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OBERÄGERI: Hortet Denkmalpflege Bauten?

Die Denkmal­pflege erkläre «Bauten auf Vorrat» für schützenswert, sagt FDP-Kantonsrat Peter Letter. Mit einer Motion will er dagegen ankämpfen.
Der «Ochsen» (links im Bild) ist denkmalgeschützt und kann deshalb nicht gemäss den Wünschen der Eigentümer umgebaut werden. (Bild Maria Schmid)

Der «Ochsen» (links im Bild) ist denkmalgeschützt und kann deshalb nicht gemäss den Wünschen der Eigentümer umgebaut werden. (Bild Maria Schmid)

Yasmin Kunz

In den Zuger Gemeinden werden derzeit die Inventarlisten von schützenswerten Objekten überprüft und erweitert. In der Gemeinde Baar hat das Amt für Denkmalpflege und Archäologie bei der Revision im Juni rund 150 Bauten neu auf die Inventarliste gesetzt.

Einige Eigentümer dieser Liegenschaften ärgern sich massiv, dass ihre Objekte potenziell als schutzwürdig erklärt wurden, und lassen den Entscheid der Direktion des Innern nicht auf sich sitzen.

Zwei Objekte aus der Liste gelöscht

Paul Langenegger, Bauchef und CVP- Gemeinderat von Baar, sagt: «Mehrere Hauseigentümer solcher Objekte haben Antrag auf Inventarentlassung eingereicht.» Das bestätigt auch Franziska Kaiser, Denkmalpflegerin des Kantons Zug. Zwei Objekte seien nach vertieften Abklärungen und Abwägungen aller Interessen aus der Liste gelöscht worden, ergänzt sie.

Langenegger versteht die Empörung der Eigentümer: «Bei diversen Gebäuden ist es nicht nachvollziehbar, weshalb diese zum Inventar gehören.»

Gemäss Direktion des Innern wird mit der Aufnahme ins Inventar festgestellt, dass für ein Gebäude eine Schutzvermutung besteht. Es ist damit aber noch nicht rechtsverbindlich geschützt. Erst wenn grössere Bauvorhaben anstehen oder wenn die Eigentümerschaft einen entsprechenden Antrag stellt, wird die Schutzwürdigkeit abschliessend geklärt. Kaiser fügt an: «Selbst wenn das Objekt definitiv geschützt wird, sind Veränderungen möglich.»

Kaiser betont zudem, dass sie neben Anfragen auf Inventarentlassungen auch positive Rückmeldungen erhält. «Es gibt Eigner, die sich freuen und es als eine Chance sehen, wenn ihr Haus als historisch wertvolles Objekt anerkannt wird.»

Wegen Baar Motion eingereicht

Was drei Zuger Gemeinden bereits hinter sich haben (siehe Kasten), steht der Gemeinde Oberägeri noch bevor. Auch ihre Inventarliste wird demnächst überarbeitet. Um zu verhindern, dass die Denkmalpflege auch in Oberägeri die Zahl der schützenswerten Objekte massiv anhebt, hat der Kantonsrat Peter Letter (FDP) mit acht weiteren überparteilich zusammengesetzten Initianten Anfang September eine Motion beim Gemeinderat eingereicht. Letter sagt: «Das Beispiel von Baar lässt uns nicht Gutes erahnen. Wir befürchten, dass die Denkmalpflege auch hier eine grosse Zahl von Gebäuden auf die Inventarliste nimmt.» Deshalb wollen er und seine Mitinitianten proaktiv handeln. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, dass aus Oberägeri kein zweiter Ballenberg gemacht wird.»

Die Denkmalpflegerin Franziska Kaiser will sich aktuell zur Motion nicht äussern, stellt aber klar, dass man gerne zu Gesprächen bereit sei. Dass die Denk­malpflege den Beurteilungsmassstab bei den noch zu prüfenden Gemeinden ändere, sei nicht der Fall. Kaiser erklärt: «Das Inventar dient der Rechtssicherheit und somit auch dem Schutz des Eigentümers. Es wird von den Gemeinden, den Eigentümern und der Politik seit langem gefordert.»

Inventarisierung «nach Mass»

Die Unterzeichner der Motion verlangen vom Gemeinderat, dass er sich dafür starkmacht, «eine moderate Inventarisierung in der Gemeinde zu machen». Letter erklärt: «Es sollen wirklich nur schützenswerte Bauten ins Inventar aufgenommen werden. Die Denkmalpflege soll bei der Beurteilung Mass anwenden und nicht Inventarisierung auf Vorrat betreiben.» Den Initianten ist zudem wichtig, dass das charakteristische Dorfbild in einem vernünftigen Rahmen erhalten bleibt. Dabei fügt Letter das Beispiel des Restaurants Ochsen an der Hauptstrasse in Oberägeri an. 2014 hat das Bundesgericht beschlossen, dass die Direktion des Innern den «Ochsen» zu Recht unter kantonalen Schutz gestellt hat. Dieser Entscheid verunmöglichte dem Besitzer Robert Soldner den Neubau.

Sanierungen für mehr Sicherheit

Genau da liegt laut Letter das Problem. Die Unterschutzstellung des Gebäudes und die heutige Praxis des Amtes für Denkmalpflege würden es unmöglich machen, praktikable und finanzierbare Sanierungen vorzunehmen. Und das sei wichtig, denn: «Das Restaurant Ochsen und das Haus gegenüber sind am Zerfallen und trüben das Bild unserer Gemeinde.» Und mit einer Gesamtsanierung könnte zugleich die Verkehrssicherheit auf der Hauptstrasse verbessert werden. Konkrekt: Die beiden Häuser an der Hauptstrasse könnten 1 bis 2 Meter nach hinten versetzt werden – wodurch für die Velofahrer und Fussgänger mehr Platz geschaffen würde. Mit der Motion «wollen wir einen Punkt setzen und dem Gemeinderat bei diesem Thema mit der breit abgestützten Stimme der Bevölkerung den Rücken stärken», sagt Letter. Die Oberägerer werden an der Gemeindeversammlung vom 7. Dezember Gelegenheit haben, über diese Motion «Denkmalschutz mit Mass» zu befinden.

Interessengemeinschaft gegründet

Peter Letter hat zusammen mit Josef Iten Bruhst, Urs Schnieper und Hanspeter Isler nebst der Motion auch noch eine Interessengemeinschaft (IG) «Dorfkern Oberägeri – (k)ein Ballenberg» gegründet. Die IG zählt aktuell 20 bis 30 Mitglieder. Damit wolle man die Bevölkerung über die Denkmalpflege aufklären und vernünftige Lösungen anstossen, erklärt Letter. Am Dienstag fin­det dazu im «Ochsen» in Oberägeri eine Versammlung der IG statt.

Revision bis 2018

Das kantonale Amt für Denkmalpflege und Archäologie revidiert noch bis im Jahr 2018 das Inventar der schützenswerten Denkmäler. Die Inventarisierung betrifft Bauten, die nach erster Sichtung einen sehr hohen wissenschaftlichen, kulturellen oder heimatkundlichen Wert haben. Ziel ist es, für alle Beteiligen Rechtssicherheit zu schaffen.

In den Gemeinden Zug, Baar und Neuheim sind die Revisionen abgeschlossen. In den Gemeinden Cham, Menzingen, Risch und Steinhausen ist die Inventarisierung derzeit noch in Arbeit. Als Nächstes werden in den Gemeinden Ober- und Unterägeri, Walchwil und Hünenberg die Bauten auf ihre Schutzwürdigkeit geprüft.

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