OBERÄGERI: Das neue Herzstück des kleinen Skigebiets auf dem Raten

Pünktlich mit dem grossen Schnee ist auch er auf dem Raten angekommen: der Pistenbully 100 4F. Schwarze Dieselwolken sind mit ihm Vergangenheit. Die Anschaffung allerdings zog sich über zwei Jahre hin.

Carmen Rogenmoser
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Jürg Rogenmoser, Präsident der Skilift Raten AG, freut sich über das neue Pistenfahrzeug für die Ski- und die Schlittelpiste auf dem Raten. (Bild: Stefan Kaiser (18. Januar 2017))

Jürg Rogenmoser, Präsident der Skilift Raten AG, freut sich über das neue Pistenfahrzeug für die Ski- und die Schlittelpiste auf dem Raten. (Bild: Stefan Kaiser (18. Januar 2017))

Er ist gross, glänzt in leuchtendem Rot, zwei mächtige Raupen tragen die rund sechs Tonnen mühelos über den tiefen Schnee. An jedem Rückspiegel hängt eine weisse Stoffblume, ein Überbleibsel der kürzlichen Einweihungsfeier. Pistenbully 100 4F: So heisst das Gefährt, und es ist der ganze Stolz der Skilift Raten AG (siehe Box). In keiner Weise spiegelt die Nüchternheit des Namens die Begeisterung bei den Verantwortlichen wider. «Es macht richtig Spass, damit zu fahren.» Jürg Rogenmoser strahlt über das ganze Gesicht. Er ist Präsident der Skilift Raten AG – und einer der Chauffeure. Seit letzter Woche übernimmt er gemeinsam mit fünf weiteren Fahrern das «Pistnen». Alle machen das ehrenamtlich und vermutlich mit der gleich grossen Freude wie Rogenmoser. Wer möchte denn nicht gerne mit einem so grossen Gefährt schöne regelmässige Ski- und Schlittelpisten in den weichen Neuschnee pressen?

Rogenmoser demonstriert das Fahrzeug sogleich und nimmt den Hügel zum Ratengütsch in Angriff (siehe Video). Er fährt neben dem Skilift hinauf und verschwindet oben aus dem Sichtfeld. Plötzlich taucht er rechts wieder auf. Wendig gleitet das grosse Gefährt über den Neuschnee. Nun geht es den Hotteten-Hügel hinunter – auch der Schlittelweg will präpariert werden. Je nach Schneefall und Wetterverhältnissen steht die Arbeit täglich an. «Man muss es schon gerne machen», sagt der 53-Jährige.

«Das Neuste vom Neusten»

Der neue Pistenbully ist auf jeden Fall ein grosser Motivator. Denn auch innen hat er einiges zu bieten: bequeme Sessel, eine digitale Anzeige und natürlich eine Heizung. Die ist nötig, denn es ist bitterkalt auf dem Raten. Die Einladung zur Probefahrt wird denn auch gerne angenommen. Die erste Hürde kommt bereits beim Schliessen der Tür. Zwar fällt diese mit einem lauten Knall zu, doch im Schloss ist sie nicht. Jürg Rogenmoser muss noch einmal aussteigen und von aussen nachhelfen. «Die Türe braucht Kraft», gibt er zu. «Das Fahren dann nicht mehr.» Er lacht. Kein Wunder, nur schon auf dem Beifahrersitz fühlt man sich wie der König der Pisten. Mit sieben Stundenkilometern tuckert Rogenmoser die Schlittelpiste hinunter. «Bei dieser Geschwindigkeit gibt es die schönsten Pisten», erklärt er kundig. Eine Prüfung mussten die Fahrer übrigens nicht ablegen – es gab allerdings Fahrunterricht von der Firma selber, und der Seilbahnverband bietet Kurse an.

Der Pistenbully 100 4F ist das «Neuste vom Neusten», wie Rogenmoser erklärt. Erst seit diesem Jahr wird er geliefert. Seine Besonderheit: Er hat einen Partikelfilter und einen SCR-Katalysator. Damit kommt die Skilift Raten AG der Forderung des Kantons nach, dass ab dem 1. Januar 2017 Maschinen mit einer Leistung von über 37 Kilowatt einen Partikelfilter brauchen. «Eigentlich hätten wir bereits seit zwei Jahren ein neues Pistenfahrzeug», holt Rogenmoser aus. Das alte war über 20-jährig – und produzierte eine dicke, schwarze Dieselwolke. Doch kein Werk fabrizierte damals ein Pistenfahrzeug inklusive Partikelfilter. Die Produktion zog sich hin. Die AG musste sich gedulden. Für die letzte Saison wurde dem Ski­gebiet gar ein Übergangspistenfahrzeug zur Verfügung gestellt. Dann aber passte es doch noch: Pünktlich mit dem neuen Gesetz konnte der Pistenbully nach Oberägeri geliefert werden.

Das Fahrzeug ist ein – wenn auch sehr grosser – Mosaikstein des Projekts «Mega-Star». Dabei wurde das Skigebiet quasi generalüberholt. In den letzten Jahren wurde in Spielgeräte, das Kassenhäuschen, den Kiosk und den Skilift Mega-Star investiert. Rund 500 000 Franken hat die Raten Skilift AG dafür aufgewendet. 150 000 Franken aus dem eigenen Sack. Der Rest kam durch Beiträge der Behörden sowie private Sponsoren zusammen. «Dazu gehört eine grosse Portion Idealismus», erklärt Rogenmoser, der seit den 1990er-Jahren dabei ist. Dass sich der Einsatz bereits gelohnt hat, zeigt eine Zahl eindrücklich: Am ersten Einsatzwochenende des Pistenbullys wurden an einem Tag 489 Skibillette verkauft – Rekord!

 

Eine neue Generation

Der Pistenbully 100 4F ist derzeit das einzige Fahrzeug seiner Klasse, das mit einem Dieselpartikelfilter nachgerüstet werden kann. Dadurch wird der Schadstoffausstoss deutlich reduziert. Das Oberägerer Modell ist der kleinste Typ der neuen Generation.

Er verfügt über einen 6-Zylinder-Motor mit 250 PS. Mit den rund 6 Tonnen Gewicht ist er leicht genug, wenn nur wenig Schnee fällt. Er ist 3,10 Meter breit und 4,30 Meter lang. Seine Maximalgeschwindigkeit liegt bei 25 Kilometern pro Stunde. (cro)



Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch