OBERÄGERI: Auf dem taktischen Minenfeld

Der Rücktritt von Andreas Meier aus dem Kantonsrat macht eine Ersatzwahl nötig. Klar ist, wann die Wahl stattfindet und dass die Aufgabe für die Parteien knifflig ist.

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Blick auf die Gemeinde Oberägeri (Archivbild Neue ZZ)

Blick auf die Gemeinde Oberägeri (Archivbild Neue ZZ)

Charly Keiser

Am 25. September werden die Oberägerer an die Urne gebeten. Der Grund: Der verwaiste Sitz von SVP-Kantonsrat Andreas Meier junior muss besetzt werden. Der 25-Jährige ist erst im September des vergangenen Jahres für den zurückgetretenen Thomas Wyss nachgerückt. Nur wenige Male ist der junge Oberägerer an den Sitzungen des kantonalen Parlaments im Kantonsratssaal erschienen und dort auch nicht in Erscheinung getreten. Da nur Wyss und Meier im Oktober 2014 auf der SVP-Liste figurierten, kann niemand nachrücken – und darum kommt es zur besagten Wahl.

Die SVP-Ortssektion Oberägeri bedauert den Rücktritt Meiers sehr, wie sie in der entsprechenden Medienmitteilung schrieb. Der Schritt sei aus beruflichen Gründen erfolgt. Meier studiert an der Hochschule in Rapperswil Maschinenbau. Auch sein Vorgänger Wyss ist wegen seines Berufs aus dem Rat ausgeschieden. Genauer wegen seines neuen Jobs als Leiter der externen Kommunikation bei der Genfer Privatbank Lombard Odier.

Schwierige Entscheidungen

Ein Blick in die Wahlresultate zeigt, dass die anstehende Ersatzwahl für den Kantonsratssitz brisante Entscheidungen von den Parteien verlangt. Denn mit einem Wähleranteil von 41,8 Prozent und dank Proporzwahlglück eroberte die CVP im Herbst 2014 zwei Sitze. Mit 23,3 und 21,8 Prozent sicherten sich damals SVP und FDP ihre Plätze im Kantonsrat; das Forum Oberägeri verpasste hingegen mit 12 Prozent der Stimmen den angestrebten Sitz.

Laura Dittli holte sich den zweiten CVP-Sitz mit nur sieben Stimmen Vorsprung auf CVP-Ortspräsident Patrick Iten, der nach dem Rücktritt von Beat Wyss im Herbst 2015 in den Kantonsrat nachrückte. «Da wir bereits mit zwei Leuten im Kantonsrat vertreten sind, schliessen wir eine weitere Kandidatur klar aus», sagt denn auch Patrick Iten und ergänzt: «Eine Kandidatur würde uns sonst wohl als arrogant ausgelegt.» In trockenen Tüchern sei zwar das Vorgehen noch nicht, betont Iten und fügt an: «Aber wir unterstützen die SVP, wenn sie einen wählbaren Kandidaten präsentiert.»

Kandidat wird bald präsentiert

Deren drei seien im Moment im Gespräch, verrät SVP-Ortspräsident Claudio Granja. «Wir haben Anspruch auf den Sitz und wollen diesen auch wieder mit einem unserer Leute besetzen.» An der Vorstandssitzung von Ende Monat werde das genaue Vorgehen besprochen und am 7. Juli der Kandidat vorgestellt. Er habe noch Hoffnung auf stille Wahlen, bekennt Granja, entsprechende Gespräche mit der CVP und der FDP würden nun geführt.

Diesen Wunsch durchkreuzen wird aber das Forum Oberägeri, wie dessen Präsident Philipp Röllin verrät: «Obwohl ein Sieg in der Ersatzwahl für uns kaum möglich ist, werden wir voraussichtlich mit einem Kandidaten antreten», verspricht er. Erste Vorgespräche hätten stattgefunden, und dem Forum sei es wichtig, dass dem Volk eine Auswahl aus Links-Grün und Bürgerlich präsentiert werde. «Wir wollen stille Wahlen auf jeden Fall verhindern.»

Risikoreiche Chance

Klar ist, dass die FDP mit einer Kandidatur zwar grosse Chancen hätte, in der Majorzwahl den zweiten Kantonsratssitz zu holen. Das Problem ist aber, dass die Partei den Sitz bei den ordentlichen Wahlen 2018 fast sicher wieder an die SVP verlieren würde. Da besteht für die FDP einerseits das Risiko, dass jetzt ein Kandidat (unnötig) verheizt wird; und andererseits eine Retourkutsche der SVP zu erwarten wäre. «Genau diese Überlegungen müssen wir anstellen», sagt FDP-Ortspräsident Peter Held und fügt an: «Und wir brauchen noch ein paar Tage, bis wir unsere Taktik zur anstehenden Wahl präsentieren können.»

Kein Thema ist in Oberägeri übrigens, den Sitzverlust der FDP-Fraktion im Kantonsrat kompensieren zu wollen. Bekanntlich ist der Chamer Beat Sieber von den Liberalen zur SVP übergetreten. Geändert hat dies im Rat nichts Spürbares. Haben sich doch keine Verschiebungen in den Kommissionen ergeben, und Sieber hält lediglich seine Hand bei Abstimmungen im Kantonsratssaal rund zehn Meter näher bei seiner Wohngemeinde in die Höhe als zuvor.