Leserbrief

Noch läuft nicht alles so reibungslos

«Die Kantonsschulen rüsten auf digital um», Ausgabe vom 15. März

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Die Digitalisierung des Unterrichts ist auch aus Sicht des Lehrerinnen- und Lehrervereins Kanton Zug (LVZ) ein enorm wichtiger Schritt. In Zukunft werden alle Schülerinnen und Schüler in der Schule mit einem eigenen Gerät arbeiten (BYOD: Bring your own device). Dies eröffnet den Schulen wichtige neue Möglichkeiten. Nur so gelingt es, die Lernenden zu einer digitalen Mündigkeit zu führen. So wird die Digitalisierung des Unterrichts an den kantonalen Schulen denn auch mit viel Elan verfolgt. Doch leider läuft die Umsetzung nicht so reibungslos, wie der Artikel suggeriert.

Der Augenschein zeigt, dass Vieles funktioniert und es gibt positive Rückmeldungen von Lernenden und Lehrpersonen – genauso gibt es aber auch kritische Rückmeldungen, Ineffizienz und Frust. Eine systematische Auswertung der Umstellung steht noch an.

Der Kanton Zug hat die Digitalisierung des Unterrichts im Kontext des Entlastungsprogramms 2015/18 beschlossen. Die Digitalisierung bedeutet daher vor allem auch «einsparen». Ein Hauptziel der Umstellung war das Überwälzen eines Teils der Infrastrukturkosten auf die Lernenden und Lehrpersonen. So kommt es, dass sie ihre Arbeitsgeräte weitgehend auf eigene Kosten anschaffen, versichern, ausrüsten und unterhalten müssen, während gemeindlichen Schulen ihren Lernenden und Lehrpersonen ein ausgerüstetes Gerät zur Verfügung stellen.

Eine andere Folge der Sparprogramme zeichnet sich im Schulalltag zunehmend ab: Die IT-Infrastruktur an den kantonalen Schulen fällt immer wieder aus. Dies liegt daran, dass verschiedene Serviceverträge aus Kostengründen gekündigt wurden. Der Kanton nimmt eine Verfügbarkeit von lediglich 95 Prozent in Kauf, also monatliche Totalausfälle der IT-Infrastruktur während acht Stunden! Zum Vergleich: der Kanton St. Gallen steckt 75 Millionen Franken in die Digitalisierung der Bildung und Luzern stellt den Lehrpersonen ausgerüstete Geräte für den Unterricht zur Verfügung.

Manche Schülerinnen und Schüler haben sich mit Geräten ohne Stifteingabe ausgerüstet. Nun zeigt es sich aber, dass sich der Unterricht auf solchen Geräten in wesentlichen Punkten nicht digitalisieren lässt, da man kaum Grafiken bearbeiten oder Skizzen erstellen kann.

Mit der nötigen didaktischen Begleitung der Umstellung hapert es ebenfalls. Echte Digitalisierung im Unterricht bedeutet nämlich auch eine grundlegende Veränderung von Methodik- und Unterrichtskonzepten, wie im Artikel durchaus betont wurde. Es reicht nicht aus, wenn die Lernenden und Lehrenden einfach mit einem Gerät im Unterricht erscheinen. In allen Konzepten ist davon die Rede, dass der Prozess sorgfältig begleitet werde. Doch geschehen ist diesbezüglich bislang wenig. Eine Zeit lang schien es sogar nötig, den Geräte- und Softwaresupport aus Kostengründen zu streichen. Wenigstens dafür konnte eine Lösung gefunden werden: An der Kantonsschule Zug wird der Support nun soweit möglich durch Lernende geleistet. Sie machen ihre Arbeit hervorragend.

Trotz all dieser Schwierigkeiten – die Digitalisierung des Unterrichts ist die Zukunft. Ausgerechnet an dieser Zukunft will der Kanton sparen. Die Leidtragenden sind die Jungen.

Barbara Kurth-Weimer, Präsidentin LVZ, Zug