OBERÄGERI: 90-Jähriger sollte 13 Tage ins Gefängnis

Ein Rentner will eine Busse nicht bezahlen. Das wird ihm fast zum Verhängnis. Doch der kuriose Fall endet mit einem Happy End.

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(Symbolbild Keystone)

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«Ich habe heute einen Telefonanruf von jemandem bekommen, der mir versichert hat, dass er einen anonymen Spender kennt, der die Geldbusse des Oberägerers Ruheständlers von 1550 Franken übernehmen will», berichtet Toni Amrein, Leiter des Straf- und Massnahmevollzugs im Kanton Zug. Wer der grosszügige Spender ist, will er nicht verraten.

Die Busse nicht bezahlt – Gefängnis erhalten
Der 90-jährige Stefan Brunschwiler, dem die Busse aufgebrummt worden war, muss nun nicht ins Gefängnis. Allerdings ist das Geld laut Gerichtsinkasso noch nicht in Zug eingetroffen – die Betreibung läuft deshalb also weiter.

Der betagte Renter Stefan Brunschwiler aus Oberägeri streifte vor einem Jahr beim Abbiegen einen Mittelinselpfosten am Zebrastreifen. Er gibt an, die Sonne habe ihn geblendet. Offenbar bemerkt er den Schaden nicht und fährt einfach weiter. Ein Passant zeigt ihn an. Der Renter erhält eine Busse von 1550 Franken – ein Betrag, der ihm zu hoch erscheint und den er letztendlich nicht bezahlt. Bleibt nur noch der Gang ins Gefängnis – 13 Tage anstelle der richterlich verordneten 1550 Franken.

Ersatzstrafe ist möglich, muss aber in jedem Fall geprüft werden
Doch warum wird von einem 90-jährigen Rentner überhaupt eine Ersatzstrafe eingefordert, nämlich ins Kittchen zu gehen – nur wegen eines solchen Bagatellschadenfalls? «Das mag gefühlsmässig hart klingen», erklärt Toni Amrein vom Zuger Strafvollzug. «Gleichwohl gilt das Strafgesetzbuch für alle – und wenn jemand hafterstehungsfähig, sprich: psychisch und körperlich gesund ist, wird das Urteil vollzogen.»

Aber warum kann man einem Rentner nicht von vorneherein auf seinem Bussenzettel die Alternative etwa eines gemeinnützigen Dienstes als Ersatzstrafe für eine zahlbare Geldbusse anbieten? «Seit 2007 ist es gesetzlich vorgesehen, bei einer Busse gleich die Ersatzfreiheitsstrafe festzulegen», erklärt Staatsanwalt Cyrill Widmer. Gleichzeitig schliesst der Zuger Staatsanwalt eine gemeinnützige Arbeit als Alternative zu einer Busse auch bei einem Fall wie dem des 90-jährigen Oberägerers nicht von vorneherein aus. Ob beispielsweise das Helfen in einem Pflegeheim möglich wäre, müsste geprüft werden.

Wolfgang Holz

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung.