Leserbrief
Noch immer stockt mir der Atem

Gedanken zum Jahrestag des Zuger Attentats

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Zum Attentat von 2001 in Zug habe ich eine vielleicht nicht ganz nebensächliche Ergänzung anzubringen. Mein Kollege M. Etterlin und ich unterrichteten damals als Klassen- und Parallellehrer je eine 2. Sekundarklasse an der Oberstufe Röhrliberg in Cham. Im Rahmen des Staatskundeunterrichts kam für einen Besuch als erste Institution der Kantonsrat in Zug in Frage, im Jahr darauf sollten dann National- und Ständerat in Bern folgen. Datum für Zug: 27. September 2001. Warum wir dann Bern um ein Jahr vorzogen, und am Attentatstag statt im Ratssaal in Zug auf der Tribüne des Nationalrats sassen, ist mir nicht mehr gegenwärtig.

Nichtsahnend bemerkten wir, dass Ratspräsident Hess eine (stille) Nachricht zugeschoben bekam, und kurz danach den Saal verliess. Im Anschluss an den Ratsbesuch war eine Fragerunde mit einem unserer Ständeräte vorgesehen. Hier erreichten uns nun in Schüben immer schlimmere Nachrichten, wir brachen die Fragerunde ab. Ich erhielt die dankbare Aufgabe, als Interviewpartner für Fernsehen und Radio die Medien von unseren Schülern fernzuhalten.

Die Heimfahrt nach Zug verlief in gedrückter Stimmung. Noch vergingen Stunden, bis wir das ganze Ausmass des grausamen Geschehens erkannten. Eine Schülerin unserer Oberstufe verlor den Vater, ein Mädchen meiner Klasse einen Onkel. Unter den Ermordeten war auch ein bekannter Landwirt, den unser Sohn Adrian in früheren Jahren regelmässig in Stall und Hof vertrat, wenn Politik anstand (mit Bestürzung hörte Adrian vom Attentat, seit 1995 lebte er als Dairy Farmer in Neuseeland, wo er seinen Traum von einer eigenen Farm verwirklichen konnte). In unserem kleinen Kanton hatte fast jeder irgendeine persönliche Beziehung zu Mitgliedern des damaligen Kantonsrats. Auch nach 20 Jahren stockt mir der Atem beim Gedanken: Wären wir mit zwei Schulklassen am 27. September 2001 im Zuger Rat gewesen...

Arnold Frei, Hagendorn

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