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OBERÄGERI: Besondere Wohngemeinschaften für junge Flüchtlinge

Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach hat ein Haus gemietet, in dem asylsuchende Minderjährige und gegenwärtige Bewohner des Haupthauses zusammenleben werden. Es ist eine neuartige Form der Integration.
Raphael Biermayr
Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach hat dieses Haus im Ländli gemietet. (Bild: Maria Schmid (Oberägeri, 21. Februar 2018))

Das Kinder- und Jugendheim Lutisbach hat dieses Haus im Ländli gemietet. (Bild: Maria Schmid (Oberägeri, 21. Februar 2018))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Integration und Separation schliessen sich aus – nicht nur im Wortsinn, sondern auch im gesellschaftlichen. Davon ist Micha Portmann überzeugt. Der Leiter des Kinder- und Jugendheims Lutisbach wagt einen Integrationsversuch: Die Oberägerer Institution wird ab 1. April voraussichtlich acht minderjährige Asylsuchende aus der schliessenden Flüchtlingsunterkunft an der Zuger Waldheimstrasse aufnehmen (siehe Box). Die Jüngeren werden im Haupthaus untergebracht, die vier Älteren – 16- bis 18-jährig – im neuen Haus im Ländli. Dieses liegt noch näher beim See als das Stammgebäude: Nur die Hauptstrasse trennt es vom Ufer. Im neuen Haus werden die vier Neuzuzüger mit vier langjährigen «Lutisbach»-Bewohnern, die allesamt in der Lehre sind, Wohngemeinschaften bilden. Aufgeteilt in je eine Wohnung für junge Männer und für junge Frauen.

Gemäss einer E-Mail des Stiftungsratspräsidenten Theo Desax hat die kantonale Direktion des Innern (DI) eine entsprechende Anfrage an die Verantwortlichen gerichtet. Dies, obwohl das «Lutisbach» unter der Aufsicht des Kantons steht und die Kosten überwiegend aus Steuergeldern beglichen werden. Hatte man überhaupt eine Wahl? «Ja, sicher», sagt Micha Portmann auf Nachfrage, «wir hätten die Beherbergung der asylsuchenden Jugendlichen ablehnen können».

Aufgabe entspricht dem Stiftungszweck

Der Stiftungsrat habe sich im vergangenen Dezember zu einer Zusage an die DI entschlossen, weil auch diese Aufgabe dem Stiftungszweck entsprechen würde: «Kindern und Jugendlichen aus spezifischen und sozial schwierigen Lebensumständen in einem zweiten Zuhause eine alltagsorientierte und sozialpädagogische Betreuung zukommen zu lassen», steht in erwähnter Mitteilung. Es handle sich darüber hinaus – Stichwort Integration – um einen gesellschaftlichen Auftrag.

Dieser ist kostspielig, sagt auch Portmann. Für die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden, die in der Behördensprache «UMA» genannt werden, müsse zur Eingewöhnung eine Tag-und-Nacht-Betreuung gewährleistet werden. Auch deshalb werde die Betreuung teurer als die 196 Franken pro Tag für einen gegenwärtigen «Lutisbach»-Bewohner. Der Personalbestand wird um 400 Stellenprozente aufgestockt. Darüber hinaus sind grosse Anstrengungen betreffend Bildung und Sprache nötig, hierbei biete die DI Hand. «Wir sind sehr froh über diese Lösung und überzeugt, dass die UMA ein gutes neues Zuhause finden werden», wird die Direktionsvorsteherin Manuela Weichelt-Picard in einer separaten Medienmitteilung zitiert.

Das gemietete Haus im Ländli liegt dem Projekt «Room 4 U» zugrunde. Dieses machte die Institution im vergangenen November öffentlich. Es soll älteren Heimbewohnern die Möglichkeit bieten, eigene Räume zu beziehen. Dafür versuchte man per Crowdfunding 20000 Franken zu sammeln, was fehlschlug: Nicht einmal die Hälfte des Betrags kam zusammen. Dank Möbel- und Geldspenden habe man dennoch den Grossteil extern finanzieren können, geht aus besagter Mitteilung des «Lutisbach» hervor. «Der Effekt des Crowdfundings war also durchaus positiv», sagt Portmann.

Dass die aussergewöhnliche Konstellation im Mietshaus grosse Herausforderungen birgt, ist dem Heimleiter Portmann bewusst. Er hat sie gesucht und ist selbstredend sicher, dass sein Team diese meistern und sich der Aufwand lohnen wird. Portmann betont lieber die menschliche Seite als die bürokratische dieses Versuchs: «Wir können zwei Welten zusammenbringen und etwas für echte Integration tun. Die Kinder und Jugendlichen freuen sich sehr auf die neuen Bewohner», stellt er fest.

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