Neujahrskonzert mit Lichtensteiner Orchester: Die Ägerihalle war bis auf den letzten Platz gefüllt

Das Orchester Liechtenstein-Werdenberg eroberte mit seinem Programm die Herzen des Publikums.

Jürg Röthlisberger
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Das Orchester Liechtenstein-Werdenberg spielte sein Neujahrskonzert in Unterägeri.

Das Orchester Liechtenstein-Werdenberg spielte sein Neujahrskonzert in Unterägeri.

Bild: Stefan Kaiser (5. Januar 2020)

Zum zehnten Mal gastierte das Orchester Liechtenstein-Werdenberg im Ägerital. Mindestens für die gesetztere Generation gehört dieses Konzert zum Jahresanfang fast wie der Zytturm zur Zuger Altstadt. So viele wollten dabei sein: Die grosse Halle war bis auf den letzten Platz besetzt, der Schlussapplaus lang, intensiv und grösstenteils stehend, beim anschliessenden Apéro wurde praktisch nur gerühmt. Das beschwingt vorgetragene Programm aus Ballettmusik und Operette hatte das Publikum erneut begeistert.

Bereits die Begrüssungsworte von Orchesterpräsident Peter Möller bestätigten die grosse Vertrautheit zwischen den an die 50 aktiv Mitwirkenden und dem Ägeritaler Publikum. In den beiden am Beginn und Schluss gespielten Werken von Johann Strauss Sohn (1825-1899) spürte man viel von der intensiven Vorarbeit unter Stefan Susana.

Tanzeinlagen nicht für alle einsehbar

Das in einigen Registern deutlich verjüngte Orchester wirkte in sich abgerundet und man fand sich zu einer einheitlichen Werkauffassung. Die recht trockene Akustik erschwerte starke Kontraste in der Lautstärke. Beim weltbekannten «An der schönen blauen Donau» suchte und fand der Dirigent darum eine klare Gliederung durch differenzierte Wahl verschiedener Tempi.

Der zeitliche Schwerpunkt des Programms lag aber bei den Ballettmusiken von Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893). Der Komponist war zwar alles andere als ein Bühnenpraktiker; daran hinderte ihn schon sein extrem schüchternes Auftreten. Aber gerade dieser Umstand führte vielleicht dazu, dass sich seine Ballettmusiken verselbstständigten, weg von der blossen Begleitfunktion für das Geschehen auf der Bühne. Dies fand auch Niederschlag in der Programmgestaltung. Bei drei von fünf Ballettstücken blieb das Orchester unter sich, und nur zweimal wurde auch getanzt.

Die Zuckerfee aus dem «Nussknacker» wurde von der Solotänzerin Miryam Velvart dargestellt, und drei Elevinnen ihrer Ballettschule gestalteten den Tanz der Schwäne aus «Schwanensee». Die Bühne wurde zu diesem Zweck nicht zusätzlich angepasst, und so waren die Ballett-Einlagen für einen Grossteil des Publikums nur unvollkommen sichtbar. Durch das ganze Programm hindurch – auch bei den Kompositionen von Sergej Prokofjew (1891-1953), Franz von Suppé (1819-1895) und Alfons Czibulka (1842-1894) – überzeugte eine sorgfältige Vorbereitung der Laienmusiker nicht nur durch den Dirigenten, sondern auch beim täglichen Üben. Die einzelnen Register wirkten in sich homogen und man erlebte auch eine ausgewogene Klangbalance zwischen den einzelnen Stimmgruppen. Im Gegensatz zu den meisten Zuger Laienorchestern waren auch die Bläser voll eingebaut, und es wurden nicht Profis kurzfristig als Zuzüger engagiert.

Sorgfältig setzte Stefan Susana die Grenzen, etwa bei der Tempowahl für die raschen Pizzicati im «Marsch der Zinnsoldaten». Vereinzelt gab es Unsicherheiten bei der Intonation (Bläser-Einsätze beim «Tanz der Schwäne») oder im Zusammenspiel (Streicher-Einsätze in der «Stefanie»-Gavotte). Gesamthaft überwog aber ganz entschieden die erfreuliche Leistung des Laien-Klangkörpers. Glanzlichter setzten neben verschiedenen Bläser-Einsätzen zusätzlich die Solostellen der Konzertharfe.

Weiterer Auftritt am gleichen Tag

Zum Mitklatschen des Publikums führte die Zugabe. Sie erinnerte an die Frühzeit von Arnold Schönberg, als dieser – damals noch ein unbekannter Musikstudent – den Wiener Prater aufsuchte, um sich dort ein kärgliches Zubrot zu verdienen.

Allzu lange konnten die Ausführenden beim anschliessenden Apéro allerdings nicht verweilen; sie hatten am gleichen Tag noch einen Auftritt in Ruggell an der Nordspitze von Liechtenstein. Auch solches gehört zum Lebensrhythmus von Laienmusikern, welche sonst die ganze Woche über in einem anderen Beruf arbeiten.