Nidfurren: Der Hofname wurde verhunzt

«So schreiben, wie es die Zuger sagen», Ausgabe vom 17. Dezember

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Ich bin in Nidfurren (mit zwei «r»!) geboren, habe 66 Jahre dort gelebt und war dort Wohneigentümer während 35 Jahren. Nun soll ich mich dahingehend belehren lassen, dass ich meine Stammheimat stets falsch geschrieben habe?

Das ist doch barer Unsinn – und das Ergebnis von Kompetenzüberschreitung seitens der ZVB, des blinden Nachbetens nomenklatorischer Instanzen in Menzingen und anderswo und der einseitigen und nicht genügend recherchierten Festlegung von Ortsnamenkundler Beat Dittli auch in seinem Nachschlagewerk. Und seine Aussage in der «Mänziger Zytig» vom Dezember, dass der Namen Nidfurren «gelegentlich» anders geschrieben worden sei, ist bewusst verdreht. «Gelegentlich», das ist eine eindeutige Unwahrheit, um sein Rechthaben-Wollen zu stützen. Dittli hat zwar jahrhundertalte Schreibweisen herbemüht, hat aber das 19. und weitestgehend auch das 20. Jahrhundert nicht berücksichtigt und gar nicht beachten wollen.

In den mir bekannten Grundbucheinträgen aus dieser Zeit wurde Nidfurren mit zwei «r» geschrieben, eine Vielzahl von Verträgen und auch in Testamenten sowie von der Gemeinde Menzingen wurde der Name früher so geschrieben. Das Restaurant Nidfurren bestand von 1912 bis 1974, angeschrieben mit zwei «r». Meine angestammte Familie hat doch nicht ihr Restaurant falsch angeschrieben!

Und sie hat nicht die eigene Adresse, die sie angegeben hat, ihren Hof falsch benannt. ZVB-Direktor Bietenholz hat in den 1960er-Jahren plötzlich etwas anderes verfügt und durchgesetzt.

Er hat damit seine Kompetenz missbraucht, denn er hat keine nomenklatorische Befugnis und hatte auch nicht das nötige Sachwissen. ZVB-Direktor Hugo Berchtold hat nach Konsultation der ESZ-Akten dies vor rund 20 Jahren zurückkorrigiert. Mit dem jetzigen Fahrplanwechsel wurde, sogar unter der Mitwirkung des Menzinger Gemeinderates, erneut eine Änderung vollzogen. Die ZVB-Leitung ist damit bei der vierten Version der Schreibweise angelangt.

Dass Ortsnamenforscher Dittli die Schreibweise von mindestens einem Jahrhundert auf die Seite wischt oder gar nicht gekannt hat und auf jeden Fall nicht berücksichtigt, zeugt von unvollständiger Recherche und zu bemängelnder Darstellung. Er hat sich auch nicht auf die Darlegungen des mit Menzingen verbundenen Germanisten Markus Erni eingelassen, der das kurze «u» im Namen Nidfurren und das nachfolgende «Doppel-r» erklärt. Warum liegt eigentlich den ZVB und den Menzinger Behörden die nun diktierte Schreibweise so am Herzen und wieso verfechten sie jene derart penetrant?

Für einen auf diesem Hof zur Welt gekommenen und längste Zeit dort wohnhaft gewesenen Menzinger Bürger bedeutet die herkömmliche Schreibweise Identität, Echtheit und Heimatverbundenheit. Aber Respekt und Heimatverbundenheit scheinen alle diese Instanzen und den Ortsnamenskundler aus Oberwil nicht zu kümmern.

Karl Etter, Menzingen