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Nicht jeder abgestürzte Jungvogel braucht wirklich Hilfe

Derzeit häufen sich die Fundmeldungen von Jungvögeln im Kanton Zug. Ein Experte rät aber, ja nicht vorschnell zu handeln.
Christopher Gilb
Ein Bild des jungen Mauerseglers aus der Facebook-Gruppe  «Zuger helfen Zugern». (Bild: Facebook)

Ein Bild des jungen Mauerseglers aus der Facebook-Gruppe  «Zuger helfen Zugern». (Bild: Facebook)

Gleich mehrere Beiträge wurden in letzten Tagen in der Facebook-Gruppe «Zuger helfen Zugern» aufgeschaltet, in denen es um Jungvögel geht. «Habe heute auf dem Boden vor unserer Eingangstür einen Vogel gefunden, der sich vom Sturz erholt hat, weiss jemand wo ich mich melden kann?», will etwa ein Gruppenmitglied wissen. Bebildert ist der Beitrag mit zwei Fotos eines kleinen Mauerseglers, der auf einer blauen Decke liegt.

Ein anderes Mitglied schreibt: «SOS, habe die beiden eben auf der Strasse gefunden. Einer war leider schon überfahren. Was mache ich nun mit ihnen? Die Vogelwarte Sempach und die Tierheime haben schon geschlossen.» Das Foto zeigt zwei Vögel, vermutlich handelt es sich um Buchfinken, die in einer Art Kiste sitzen. Walter Benz, Tierpfleger beim ornithologischen Verein Zug, kennt solche Meldungen. «Ich werde derzeit täglich kontaktiert, weil jemand Jungvögel gefunden hat. Von März bis
August ist die Flugsaison der Vögel, deshalb kommt das
momentan häufig vor.»

Falschverstandene 
Tierliebe

Bei den gefunden Vögeln würde es sich um sogenannte Ästlinge handeln, also Jungvögel, die noch ihre Flugmuskeln trainieren müssten und deshalb auch mal abstürzen könnten. «In rund zwei Drittel der Fälle rate ich aber, die Vögel dort zu lassen, wo man sie gefunden hat, oder wenn sie an einem gefährlichen Ort beispielsweise auf einer Strasse liegen, sie einfach ins nächste Gebüsch zu bringen», so Benz. Denn die Vögel stünden im Normalfall weiterhin mit ihren Eltern in Kontakt, die sie dann auch finden würden. «Ich habe immer wieder Fälle, wo Leute leider vorschnell handeln, nach meiner Beobachtung wird das von Jahr zu Jahr schlimmer und ist falsch verstandene Tierliebe», so Benz. Denn nehme man die Vögel mit, werde die Kommunikation zu den Eltern unterbrochen, was gar nicht gut sei. «Letztens hat sich eine Person gewundert, dass sie von den Eltern des Jungvogels attackiert wurde, dabei lag der Grund dafür auf der Hand.»

Die Leute seien leider etwas beratungsresistent. Anders sei es jedoch, wenn der Jungvogel verletzt sei. Dann könne man die Vogelwarte Sempach, ihn oder den kantonalen Wildhüter kontaktieren. Und wenn es sich, wie bei einem der Beiträge auf «Zuger helfen Zugern», um einen Mauersegler handle, müsse ebenfalls gehandelt werden. «Diese sind die einzige Ausnahme, da sie nicht vom Boden aus starten können und deshalb in die Voliere gebracht werden müssen, wo es eine Kolonie gibt», so Benz. Beim Mauersegler handelt
es sich zudem um einen eher seltenen Vogel, der besonders schutzwürdig ist.

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