Nicht überall darfs laut zugehen

Jetzt beginnt die Fasnacht. Gefeiert wird draussen und drinnen. Doch wie willkommen sind Fasnächtler in den Beizen?

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Ein Bild aus guten alten Zeiten: Früher fand die Baarer Fasnacht noch in den Beizen statt - so wie hier im mittlerweile abgerissenen «Bahnhöfli». (Bild: Archiv Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Ein Bild aus guten alten Zeiten: Früher fand die Baarer Fasnacht noch in den Beizen statt - so wie hier im mittlerweile abgerissenen «Bahnhöfli». (Bild: Archiv Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

«Ich bin überzeugt, dass Guggenmusigen gern gesehene Gäste in den Beizen sind – nicht zuletzt, weil der Trend vorbei ist, dass man ihnen etwas zu trinken geben muss», sagt Peter Iten, Präsident von Gastro Zug und gleichzeitig Wirt im Baarer Restaurant Landhaus. Zu ihm dürften alle närrisch Gesinnten kommen. Wobei er zugibt, dass er aufgrund der etwas abseitigen Lage seines Lokals vom ganz grossen Fasnachtstrubel verschont werde.

Iten bedauert aber die zunehmende Anzahl von Fremdbeizen während der fünften Jahreszeit: spontan aufgebaute Beizen in Baracken und Zelten. Sind diese etwa ein Indiz dafür, dass Fasnächtler doch nicht mehr so gern gesehene Gäste in normalen Beizen sind? «Nein, überhaupt nicht», antwortet der Zuger Gastro-Chef. Zwar seien so manche Speiselokale sicherlich «not amused» über lärmende Fasnächtler. «Der Grund für solche Fasnachtsbeizen ist eher, dass Vereine darin einen willkommenen Zustupf für ihre Kasse sehen.»

Fakt ist: Es gibt noch genügend traditionelle Dorfbeizen – wie etwa die «Krone» in Baar, wo während der Fasnachtstage die Post abgeht. «Wir haben dann täglich bis drei-vier Uhr morgens geöffnet, die Stimmung ist laut und lustig, und der Rubel rollt, wenn man in die Portemonnaies der Serviertöchter schaut», verrät eine Angestellte. Besonders willkommen sind Fasnächtler auch in solchen Beizen, wo Schnitzelbänkler ihre lustigen Verse zum Besten geben. «Das können dann die Wirte und die Gäste gleichermassen geniessen», sagt Andreas Trüssel, früher «Szenario»-Wirt und immer noch Mitglied in der Steinhauser «Steigrind»-Fasnachtsgesellschaft.«Bei uns im Dorf sind alle Lokale fasnächtlich dekoriert, und die Guggenmusigen machen die Runde», so Trüssel. Das Einzige, was sich an der Fasnacht geändert habe, sei die Tatsache, dass weniger konsumiert werde als früher. «Weil die Leute mit dem Auto fahren und weil sie oft am nächsten Tag wieder arbeiten müssen.»

Und wie stehts mit Speiselokalen? «Wir sind ein Gourmet-Restaurant», sagt Daniel Kühne vom Oberägerer «Hirschen». Doch zur Fasnacht baue er das Lokal um: für Musik und Tanz und gute Laune. «Wir machen das mit Herzblut», versichert er. «Schliesslich gehören wir zum Dorf und leben vom Dorf – und die Fasnacht ist einfach Teil unserer Kultur». Felix Franz vom gleichnamigen «Kaiser Franz» in Zug sieht die Dinge anders. Er hat schon schlechte Erfahrungen mit lärmenden Fasnächtlern gemacht, die bei ihm im Lokal edle Schnapsflaschen und Gläser zerbrochen hätten. «Zudem habe ich keine Lust, den Rest des Jahres Konfetti vom Boden aufzulesen.»

Wolfgang Holz

Im Ägerital funktioniert die Beizenfasnacht noch

Fasnachtsgesellschaften «Beizen wie das ‹Bahnhöfli› fehlen.» Stefan Weber, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Baar, erinnert sich an die Zeiten, als in der Räbemetropole die Fasnacht noch in den Restaurants gefeiert wurde. Neben dem «Bahnhof» wurde auch im «Kreuz», im «Hans Waldmann», im «Rigi» oder im «Schwert» die Nacht zum Tag gemacht. «Dass es diese Beizen nicht mehr gibt, ist ein herber Verlust», sagt Weber und stellt fest: «Deswegen bleiben viele zu Hause.» Das Ende der Fasnacht will er aber nicht propagieren: «Sie ist nach wie vor sehr gut, sie hat sich einfach verändert.» Allerdings sei es mittlerweile so, dass man in den verbliebenen Beizen oft keinen Platz mehr finde.

Die ganze Nacht geöffnet

Mit diesen Schwierigkeiten kämpfen auch die Oberägerer Fasnächtler. «Seit der ‹Löwen› und die ‹Chämihütte› geschlossen sind, wird es ab und zu eng», sagt Legorenvater Michael I. Rogenmoser. Auch deshalb wird unterdessen auch in der Maienmatt gewirtet. Die verbliebenen Beizen seien gegenüber der Fasnacht aber sehr offen, einige hätten die ganze Nacht geöffnet. Und auch Guggen sind willkommen. «Sie passen sich auch an und treten in einer Kleinformation auf», so Rogenmoser.

«Die Beizen sind sehr wichtig für uns», sagt Hugo Nussbaumer, Präsident der Wylägerer Fasnachtsgesellschaft. Und er windet den Unterägerer Wirten ein Kränzchen: «Es sind alle Wirte an der Fasnacht dabei. Viele dekorieren die Beiz und sind gegenüber den Fasnächtlern sehr offen.» Weil die Fasnacht in den Beizen läuft, seien alle Generationen an der Fasnacht dabei. Mit einem positiven Nebeneffekt: «Vandalismus kennen wir kaum.»

Silvan Meier