OBERÄGERI: Farbenfrohes Vertreiben des Winters

Die Legoren begeisterten an ihrem Umzug mit pfiffigen Sujets. Doch auch für sie war die Fasnacht danach zu Ende.

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Die Fasnachtsgruppe: Gilberte de Courgenay. (Bild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Die Fasnachtsgruppe: Gilberte de Courgenay. (Bild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Mit dem Motto «Unghüür tüür» erinnerten die Legoren an die hohen Erdöl- und Benzinpreise des letzten Jahres, meinten damit aber auch die Finanzkrise ganz allgemein.

Doch nicht nur, denn immer wieder hochgespielt wurde die teure Gemeindeversammlung, welche aufgrund einer Falschpublikation ein zweites Mal angesetzt werden musste, sodass von Gemeindemeierei und Schlaumeiern die Rede war. Und so schnaubte auf dem Mottowagen ein monströses, rauchendes Ungeheuer, das dem Ägerisee entstiegen war.

Ein ganz neuer Wagen in Form einer Legorenkappe war für das Fasnachtsoberhaupt, den erstmals amtierenden Legorenvater Michi I., gebaut worden. Als putzige Mäuseplage und herzige Pinguingruppe trippelte und watschelte der Legorennachwuchs an der grossen Zuschauermenge vorbei.

Happy Birthday nach Alosen
Auf fröhliche Art gratulierten die Tiroler der Fasnachtsgesellschaft Alosen mit einer riesigen Torte zum 100-Jahr-Jubiläum und legten ein flottes Tänzchen hin. Klar, dass auch in Legorien das Zuger Spitaldebakel aufgewärmt wurde. «Tonnewiis wird Stahl verbuut, aber em Bisig händ?s nümme truut», lautete die fasnächtliche Meinung.

Ein Fest für Menschen und Kühe gabs zur Verschrottung des Landessenders Beromünster nach der Devise: «Dä Landessänder tued jetzt nümme strahle, drum schribed Puure wieder schwarzi Michbüechlizahle.» Ganz besonders beklatschten die Zuschauer die Soldatenmutter Gilberte de Courgenay im Gedenken an die verstorbene Schauspielerin Annemarie Blanc, die von singenden Soldaten umringt und verehrt wurde.

Protest gab es gegen die Korporation Zug, die ihren neuen Werkhof auf dem Zugerberg mit deutschen Holzträmel baute. Das VBS-Debakel mit Armeechef Naef und die Fernsehserie «Bauer ledig sucht» wurden ebenfalls karikiert, während eine muntere Ziegenschar, die mit dem Jodlerclub Wiesenberg und Francine Jordi unterwegs war, unerschrocken die Zuschauer beschnupperte.

Wer den Schaden hat ...
Beim Bühnenspiel bleibt nichts geheim, da nehmen die Legoren kein Blatt vor den Mund. Das bekam auch jener Bürger zu hören, der sich aufgrund von Schmerzen in der Leistengegend im Internet schlau machte, dort entsprechende Tabletten bestellte, diese monatelang ohne Wirkung einnahm und in der Folge die Arztdiagnose erhielt: «Sie händ kei kaputte Schluch, sondern lediglich en Listebruch.»

Der neue Legorenvater Michi I. bestätigte: «Es war eine strenge Zeit, aber ich habe viel Schönes erlebt. Und nun freuen wir uns bereits auf das 175-Jahr-Jubiläum der Legorenfasnacht im nächsten Jahr, wofür unsere Vorbereitungen schon angelaufen sind.»

Elvira Herz