Leserbrief

«Noch bin ich stolz darauf, Schweizerin zu sein»

Zur Integration in der Schweiz

Drucken
Teilen

Warum zieht es uns in die Ferne? Was ist es, was den Reisenden an einem fremden Land fasziniert? Sind dies nicht die Naturschönheiten, die landestypischen Kulturen und die dort gelebten Traditionen, welche uns begeistern und in den Bann ziehen?

Und wie sieht dies bei uns in der Schweiz aus? Wie sorgfältig gehen wir mit unseren Naturschätzen um? Haben unsere Traditionen noch Platz und können sie noch frei ausgelebt werden? Und wie selbstbewusst stehen wir zu unserer Kultur?

Im vergangenen Sommer habe ich mit dem Velo einen Abstecher ins benachbarte Vinschgau gemacht, wo ich mich sofort sehr heimisch und wohlgefühlt habe. Traditionen werden dort noch gelebt und die Bewohner stehen selbstsicher zu ihrem christlichen Glauben. Bilder und Kreuze zieren Hausfassaden und Strassen, in welchen fast ausschliesslich in der Landessprache gesprochen wird. Gleichzeitig fühlt man sich aber als Gast in der Fremde herzlich willkommen. Ich war fasziniert von so viel Heimatstolz und der gleichzeitigen Offenheit.

Wieder zurück in Zug überkommt mich das Gefühl, eine Fremde im eigenen Land zu sein. Beim Einkaufen im Metalli oder auch in der Badi Seeliken habe ich mich fast schon so an all die fremden Sprachen gewöhnt, dass ich freudig aufhorche, wenn einmal ein schweizerdeutscher Wortfetzen mein Ohr berührt. Wo sind die Schweizer?

Im ganzen Land spricht man von Integration. Wer muss denn da integriert werden? Kann eine Integration überhaupt funktionieren, wenn der Ausländeranteil so gross ist?

In zu vielen Schulklassen ist der Anteil von Kindern mit Schweizer Wurzeln bereits in der Minderheit. Welche Auswirkungen diese Tatsache auf unser Bildungssystem hat, kann sich jedermann/jedefrau selber zusammenreimen.

Und wo bleibt unser Nationalstolz? Mich befremdet es sehr, dass in den Schulen Kreuze entfernt werden und traditionelle Weihnachtsfeiern und -lieder fast schon verpönt sind. Ich erschrecke zuweilen über meine eigenen Gedanken, wenn ich mir überlege, was ich wohin anziehen kann/darf: Liegt ein ärmelloses T-Shirt für diesen Anlass drin oder muss ich auf Andersgläubige Rücksicht nehmen? Und dies in meiner eigenen Heimat.

Stehe ich öffentlich zu meinen Schweizer Werten, muss ich damit rechnen, dass ich als fremdenfeindlich abgestempelt werde, was in keiner Weise zutrifft. Mich faszinieren fremde Kulturen, ich reise fürs Leben gerne und liebe es, mit Menschen aus anderen Ländern in Kontakt zu kommen. Aber wie eingangs beschrieben, macht es mich traurig, wenn die einzelnen Kulturen immer mehr durchmischt und, wie dies bei uns in der Schweiz der Fall ist, sogar aufgegeben werden. Noch bin ich stolz darauf, Schweizerin zu sein, aber wie lange noch?

Franziska Keiser, Baar