Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBERÄGERI: Dorfarzt Henggeler: «Ich sehe mich als Auslaufmodell»

Seit 40 Jahren kümmert sich Joachim Henggeler als Dorfarzt um die Gesundheit im Dorf. Von der Bürgergemeinde wurde ihm nun eine ganz besondere Ehre zuteil.
Carmen Rogenmoser
Dorfarzt Joachim Henggeler im Untersuchungszimmer seiner Praxis in Oberägeri. (Bild: Maria Schmid (12. Juli 2017))

Dorfarzt Joachim Henggeler im Untersuchungszimmer seiner Praxis in Oberägeri. (Bild: Maria Schmid (12. Juli 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Schon von weitem hört man das ausgelassene Geschwätz und das herzliche Lachen: Joachim Henggeler steht hinter der Rezeption des Xundheitszentrums Ägerisee in Oberägeri, umringt von drei Praxisassistentinnen. Auch mit 73 Jahren ist Doktor Henggeler Mittelpunkt seiner Praxis. Noch immer arbeitet er zwei Tage die Woche – und diese sind vollgeplant. Bei den meisten seiner Patienten kennt Henggeler die ganze Familiengeschichte. Weiss, wer zusammengehört und wer an welcher Krankheit gestorben ist. Und er erinnert sich detailliert an bestimmte Unfälle und Ereignisse, auch wenn diese schon 40 Jahre zurückliegen. Joachim Henggeler entspricht einem bestimmten Bild, das man von einem Hausarzt hat: fest verankert im Dorf und tagtäglich bereit für den Einsatz.

Vor kurzem wurde er von der Bürgergemeinde Oberägeri zum Ehrenbürger ernannt – erst als Zweiter überhaupt. Eine grosse Ehre. Darüber freut sich Henggeler. Bescheiden meint er aber: «Ich habe doch einfach meinen Job gemacht.» Viel lieber berichtet er von seiner Arbeit. Etwa davon, wie er in den 1970er-Jahren seine Arztkarriere startete und wie es gekommen ist, dass er auch lange nach dem gesetzlichen Pensionsalter noch immer praktiziert. Das macht er nicht nach alter Schule, sondern zeitgemäss. Bücher und Akten aus Papier sucht man in seinem Behandlungszimmer vergebens. «Alles läuft digital. Seit zehn Jahren bin ich ein elektronischer Doktor.» Auch anderes hat sich verändert: Doktor Henggeler trifft man nicht im weissen Kittel an. «Den habe ich gegen Hemd und Hose eingetauscht», sagt er. «Ich möchte den Patienten auf Augenhöhe begegnen und bin kein Halbgott in Weiss.» Auch dafür wird Henggeler im Dorf geschätzt.

Arzt in dritter Generation

Er hat einen direkten Zugang zu der Bevölkerung, ist in Oberägeri aufgewachsen und war in vielen Vereinen aktives Mitglied, etwa in der Feuerwehr oder beim Samariterverein. Ebenso war er lange Präsident der kantonalen Ärztegesellschaft und von Anfang an auch Arzt im Zentrum Breiten. Für viele Oberägerer ist er einfach der «Jöchel».

Dass er Arzt geworden ist, kommt nicht von ungefähr. Bereits sein Grossvater und sein Vater waren Ärzte. 1977 hat er die Praxis seines Vaters übernommen. Vorher war er als Assistenzarzt Geburtshilfe im Spital Limmattal in Schlieren ZH. «Dort haben wir jährlich 1000 Kinder entbunden.» Anschliessend war er im damaligen Zuger Bürgerspital und in der Rehaklinik in Bellikon AG tätig. «Mit diesen Erfahrungen war ich gut geeignet als Allgemeinmediziner», erinnert er sich. Damals habe es noch nicht viele spezialisierte Gynäkologen gegeben, Computertomografie und MRI waren selten. «Auch war die Mobilität der Bevölkerung eine ganz andere.» Also war er viel zu Hausbesuchen unterwegs. Seine Frau Margrith nahm jeweils – damals gab es noch keine Mobiltelefone – die Telefonanrufe entgegen. Henggeler rief vom Anschluss des Patienten in die Praxis an und erkundigte sich bei seiner Frau, wo er als Nächstes hin soll. «Es war eine andere Zeit», sagt er. Seine Frau und auch seine drei Kinder hätten oft auf ihn verzichten müssen. «Natürlich wurde meine Frau auch bei jedem Piketteinsatz in der Nacht wach.»

Auf der Suche nach einem Nachfolger

Joachim Henggeler liebt seinen Beruf und kann auch heute noch nicht ohne. «Aber ich kann ja nicht Doktor sein, bis ich 100 bin.» Schon länger ist er auf der Suche nach einem Nachfolger für die Praxis. «Einen geeigneten Arzt zu finden, ist schwierig.» Nicht viele könne man dafür ins Ägerital locken. «Ich sehe mich ein bisschen als Auslaufmodell», meint er lachend. Das habe wohl auch der Bürgerrat so gesehen und ihn deshalb zum Ehrenbürger ernannt. An der Ehrung hätten viele Nichtbürger teilgenommen. «Mir wird eine grosse Dankbarkeit entgegengebracht. Das schätze ich wirklich sehr», sagt er.

Wie es in naher Zukunft weitergeht, mit ihm selber und der Praxis, steht noch in den Sternen. «Ich wünsche mir, dass ich mich in rund einem Jahr zurückziehen kann.» Was er dann machen wird, weiss Joachim Henggeler aber schon: «Ich werde mich um meine Frau kümmern und versuchen, ihr möglichst viel zurückzugeben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.