NEUHEIM: Roger Bosshart: «Ich bin offen und höre zu»

Der amtierende Sicherheitschef Roger Bosshart will neu auch Gemeindepräsident werden – weil es mehr Transparenz brauche.

Interview Luc Müller
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Auf dem Josefsgutsch, wo die Neuheimer Linde steht, stellte sich Roger Bosshart den Fragen. (Bild Dominik Hodel)

Auf dem Josefsgutsch, wo die Neuheimer Linde steht, stellte sich Roger Bosshart den Fragen. (Bild Dominik Hodel)

Herr Bosshart, als Inhaber einer Werbeagentur haben Sie nun hier die Plattform, mal für sich Werbung zu machen. Wie lautet Ihr Wahlslogan?

Roger Bosshart: Ich habe keinen Slogan. Mein Anliegen ist es, dass der Gemeinderat wieder vermehrt auf die Bedürfnisse der Bevölkerung eingeht und das Gesamtinteresse der Gemeinde im Vordergrund steht. Nicht ohne Grund haben sich neun Kandidaten für den fünfköpfigen Gemeinderat aufstellen lassen.

Das zeigt, dass es Misstrauen gegenüber dem Gemeinderat gibt. Was haben Sie als Exekutivmitglied falsch gemacht?

Bosshart: Die traktandierten Geschäfte an der Gemeindeversammlung müssen zukünftig für den Stimmbürger gehaltvoller erklärt werden. Es braucht mehr Transparenz: Die Stimmbürger sollen schon im Vorfeld neu mit einbezogen werden. Es braucht einen Gemeindepräsidenten, der seine Kameraden unterstützt.

Und deshalb wollen Sie Gemeindepräsident werden?

Bosshart: Als Gemeindepräsident braucht es jemanden, der gerne auf die Bevölkerung zugeht und für alle Anliegen offen ist und zuhört. Das ist meine Stärke. In den letzten sechs Jahren kamen die Neuheimerinnen und Neuheimer oft mit Anliegen auf mich zu.

Wo wollen Sie in den nächsten vier Jahren in Neuheim den Hebel ansetzen?

Bosshart: Das Dorf wird in den nächsten vier Jahren um ein paar hundert Einwohner wachsen. Es gilt, hier die entsprechende Infrastruktur aufzubauen. Auch verkehrstechnisch müssen wir auf das zu erwartende Wachstum reagieren. Die Dorfkernaufwertung ist sicher ein wichtiges Projekt für die Zukunft von Neuheim.

Wie schätzen Sie die Finanzlage von Neuheim ein?

Bosshart: Als Nehmergemeinde sind wir stark vom innerkantonalen Finanzausgleich abhängig. Rund ein Drittel der Einnahmen stammt aus diesem Solidaritätstopf. Wir müssen haushälterisch mit den Finanzen umgehen. Es ist wie im Leben: Ich muss Geld auf die Seite legen, um grosse Investitionen tätigen zu können. Die CVP meint, weil jetzt Geld vorhanden ist, soll es ausgegeben werden. Das sehe ich anders.

Wie?

Bosshart: Der Steuerfuss ist nicht der alleine entscheidende Faktor, damit Neuzuzüger oder Firmen zu uns kommen. Wir haben eine tolle Infrastruktur, eine hervorragende Lage und eine schöne Landschaft.

Wie wollen Sie langfristig weniger abhängig vom Finanzausgleich werden?

Bosshart: Wir müssen weniger aus dem Kässeli nehmen. Wir haben 300 Firmen im Dorf – neben den grossen wie die Sand AG Neuheim und Bucher Hydraulik haben wir viele mittelständische Betriebe. Es ist wichtig, die in Neuheim ansässigen Firmen gut zu betreuen. Es braucht viel Kontaktpflege. Wir besuchen aktiv Firmen vor Ort und kommen so ins Gespräch. Zudem findet jährlich ein Unternehmer­apéro statt.

Und wie kann man neue Firmen ansiedeln?

Bosshart: Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Zuger Wirtschaftsstelle. Im Jahr 2015 werden wir das Projekt «Vision Industrie Neuheim» aufgleisen. Als kleiner Wirtschaftsstandort geht es darum, die Industriezone zu stabilisieren und mögliches Wachstum nachhaltig zu prüfen.

Zurück zu Ihrer Abteilung Sicherheit, Wirtschaft und Verkehr. Was haben Sie in dieser Legislatur erreicht?

Bosshart: Ich habe die Abteilung neu organisiert – jetzt ist auch der Werkhof bei mir angegliedert – und das fachlich richtige Personal eingestellt. Zum ersten Mal verfüge ich über einen Abteilungsleiter. Zudem habe ich in der Kommission Feuerwehr 2015 mitgewirkt, damit die Feuerwehrpflicht und die Ersatzabgabe weiterhin bestehen bleiben. Für den Erhalt der Dienstleistungen im Dorf habe ich bisher gekämpft und werde auch in Zukunft dafür kämpfen. Seien es die Dorfläden, der Erhalt des Briefkastens im Dorfzentrum – oder wenn es um einen Nachfolger für den Dorfarzt geht.

Und als Präsident der Kulturkommission?

Bosshart: Als Präsident habe ich zusammen mit den Mitgliedern der Kulturkommission unter anderem den Weihnachtsmärt, die Chilbi und das Dorfplatzfest wieder zum Leben erweckt. Die Zusammenarbeit mit den Vereinen ist extrem wichtig für unser Dorf.

Was war Ihre grösste Niederlage in dieser Legislatur?

Bosshart: Vor vier Jahren wurde der Kredit für eine Studie «Tempo 30» von der Bevölkerung abgelehnt.

Und was ist mit dem öffentlichen Verkehr?

Bosshart: Längerfristig wäre eine Busverbindung von Neuheim nach Menzingen wünschenswert. Das kostet aber pro Jahr rund 125 000 Franken. Vielleicht ergibt sich eine Lösung im Zusammenhang mit dem Ausbau des Gymnasiums in Menzingen.

Zum Abschluss: Wie geht es Neuheim?

Bosshart: Dem Dorf geht es sehr gut. Neuheim ist ein sehr aktives Dorf, welchem ich gerne meine Zeit, meine Kompetenz und meine Erfahrung zur Verfügung stelle.

Zur Person

Der 50-Jährige sitzt seit 2009 für die FDP im Gemeinderat. Nach dem frühzeitigen Rücktritt des Sicherheitschefs Beat Keiser (CVP) Ende 2008 gewann Bosshart die Nachwahl gegen Alex Ettlin (Freie Wähler). Roger Bosshart ist Vorsteher der Abteilung Sicherheit, Wirtschaft und Verkehr. Nun strebt er neben der Wiederwahl das Gemeindepräsidium an.