OBERÄGERI: Der Streit um die Quelle in der Teufi ist beigelegt

Die Gemeinde hat Anteilsrechte an einer privaten Quelle erhalten. Damit wird ein Strich unter eine Rechnung gemacht.

Rahel Hug
Drucken
Teilen
Der Aushub für das Quellwasserpumpwerk Teufi ist gemacht: Brunnenmeister Erich Duss auf der Baustelle. (Bild Stefan Kaiser)

Der Aushub für das Quellwasserpumpwerk Teufi ist gemacht: Brunnenmeister Erich Duss auf der Baustelle. (Bild Stefan Kaiser)

An der Warthstrasse in Morgarten klafft derzeit ein Loch im Boden. Dort unten sprudelt das Wasser einer Quelle. Diese wurde bis anhin privat genutzt. Schon in den 90er-Jahren war die Quelle, die im Besitz von Querdenker Hans Nussbaumer war – auch bekannt als «Nazä Hänsel» –, ein Thema (siehe Box). Heute gehört sie den Nachkommen des Verstorbenen, Hans Nussbaumer junior und seinen Geschwistern. Weil die Quelle relativ viel Wasser führt und davon ungefähr 115 000 Kubikmeter pro Jahr ungenutzt in den Ägerisee fliessen, haben sich die Quelleigentümer und der Besitzer des Grundstücks mit der Gemeinde zusammengesetzt und ihr die Nutzungsrechte übertragen. Seit drei Wochen wird jetzt am Pumpwerk gebaut, im September soll es in Betrieb genommen werden.

Komplexe Besitzverhältnisse

Der Einigung über die Quellnutzung geht eine längere Vorgeschichte voraus. Bereits in den 80er-Jahren fanden Verhandlungen statt, das Wasser der Allgemeinheit zuzuführen. Damals kam es aber zu keiner Einigung. Es folgte ein weiterer Zwist zwischen den beiden verwandten Familien, derjenigen des heutigen Grundstückeigentümers Charly Nussbaumer und der Quellbesitzerfamilie um Hans Nussbaumer. Darüber wollen aber die Cousins Hans Nussbaumer junior und Charly Nussbaumer nicht mehr reden. «Dieser Streit zwischen unseren Vätern ist begraben, wir haben einen Strich unter die Rechnung gemacht», sagt Hans Nussbaumer.

Im Jahr 2009 wandten sich Charly und Hans Nussbaumer an die Gemeinde, erste Gespräche fanden statt. Nach den Verhandlungen sprachen die Oberägerer an der Gemeindeversammlung vom 12. Dezember 2011 einen Kredit von 540 000 Franken für den Bau eines Quellwasserpumpwerks. Im letzten Jahr wurden der Gemeinde die Nutzungsrechte für das Restwasser übertragen.

Einsparungen beim Seewasserwerk

Bevor die Bagger vor rund drei Wochen auffahren konnten, waren komplexe geologische Abklärungen nötig. «Wir haben hier einen gespannten Grundwasserspiegel», erklärt Charly Nussbaumer. «Das ist zu vergleichen mit einem mit Wasser gefüllten Ballon.» Wenn man den Ballon mit einer Nadel «stüpft», spritze das Wasser hervor. So verhalte es sich auch mit dem Grundwasser in der Teufi. «Dieser Aspekt galt es bei der Planung des Pumpwerks zu berücksichtigen», so Nussbaumer.

Jetzt ist der Aushub gemacht für ein rechteckiges Betongebäude. «In diesen Kasten wird der Zulauf der Quelle überführt», sagt der Oberägerer Brunnenmeister Erich Duss. Das Wasser fliesst in drei Kammern und wird dann ins Trinkwassernetz gepumpt. «Die bisherigen Wassernutzungen durch Charly Nussbaumer und durch die ehemalige elterliche Liegenschaft von Hans Nussbaumer sind weiterhin gegeben und haben Priorität», sagt Duss. So haben der Quell- und der Grundstückeigentümer immer Wasser, die Gemeinde hat quasi das dritte Nutzungsrecht. Bis anhin wird Morgarten durch eine Transportleitung mit Wasser aus dem Seewasserwerk Oberägeri versorgt. Mit dem Wasser aus der Teufi-Quelle werden gemäss Charly Nussbaumer bereits der Campingplatz, das Hotel Morgarten und zwei weitere Gebäude versorgt.

«Mit dieser neuen Nutzung können wir ganz Morgarten versorgen», sagt Brunnenmeister Erich Duss. Und er fügt an: «Damit wird die Versorgungssicherheit massgeblich erhöht.» Das neue Pumpwerk sei keine Konkurrenz für das Seewasserwerk. «Im Gegenteil, wir können dort etwa 20 000 Franken einsparen», so Duss. Es sei aber immer sehr wetterabhängig, wie viel Wasser die Quelle führe.