Kolumne

O tonno mio: Wie Thonsalat mein Leben verändert hat

Vanessa Varisco, redaktionelle Mitarbeiterin der «Zuger Zeitung», wirft einen Seitenblick auf ihre Vorliebe für Imbisse und Thon.

Vanessa Varisco
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Vanessa Varisco.

Vanessa Varisco.

Bild: Werner Schelbert

Als ich neulich vor einem aufgewärmten Thonsalat sass und mir eine Portion auf die Gabel schob, stellte ich mir wieder vor, wie schön es wäre, einen eigenen Imbiss zu eröffnen. Erst vor einigen Monaten lernte ich ein paffendes Schwesternduo kennen, welches jahrelang ein Familienlokal bewirtete. Zwischen ein paar Qualmwolken – ja, es war dunstig – erzählten sie mir all die Geschichten, die sich zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich abgespielt hatten. Sie haben mich inspiriert. Sodass im Gespräch mit Freunden und Mitbewohnern die Idee weitergesponnen wurde.

Für den Wiedererkennungswert wichtig: ein einschlägiger Name für das eigene Lokal. Thonsalatspezialistin aus dem schönen Ticino, die ich bin, bot es sich an, dem Ganzen eine italienische Note zu verleihen. «Hallo Tonno» wurde vorgeschlagen, weil sich das «reimen» würde. Hallo Velo, dachte ich daraufhin. Das war absurd. Obwohl... mein Nonno hätte sich gefreut über ein «Hallo Tonno». Aber, «Hallo Nonno, im Hallo Tonno»? Schwierig. Ausserdem hiess die Althusbar in Anfangszeiten Café Ticino – es könnte also wie ein billiger Abklatsch wirken.

Apropos billige Kopie, das Thonsalatrezept muss selbstredend einzigartig sein. Dazu ein kleiner Tipp: Wenn alle Zutaten in der Schüssel gelandet sind, empfiehlt es sich, einen Schuss Zitrone dazuzugeben. Dieser Zitronenzauber kann jeder Prise Liebe, die so gerne Geheimzutat geschimpft wird, das Wasser reichen. Die Karte wird währschaft. Bodenständig. Neumoderner Firlefanz wie Flammkuchen kommt garantiert nicht auf den Teller. Im Einfachen liegt das Glück.

So wie an jenem Abend, an jenem ich in Gedanken versunken war. In seiner Einfachheit und Ruhe war er perfekt. Die Sonne senkte sich immer mehr dem Horizont zu. Inzwischen war es zwanzig nach acht. Ich lächelte. Vielleicht bleibt das «Hallo Tonno» ein Traum. Aber dass ich letzten Spätsommer den Thonsalat für mich entdeckt habe, steht symbolisch für einen Neustart in ein freieres Leben. Mit einem eigenen Restaurant wäre ich gebunden und verlöre einen Teil dieser Freiheit wieder. Deshalb: Lieber wärme ich mir bei Bedarf den erkühlten Thonsalat auf und geniesse ihn, statt ihm gedankenlos mein Leben zu widmen.