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OBERÄGERI: Abt Urban wirbt für eine leere Kirche

Abt Urban Federer vom Kloster Einsiedeln spricht über Erfahrungen «am Rand». Seine Worte rütteln zum Nachdenken auf.
Abt Urban Federer (rechts) im Gespräch mit Peter Lüthi. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 26. März 2018))

Abt Urban Federer (rechts) im Gespräch mit Peter Lüthi. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 26. März 2018))

Rund 180 Personen pilgerten am Montagabend ins Pfarreizentrum Hofstettli in Oberägeri. Sie wollten sich im Rahmen der Gesprächsabende «Am Rand» von Pater Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln über die Gefahren und Chancen der Kirche orientieren lassen. Anstelle des tags zuvor notfallmässig ins Spital eingelieferten Paters, stellte sich Abt Urban Federer den Fragen von Peter Lüthi, dem ehemaligen Rektor der Stiftsschule.

Lüthi verriet gleich zu Beginn des Gesprächs: «Urban Federer wurde 1968 in Zürich geboren.» Schelmisch lächelnd schob Lüthi nach: «Auf dem Zürichberg, inmitten einer protestantischen Bevölkerung, wuchs er in doppelter Hinsicht am Rand auf. Wegen des Skifahrens besuchte der gesellige Typ später das Internat der Stiftsschule Einsiedeln.» Abt Urban erwiderte: «Weitere Randerfahrungen machte ich in den USA, als einziger Weisser in einer von Armut und Gewalt geprägten Umgebung. Es beeindruckte mich tief, wie alte Menschen die Kinder hüteten, damit sich die Mütter ein wenig erholen konnten.»

Kirche drohe einzuschlafen

Er sei «von Beginn an» gefordert gewesen, als er vor viereinhalb Jahren nach einer Hirnverletzung von Abt Martin Werlen als dessen Stellvertreter habe übernehmen müssen, gestand Urban Federer. Im Verlauf des Gesprächs mit Peter Lüthi sagte er: «Papst Franziskus merkt, dass sich die katholische Kirche in ihren organisierten Strukturen an Ort dreht und einzuschlafen droht.» Die Glut unter der Asche müsse wieder entdeckt werden. Eine Kirchenleiterin hätte zu Recht bemerkt: «Wir haben die Mitte verloren.» Diese Aussage löste eine längere Erläuterung des Begriffs Mystik aus. Die Quintessenz daraus lautete: «Wir müssen wieder mündiger werden und einen Weg nach einer persönlichen Christuserfahrung nach innen finden und zur Ruhe kommen.» Abt Urban betonte: «Das Kloster Einsiedeln hat eine Brückenfunktion nach aussen wahrzunehmen und für alle da zu sein.» Als Beispiel bezeichnete er die von ihm ins Leben gerufenen Wallfahrten und Prozessionen der Fahrenden. Wir müssten den Mut haben, die Ökumene aktiv anzugehen und zu schauen, was andere machen. Als eine Frau aus der Runde fragte, wie man in unserer hektischen Welt zur Ruhe finden könne, verblüffte Abt Urban vorerst mit den Worten: «Ich werbe für eine leere Kirche.» Eine leere Kirche böte einem Menschen die Chance, einfach still und zweckfrei seinen Gedanken nachzuhängen und die Seele baumeln zu lassen.

Ein Herr wollte wissen, was Mitte ist – der Herrgott oder etwas anderes? Abt Urban befand: «Gott und Soziales, beides gehört zusammen.» Die Kirche habe für die Menschen da zu sein, die wegen der überall herrschenden Unruhen und der Politik ohne Regeln die Orientierung verloren hätten. «Die heutige Zeit sehe ich als Chance, wieder vermehrt an die Ränder der Gesellschaft – auf eine vernetzende Entdeckungsfahrt – zu gehen. Die christliche Hoffnung ist es wert», betont der mit tosendem Applaus eingedeckte Abt Urban.

Martin Mühlebach

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Heute um 20 Uhr spricht im Rahmen der Reihe «Am Rand» der Herzchirurg Thierry Carrel im Pfarreizentrum Hofstettli in Oberägeri.

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