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Nicht nur Dreiklänge im Dreiklang-Saal in Steinhausen

Das Baarer Kammerorchester schlug einen Bogen von der frühen Klassik bis zur Spätromantik.
Jürg Röthlisberger
Das Baarer Kammerorchester im Dreiklang-Saal. Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 3. November 2019)

Das Baarer Kammerorchester im Dreiklang-Saal. Bild: Maria Schmid (Steinhausen, 3. November 2019)

Ein zahlreiches Publikum folgte am Sonntag dem Baarer Kammerorchester in den Dreiklang-Saal nach Steinhausen. Unter der Leitung von Manuel Oswald gelangen stimmungsvolle Wiedergaben mit Schwerpunkten aus der frühen Klassik und der Spätromantik.

Mit einem Klangkörper von 25 bis 40 Mitwirkenden je nach Werk bewegte man sich für die Frühklassik in idealer Orchestergrösse. Auch die Ergänzung mit spätromantischen Werken erschien von den spieltechnischen Voraussetzungen her günstig. Das Baarer Kammerorchester im engeren Sinn besteht nur aus Streichern. Darum muss man sich für die Bläserstimmen mit Zuzügern behelfen, was dem Dirigenten Manuel Oswald grössere Flexibilität in der Werkauswahl ermöglicht, aber gleichzeitig mit der Schwierigkeit verbunden ist, für das festgesetzte Datum die richtigen Leute zu finden.

Den Auftakt bildete die Sinfonia in D-Dur, entstanden aus der Oper «La finta giardiniera», von Wolfgang Amadeus Mozart. Während die komplizierte Handlung um Liebesintrigen den damals kaum erwachsenen Komponisten noch teilweise überforderte, hörte man mit den Sätzen für kleines Sinfonieorchester einen bereits vollgültigen Mozart. Dies kam auch durch die Wiedergabe voll zur Geltung: Nicht nur hier, sondern durch das ganze Programm spürte man eine sorgfältige Vorbereitung vom individuellen Üben über zahlreiche Streicherproben bis zu den wenigen Gelegenheiten für den Dirigenten, gemeinsam mit den Zuzügern die fertige Form zu finden.

Aus ähnlichem Geist erklang «Pour un reposoir» von Marc-Antoine Charpentier (1643-1704). In sicherer Intonation und angemessenem Klangverhältnis zwischen den einzelnen Registern erklangen die prägnanten Tutti-Blöcke. Nicht ganz transparent erschienen die Übergänge zu den Kleingruppen, in den Unterstimmen fast immer solistisch besetzt, bei den Ersten Violinen aber mit drei Mitwirkenden. Sicher war es verdienstvoll, für einmal eine Sinfonie aus dem umfangreichen Schaffen von François-Joseph Gossec (1734-1829) aufzugreifen. Die ausgewogene Wiedergabe liess den zwischen Mannheimer Schule und Frühklassik stehenden Notentext angemessen zur Geltung kommen. Lebendig gelangen die Wechsel zwischen den Streicher-Tutti und der nur aus zwei Flöten und zwei Hörnern bestehenden Bläsergruppe. Aber der nicht gerade grosse thematische Erfindungsreichtum liess verstehen, warum dieser Komponist gegenüber seinen Zeitgenossen Gluck, Philipp Emanuel Bach und Joseph Haydn heute weitgehend vergessen ist.

Tiefgründige Interpretation

Bei einmaligem Anhören viel tiefgründiger wirkte «Aux Etoiles» von Henri Duparc (1848-1933), der wohl zu Unrecht heute auch nur noch selten in den Programmen erscheint. Das Baarer Kammerorchester war auch am Ende des Programms beweglich genug, gemeinsam mit den Bläsern nochmals eine neue Stilebene werkgerecht zu gestalten.

In der Mitte des Programms stand ebenfalls ein nachromantisches Werk: «The Lark Ascending» – «Der Aufstieg der Lerche» des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams (1872-1958). Der Violin-Solopart imitierte Gesang und Bewegungsmuster einer Lerche, vom Gastsolisten Ulrich Porschner technisch perfekt und wohl im Sinne des Komponisten interpretiert. Beeindruckend die Leistung des Orchesters beim Einstieg und ganz am Schluss: Das Pianissimo des vollen Streicherkörpers übertönte den Solisten nie, selbst wenn dieser auch Pianissimo spielte.

Als Zugabe für den langen und intensiven Schlussapplaus wiederholte das Orchester den letzten Mozart-Satz. Einen Rahmen schufen die wie immer situationsgerechten Einführungsworte von Oswald Iten und der Apéro nach Konzertschluss, der einen gemütlichen Ausklang schaffte.

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