OBERÄGERI: Gefällt Ihnen dieses Gebäude?

Das Architekturbüro Mathis Meier will ein Haus im Ortskern durch einen Neubau ersetzen – und holt nun die Stimme des Volkes ein.

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Kaum als Neubau zu erkennen: Das Projekt an der Hauptstrasse 4 in Oberägeri. (Bild: Visualisierung PD)

Kaum als Neubau zu erkennen: Das Projekt an der Hauptstrasse 4 in Oberägeri. (Bild: Visualisierung PD)

«Voten Sie!» Das steht in grossen Lettern auf einem Plakat an der Hausfassade an der Hauptstrasse 4, kombiniert mit einem Verweis auf die Homepage der Mathis Meier Architekten AG. Ein Klick zeigt: In der Tat können Besucher auf der Online-Plattform des Architekturbüros abstimmen, ob ihnen der geplante Neubau des Hauses mitten im Dorfzentrum gefällt – oder eben nicht. «Die Idee ist beim Small Talk entstanden», sagt Erich Meier. Er und sein Geschäftspartner Cyrill Mathis haben ihr Architekturbüro vor 20 Jahren in Oberägeri gegründet. Ihr erster fester Bürostandort befand sich an der Hauptstrasse 4, in ebendiesem Haus zwischen den Restaurants Bären und Ochsen, das nun einem Neubau weichen soll. Mittlerweile sind Meier und Mathis mit ihren rund zehn Mitarbeitern in einem Haus am Bachweg eingemietet. Allerdings hegen auch hier die Besitzer Neubaupläne. Erich Meier und Cyrill Mathis haben sich deshalb auf die Suche nach Alternativen gemacht – und an alter Wirkungsstätte gefunden. Sie konnten das Haus an der Hauptstrasse 4 kaufen.

Prägend, aber nicht schützenswert

Das altehrwürdige Gebäude birgt ein Stück Oberägerer Geschichte. In der Wohnung über dem Parterre befindet sich ein Buffet aus dem Jahr 1795. «Um diese Zeit herum wird auch das Haus gebaut worden sein», erklärt Meier. Derzeit ist das obere Stockwerk nicht mehr bewohnbar. Zu schlecht ist die Bausubstanz, zu niedrig sind die Räume. Auch für die Pläne der beiden Architekten, hier ihr neues Domizil einzurichten, ist das Haus nicht geeignet. «Man müsste so viel herausreissen, dass kaum ein Stein auf dem anderen bleiben würde.» Das hätten externe Ingenieure so beurteilt. Die beiden Architekten planen deshalb einen Neubau, der aber kaum als solcher zu erkennen sein wird. Viele hätten beim Anblick der Visualisierung geglaubt, es handle sich um ein Bild des Altbaus, sagt Cyrill Mathis. Das sei auch die Absicht gewesen. «Für uns ist es nicht in Frage gekommen, einen modernen Kubus hinzustellen.» Das wäre auch nicht möglich. Gemäss dem Quartiergestaltungsplan Dorfkern aus dem Jahr 2011 gehört das Haus zwar nicht zu den schützenswerten, aber zu den Dorfbild prägenden Gebäuden. Mit ihrem Online-Voting wollen Mathis und Meier erfahren, ob sie ihr Ziel, das Dorfbild zu bewahren, mit ihrem Entwurf erreicht haben.

Wie das Resultat der Abstimmung, die seit dem 15. Oktober und noch bis zum 14. Dezember läuft, aussieht, wissen die beiden nicht. «Das Verfahren ist anonym und wird von einer externen Firma durchgeführt», erklärt Meier. «Wir sind selbst gespannt, wie es herauskommt.» Und was, wenn die Abstimmung negativ ausfallen würde? «Wir würden Inputs ernst nehmen, die Meinung der Bevölkerung ist uns wichtig», betont Erich Meier.

Früher ein Kolonialwarenladen

Danach sieht es aber nicht aus: Denn das prominent platzierte Plakat hat schon viele mündliche Reaktionen oder solche per E-Mail ausgelöst. «Und die sind durchwegs positiv», sagt Mathis. Vor allem ältere Oberägerer hätten Freude am Projekt. Für sie ist das Gebäude mit vielen Erinnerungen verbunden. «Früher war das ein Kolonialwarenladen», erzählt Cyrill Mathis. «Auch ich habe hier noch Geisselzwicke eingekauft.»

Silvan Meier