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OBERÄGERI: Hanspeter Isler über Orgeldienst: «Ich bin in dieser Arbeit voll aufgegangen»

Nach 55 Jahren tritt Hanspeter Isler vom kirchlichen Orgeldienst zurück. Nicht, weil ihm das Amt verleidet wäre, sondern aus gesundheitlichen Gründen und altershalber.
Cornelia Bisch
Mit Freude und Begeisterung verrichtete Hanspeter Isler den Orgeldienst in der Kirche Oberägeri und dirigierte den Kirchenchor. (Bild: Stefan Kaiser (19. Dezember 2017))

Mit Freude und Begeisterung verrichtete Hanspeter Isler den Orgeldienst in der Kirche Oberägeri und dirigierte den Kirchenchor. (Bild: Stefan Kaiser (19. Dezember 2017))

Musik scheint jung zu erhalten. Hanspeter Isler sieht man seine 76 Jahre nicht an. Trotzdem ist der ehemalige Reallehrer sich sicher, mit dem Rücktritt vom Orgeldienst nach 55 Jahren den richtigen Entscheid getroffen zu haben. «Das Amt würde mir immer noch viel Freude bereiten. Aber man wird etwas nervöser im Alter und weniger belastbar», gesteht er selbstkritisch. «Trotzdem werde ich sicher anbieten, bei Bedarf auszuhelfen.» Auf diese Weise wird er der Kirchgemeinde Oberägeri und seiner geliebten Orgel dennoch nahe bleiben.

Bereits mit 21 Jahren übernahm Hanspeter Isler den Orgeldienst in Oberägeri, ebenso wie die Leitung des Kirchenchors und des Jungkirchenchors mit 40 Halbwüchsigen. «Ich leistete anfänglich zwischen 180 und 280 Einsätze pro Jahr, später dann noch gegen 100», erzählt er und beteuert: «Ich bin in dieser Arbeit voll aufgegangen.» Seine Frau Mariette nickt vielsagend. Sie und die beiden Kinder mussten oft etwas zurückstecken. Dessen ist sich der Organist bewusst, und er ist seiner Frau sehr dankbar. «Ohne ihre Unterstützung hätte ich das alles niemals tun können.» Die Freude an der Musik griff auch auf Mariette Isler über. Während einiger Jahre war sie Mitglied des Kirchenchors.

Musik in die Wiege gelegt

Die musikalische Karriere des Organisten und Dirigenten begann früh. «Mein Vater war Militärtrompeter. Also fing ich ebenfalls mit einem Blasinstrument an, merkte aber bald, dass das nicht das Richtige für mich war.» Ab der fünften Klasse erhielt er Klavierunterricht. Sein Primarlehrer, selbst Organist, riet den Eltern, den begabten Schüler an die Stiftsschule Einsiedeln zu schicken. Dort erhielt er zusätzlich Orgelunterricht bei Pater Stefan Koller. Auch als Ministrant und Sänger im Jungkirchenchor der Stiftskirche Einsiedeln war der damals Jugendliche tätig. «Ich war begeistert von der Liturgie, den Traditionen und pompösen Auftritten in der barocken Kirche an den hohen Feiertagen», berichtet Isler.

Und er war begeistert von der Orgel. «Mit ihren unglaublich vielfältigen Klangfarben ist sie die Königin der Instrumente.» Ein Lieblingsstück kann er sofort benennen: «Die Toccata aus der fünften Sinfonie von Charles-Marie Widor», jedoch mit einer wichtigen Ergänzung, «gespielt von Carl Rütti. Er interpretiert diese Komposition einfach fantastisch.» Die Toccata wird Teil des Abschiedskonzerts zu Ehren von Hanspeter Isler am 7. Januar sein. Mit dem Komponisten und Musiker Carl Rütti verbindet ihn eine langjährige, tiefe Freundschaft. «Wir haben uns immer abgewechselt im Orgeldienst. Er ist ein goldiger Mensch, umgänglich, einfach und sehr kollegial.» Obwohl Carl Rütti eine Kapazität sei und sogar in England Bekanntheit erlangt habe, sei er der Gemeinde Oberägeri treu geblieben. Die Uraufführung von Rüttis eindrücklicher Peter- und-Paul-Messe anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der gotischen Kirche Oberägeri hat Isler in bester Erinnerung. Auch an die Einweihung der neuen Mathis-Orgel 1978 erinnert er sich gerne. Danach war ein für allemal Schluss mit hängenden Tönen oder schlecht schliessenden Ventilen – Probleme, mit denen der Organist früher gelegentlich zu kämpfen hatte. «Einmal hatten wir sogar einen Totalausfall.» Nie um eine Lösung verlegen, stimmte der Kirchenmusiker die Lieder ganz einfach mit der eigenen Stimme von der Empore aus an. A apropos Pannen: «Einmal habe ich – frisch verheiratet – um ein Haar an Weihnachten die Mitternachtsmesse verschlafen», erzählt Isler lachend. Von den Kirchenglocken aus dem seligen Schlummer gerissen, zog er sich rasch ein paar Kleider über den Pyjama und spurtete los. «Die Kirchgemeinde sang bereits das «Stille Nacht», als ich eintraf.»

Schon im Semi eingesprungen

Als Chorleiter ist Isler bereits im Lehrerseminar tätig gewesen: «Wenn der Dirigent des Semichors einmal nicht kommen konnte, amtete ich als sein Stellvertreter.» Den Kirchenchor Oberägeri leitete er während 30 Jahren, weitere 15 Jahre lang war er Vizedirigent. Isler erinnert sich an viele schöne Konzerte und Messen mit dem Chor. «Für mich war es von Anfang an eine Freude, den Chor weiterzuentwickeln und mit neuen Werken die Begeisterung der Sänger zu wecken.» Der Kirchenchor wuchs in den 90er-Jahren kontinuierlich auf 60 Mitglieder an. Obwohl heute allgemein bei Kirchen­chören ein Mitgliederrückgang festzustellen ist, zählt der Peter-und-Paul-Chor noch immer 49 Sängerinnen und Sänger. «In Zukunft könnte es jedoch problematisch werden», befürchtet Isler. «Heute will niemand mehr gebunden sein. Da ist es fraglich, wie lange Kirchenchöre noch bestehen können. Ad-hoc-Projekte haben eher Chancen.»

Cornelia Bisch

cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

Hinweis

Abschiedskonzert für Hanspeter Isler: 7. Januar, 17 Uhr in der Kirche Oberägeri.

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