NOTFALL: Zug verbessert Notruf-System

Der Notruf im Kanton Zug stand in der Kritik. Jetzt sind die Behörden über die Bücher gegangen.

Pd/Rem/Sh
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Die Behörden arbeiten im Notfallwesen besser zusammen (Symbolbild). (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die Behörden arbeiten im Notfallwesen besser zusammen (Symbolbild). (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die Zuger Gesundheitsdirektion, die Luzerner Sanitätsnotrufzentrale 144 und der Rettungsdienst haben die massiven Beschwerden aus der Zuger Bevölkerung über den Luzerner Notruf geprüft (wir berichteten, siehe Links). Kritisiert hatten die betroffenen Zuger Personen unter anderem, zunächst einmal vom Notruf an den Notfallarzt weiterverbunden worden zu sein. Eine Analyse der Aufzeichnungen hat nun ergeben, dass das Notfallsystem im Kanton Zug «im Grundsatz gut funktioniert», wie das Gesundheitsdepartement mitteilt. Es gebe aber Verbesserungspotential in der Abfrage und insbesondere in der Koordination zwischen der Notrufzentrale in Luzern, dem Medphone (ärzteeigenes Callcenter für Notfälle) sowie den dienstleistenden Zuger Notfallärzten.

Anrufer muss nicht mehrfach telefonieren

Wer heute aus dem Kanton Zug die Nummer 144 anruft, wird direkt an Medphone weitergeleitet, wenn der Anrufer nicht unmittelbar die Ambulanz anfordert Dadurch muss die Person, die anruft, nicht mehrfach telefonieren. Umgekehrt kann Medphone auch direkt mit der Notfallzentrale Kontakt aufnehmen. Dadurch sollen Unsicherheiten und wiederholt auftretende Verwechslungen über das Aufgebot einer Ambulanz verhindert werden. Ausserdem tauschen sich die beiden Notfallzentralen regelmässig aus, um Probleme frühzeitig anzugehen.

Ärzte melden Patienten persönlich

Klar instruiert wurden auch die Notfallärzte. Sie melden Patienten immer persönlich bei der Notrufzentrale 144 und im Spital an. Diese Aufgabe kann und soll nicht dem Patient übertragen werden. Die Betreuung fremdsprachiger Anrufer sei ebenfalls gewährleistet, heisst es seitens der Gesundheitsdirektion. Für eine abschliessende Beurteilung der eingeführten Massnahmen sei es noch zu früh.

Schon früher hatte Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann klar gemacht, dass eine Verlegung des Notrufs in den Kanton Zug nicht zur Diskussion stehe. Die Einbindung kleinerer Kantone in einen grösseren Verbund erhöhe die Flexibilität und die gegenseitige Unterstützung mit Personal und Einsatzmitteln, liess er ausrichten.

Notruf 144

Schweizweit gehen pro Jahr rund 600'000 Anrufe bei der Nummer 144 ein. Um eine Ambulanz mit zwei Leuten 24 Stunden in Betrieb zuhalten, muss pro Jahr im Schnitt mit 1,5 Millionen Franken gerechnet werden. Wer nur grundversichert ist, muss bei krankheitsbedingten Notfällen mindestens die Hälfte der Kosten selbst bezahlen. In der Schweiz verursacht das Rettungswesen rund 0,7 Prozent der Gesundheitskosten.

Ein Interview mit Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann lesen Sie am Dienstag in der Neuen ZZ und im E-Paper.