offensichtlich gut angekommen ist. «Und man muss halt immer auf die Leute zugehen.»

Trotz ihrer Volksnähe ist auch bei ihren Gottesdiensten sonntags die schöne Kirche Maria Geburt nicht immer voll. «Es kommen so im Schnitt zwischen 50 bis 80 Gläubige pro Messe – die Kirche ist wieder besser gefüllt als auch schon», lobt Wagner Weibel. Wie man die Kirchen noch besser füllen könnte – darauf weiss auch sie spontan keine Antwort.

Grossmutter von fünf Enkeln

«Man hat den Eindruck, dass viele den Herrgott fast nicht mehr brauchen. Offenbar geht es den Leuten zu gut. Auch gibt es so viele Freizeitangebote.» Wobei die Neuheimer Gemeindeleiterin den Eltern von Kommunionkindern immer wieder gesagt habe: «Die Erstkommunion ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Es ist nicht allein die Aufgabe der Kirche, dafür zu sorgen, dass Kinder religiös aufwachsen – sondern die Verantwortung dafür liegt zuallererst in der Hand der Eltern.» Dabei hat die Grossmutter von fünf Enkeln Kinder sehr gerne: «Es ist schön, sie zu verhätscheln, sich um sie zu kümmern und am Ende wieder abgeben zu dürfen», sagt die 64-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Am nächsten Sonntag wird sie nun offiziell von der Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet. Sie freut sich schon darauf. Und danach? Langweilig werde es ihr sicher nicht. «Ich bin eine Leseratte, gehe gerne wandern – vor allem auf der Rigi – und koche gerne italienisch», lässt sie ihre Hobbys Revue passieren. Ganz als Seelsorgerin will sie dennoch nicht aufhören. «Wenn irgendwo Not am Mann ist, springe ich gerne ein.» Apropos. Natürlich freue sich auch ihr Ehemann nun darauf, dass sie künftig wieder mehr Zeit für sich beide haben.