Nez Rouge Zug: «Wir bringen jeden sicher nach Hause»

Seit Ende November sind die Fahrer von Nez Rouge wieder in Zug unterwegs. Auch der Oberägerer Stephan Strub engagiert sich mit Herzblut.

Laura Sibold
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Stephan Strub ist seit vier Jahren für Nez Rouge im Einsatz. Eine sinnvolle Aktion, wie er findet.

Stephan Strub ist seit vier Jahren für Nez Rouge im Einsatz. Eine sinnvolle Aktion, wie er findet.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 5. Dezember 2019)

Die Abende rund um Weihnachten und Silvester verbringen die meisten im Kreis von Familie und Freunden. Nicht so Stephan Strub: Seit vier Jahren engagiert sich der Oberägerer als Fahrer bei der Aktion Nez Rouge. Von Ende November bis Ende Jahr bringt er abends Autofahrer, die sich nicht mehr fahrtauglich fühlen, mit ihrem Fahrzeug nach Hause. «Das ist eine nützliche Art von Nächstenhilfe und bereitet mir Freude», begründet Strub seine Einsätze.

Lange habe ihm als alleinerziehender Vater jedoch die Zeit gefehlt, um Abend für Abend als Fahrer bereitzustehen. Mittlerweile ist Strubs Sohn 19 Jahre alt und über Weihnachten bei der Mutter. Über die Festtage zu arbeiten, stört den 43-Jährigen, der in Oberägeri eine Massagepraxis betreibt, daher nicht. «Ich fahre gern Auto und die Aktion als Unfallprävention ist sinnvoll», so Strub, der auch im Vorstand der Sektion Zug-Innerschwyz sitzt.

Eine 700 PS starke Überraschung

In seinen vier Jahren bei Nez Rouge hat Stephan Strub schon über 100 Fahrten absolviert und einiges erlebt. Meist seien die Kunden sehr dankbar und es ergeben sich angeregte Gespräche, bei denen man auch viel Persönliches erfahre. «Manchmal hat man Glück. Letzten Samstag durfte ich ein Auto mit 700 PS fahren, das hat man natürlich nicht alle Tage.» Ein anderes Mal habe ein Mann zu Hause sein Auto noch selber in die Garage stellen wollen. «Wir liessen ihn ausnahmsweise gewähren, weil wir dachten, auf diesen fünf Metern könne nichts mehr passieren. Leider nahm er dann aber die halbe Hausecke mit», erinnert sich Strub. Gröbere Zwischenfälle seien jedoch die Ausnahme, arg Betrunkene erlebe er nur wenige.

«Die meisten haben aber zu viel intus, als dass sie noch selber fahren dürften. Darum braucht es uns.»

Stephan Strub betont jedoch auch, dass die Dienstleitung nicht nur für Betrunkene gedacht sei, sondern für jeden, der sich fahruntauglich fühle: «Man darf auch anrufen, wenn man müde ist oder sich einfach nicht wohlfühlt.»

Ohne die Hilfe vieler Freiwilliger könnte die Aktion Nez Rouge allerdings nicht durchgeführt werden. Jedes Jahr werden Fahrer, Telefonisten und Begleiter gesucht – auch für die aktuelle Aktion könne man sich noch melden, betont Stephan Strub.

Fünfmal an dasselbe Fest, um Leute abzuholen

Nach Hause chauffiert hat der engagierte Oberägerer Fahrer schon einen bunten Mix von Leuten: vom 20-jährigen Partygänger bis zum gestandenen Geschäftsmann, wie er selber sagt: «Wir bringen jeden sicher nach Hause, egal wohin.» So arbeiten die Sektionen von Nez Rouge eng zusammen und gewährleisten, dass Kundinnen und Kunden auch über die Kantonsgrenzen hinaus heimgefahren werden. Er sei eines Nachts auch schon fünfmal an dasselbe Fest gefahren, um die Leute abzuholen und sicher nach Hause zu bringen, so der gebürtige Baselbieter, der seit 13,5 Jahren im Kanton Zug wohnt. Durch seine Tätigkeit bei den FC Ägeri, Baar und Kriens ist Strub in der Region kein Unbekannter. Zudem gebe es immer wieder Leute, die Nez Rouge mehrmals nutzen. «Ein bekanntes Gesicht zu sehen, ist jedes Mal schön.» Darüber hinaus sei auch das Freiwilligenteam von Nez Rouge Zug eine halbe Familie. Allein ist Stephan Strub an den Festtagen somit nicht.

Über 19000 Kilometer zurückgelegt

(ls) Seit 26 Jahren gibt es Nez Rouge Zug-Innerschwyz. Wer sich nicht mehr fahrtauglich fühlt, kann während der Aktion, die jeweils von Ende November bis Silvester dauert, den Dienst von Nez Rouge in Anspruch nehmen. Nach einem Anruf kommen zwei Fahrer mit einem Auto vorbei. Der Kunde wird dann im eigenen Auto nach Hause gefahren, während das Nez-Rouge-Auto hinterherfährt.

2018 absolvierte die Sektion Zug-Innerschwyz 381 Fahrten und brachte 830 Personen sicher nach Hause. Im Einzugsgebiet Kanton Zug und Talkessel Schwyz wurden so über 19 300 Kilometer zurückgelegt. Das Angebot ist grundsätzlich kostenlos, der Aufwand wird auf freiwilliger Basis entschädigt. Die 2019 eingenommenen Beträge spendet die Zentrale Zug an den Angelman Verein Schweiz, die Zentrale Schwyz an die BSZ Stiftung Einsiedeln.

Telefon: 0800 802 208. Weitere Infos und die Einsatzzeiten unter www.nezrouge-zug.ch.