Neuheim
Warteliste am Mittag: Die Kinderbetreuung an der Schule ist nach anfänglicher Skepsis gefragt

Der Zuwachs an Einwohnern hat im Dorf neue Bedürfnisse geschaffen. Ab dem kommenden Schuljahr wird ein grösseres Betreuungsangebot zur Verfügung stehen. Und für den August 2022 ist eine weitere Neuerung vorgesehen.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Susanne Paganoni, Leiterin der schulergänzenden Betreuung, kümmert sich um Kinder.

Susanne Paganoni, Leiterin der schulergänzenden Betreuung, kümmert sich um Kinder.

Bild: Matthias Jurt (Neuheim, 19. März 2021)

Auch Neuheim verändert sich unter dem starken Zuzug. Das erkennt man beispielsweise an den steigenden Bedürfnissen bezüglich Kinderbetreuung. Die nach dreijähriger Testphase ab dem Schuljahr 2019/20 eingeführte schulergänzende Betreuung (SEB) erfreut sich einer steigenden Nachfrage. Für die Mittagsstunden, wo derzeit 32 Plätze zur Verfügung stehen, werden Wartelisten geführt.

Der Gemeinderat hat das zum Anlass genommen, die Platzzahl auf das Schuljahr 2021/22 hin auf 40 zu erhöhen. Die Kinder und die Betreuerinnen um Leiterin Susanne Paganoni werden im Saal des Schulhauses Chilematt bleiben. In diesen hatten sie wegen der pandemiebedingten Abstandsvorschriften gewechselt. Zuvor waren sie im Café Moränenstübli gewesen. Für die Essenszubereitung wird weiterhin Renata Rohrer zuständig sein.

Früherer Beginn am Morgen

Überdies hat die Gemeinde das SEB-Angebot ab August erweitert. So wird die Morgenbetreuung neu um 7 statt um 7.30 Uhr beginnen. Dies, «um Arbeitnehmern entgegenzukommen, die aufgrund eines längeren Arbeitswegs mit ihren Kindern etwas früher in den Tag starten müssen», wird die Schulpräsidentin Monika Ulrich-Meier im aktuellen «Gemeindeinfo» zitiert. Auf Nachfrage sagt sie, dass man sich dadurch auch eine höhere Auslastung der 16 Plätze erhoffe.

Ausserdem wird die SEB ab August erstmals Plätze für freiwillige Kindergärtler am unterrichtsfreien Mittwochvormittag anbieten. Ebenfalls neu wird die Betreuung an Tagen sein, an denen wegen Weiterbildungen der Lehrer frei ist. Die Anmeldeunterlagen für die neue SEB werden Ende März versandt.

Vorbehalte in der Anfangszeit

Vor wenigen Jahren war die Situation eine andere. Zwar unterstützte die grosse Mehrheit der rekordverdächtigen 204 Stimmberechtigten an der Winter-Gemeindeversammlung 2015 die Pläne des Gemeinderats. Anschliessend wurden jedoch Vorbehalte von Eltern laut, auch weil das beliebte Team des bewährten Mittagstisches dem neuen Angebot weichen musste. Die Zahl der Anmeldungen war zu Beginn tief, im ersten Jahr wurden nicht einmal zehn Prozent der Schüler betreut. In der Folge wurde der Umfang reduziert, der Mittwochnachmittag und die Ferienbetreuung gestrichen. Dennoch stimmte die Gemeindeversammlung im Dezember 2018 der festen Einführung zu.

Seither ist die Nachfrage stetig gestiegen, wie die Zahlen der Schule Neuheim zeigen: Gegenwärtig nutzen 23 Prozent der Schüler die SEB. «Die anfängliche Skepsis ist einer breiten Zustimmung gewichen», stellt Monika Ulrich zufrieden fest. Die steigende Beliebtheit sei vor allem auf die Zuzüger zurückzuführen. Manche würden die schulergänzende Betreuung als Voraussetzungen für einen Umzug ins Bergdorf angeben. Die CVP-Politikerin sagt:

«Unser Angebot bildet unsere Bevölkerungsstruktur und ihre Bedürfnisse ab.»

Diese Bedürfnisse umfassten mittlerweile auch eine Ferienbetreuung. Ab den Sommerferien 2022 soll die SEB eine solche anbieten – sofern eine noch festzulegende Mindestzahl von Kindern erreicht wird. Derzeit können Neuheimer ihre Kinder während der Ferien nach Menzingen oder Baar bringen. Wie viele das nutzen, ist der Schulpräsidentin nicht bekannt.

Eltern kommen für über 50 Prozent der Kosten auf

Über den Spielraum für das SEB-Angebot entscheiden die Stimmberechtigten indirekt über das Budget. Für das laufende Jahr sind rund 236'000 Franken dafür vorgesehen. Die veranschlagten Elternbeiträge (125'000 Franken), deren Höhe sich nach dem Einkommen richtet, decken erstmals mehr als die Hälfte der Kosten ab. Das ist deutlich mehr als die in der Leistungsvereinbarung mit der Schule vorgesehenen mindestens 40 Prozent. Deshalb rechne man laut Monika Ulrich aus heutiger Sicht nicht mit Tariferhöhungen. Tiefere Preise seien derzeit allerdings auch kein Thema.