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OBERÄGERI: Jürg Rother: Ein Pionier, der immer Zeit hat

Der reformierte Pfarrer Jürg Rother (61) feiert heuer gleich zweimal. Vor 30 Jahren trat er seinen Dienst an, und vor einem Vierteljahrhundert fand erstmals eine Mountainbike-Messe statt.
Ruedi Burkart
Reist am Pfingstmontag mit einem E-Bike zum Berg-Gottesdienst an: Pfarrer Jürg Rother, hier im Garten seines Hauses. (Bild: Maria Schmid (Oberägeri, 7. Mai 2018))

Reist am Pfingstmontag mit einem E-Bike zum Berg-Gottesdienst an: Pfarrer Jürg Rother, hier im Garten seines Hauses. (Bild: Maria Schmid (Oberägeri, 7. Mai 2018))

Ruedi Burkart

ruedi.burkart@zugerzeitung.ch

«Es gibt zwei Arten von Menschen. Solche, die vor Problemen davonlaufen. Und solche, die sich der Herausforderung stellen und anpacken. Ich bin einer, der Probleme angeht und zu lösen versucht.» Mit dieser kurzen Selbsteinschätzung ist schon viel gesagt über die Persönlichkeit von Jürg Rother, dem reformierten Pfarrer von Oberägeri. Auch wenn der Geistliche völlig entspannt im Garten seines Hauses sitzt und mit fast schon selbstverständlicher Gelassenheit zwischen zwei Schlucken Kaffee Auskunft gibt, er scheint immer auf Empfang zu sein. «Wenn ich als Seelsorger gerufen werde, dann brennt es. Wer mich braucht, hat vielleicht schon lange gezögert, um Hilfe anzufordern. Dann muss es schnell gehen.» Schliesslich, so Pfarrer Rother weiter, sei er angestellt, um Zeit zu haben.

Rückblende: Als junger Mann gehörte Jürg Rother zu den Computer-Pionieren des Landes. In den 1970er-Jahren absolvierte er bei einem Computerhersteller die kaufmännische Ausbildung und kam früher als viele seiner Zeitgenossen mit den «neuen Dingern» in Kontakt. «Es war eine interessante Zeit», erinnert sich Rother mit dem ihm eigenen Lächeln, «ich fuhr damals beispielsweise mit einem riesigen Ungetüm von Harddisk mit dem Zug von einem Ort zum anderen, um so Daten zu übermitteln. Unvorstellbar in der heutigen Zeit».

Früher ein Kunstturner, heute begeisterter Biker

Trotz der neuen digitalen Welt, die sich ihm damals auftat, wollte er aufbrechen zu neuen Ufern, weg aus der Industrie. Rother absolvierte auf dem zweiten Bildungsweg die Matura und studierte am Baptist Theological Seminary in Rüschlikon sowie an der Theologischen Fakultät Zürich Theologie und zog 1985 aus dem Bündnerland ins Ägerital. In Oberägeri nahm er eine Stelle als Sozialdiakon an, wobei ihm Jugendfragen stets wichtig waren.

Pfarrer Rother: «Es war zum vornherein klar, dass diese Stelle zeitlich begrenzt sein würde.» Dass er mit seiner Ehefrau Inge – die per 1. Oktober in Unterägeri Pfarrerin wird – und den vier Kindern dennoch in Oberägeri blieb, war einem Wink des Schicksals geschuldet. Weil die Bevölkerungszahl ab Mitte der 1980er-Jahre rasant zunahm, wurde in Oberägeri per 1. März 1988 eine neue Pfarramt-Stelle geschaffen. Rother: «Früher war ein reformierter Pfarrer in Ober- und Unterägeri genug. Doch dann reichte das nicht mehr.» Zum Vergleich: Aktuell zählt der Kirchenbezirk Ägeri 2000 Reformierte, vor 20 Jahren waren es noch rund 30 Prozent weniger.

Pfarrer Rother ist nicht nur gedanklich fit, auch körperlich scheint er es immer noch mit vielen jüngeren Zeitgenossen aufnehmen zu können. In jungen Jahren betrieb Jürg Rother leistungsmässig Kunstturnen, später frönte er dem Ausdauersport, absolvierte beispielsweise den Boston-Marathon. Dann sattelte er um und begann Velo zu fahren.

Dass am Pfingstmontag, 21. Mai, bereits der 25. Mountainbike-Gottesdienst auf der Bruust-Höchi stattfindet, hat eine spezielle Vorgeschichte – wie so vieles im Leben von Pfarrer Rother. «Der Ägeri Bike-Club suchte vor 26 Jahren jemanden, der den damals neu angeschafften Vereinsbus einsegnet. Ich war grad verfügbar und habe übernommen», lacht Rother. Ein Jahr später fand der erste Mountainbike-Gottesdienst statt. «Bei der Premiere waren wir sechs Personen.» Einer davon: der Oberägerer Albert Iten, damals Weltklasse-Biker und 1991 Downhill-Weltmeister. In all den Jahren hat sich der spezielle Gottesdienst etabliert, bei schöner Witterung pilgern bis 170 Männer, Frauen und Kinder zur Bruust-Höchi, lauschen der Andacht und lassen es sich bei Risotto gut gehen. Und Pfarrer Rother selbst? «Ich fahre auch. Aber ich erlaube mir, mit einem E-Bike anzureisen.»

In vier Jahren tritt er auf die Bremse – definitiv

Da Geistliche ganz weltlich mit 65 Jahren pensioniert werden, ist das Ende von Pfarrer Rothers Arbeiterleben absehbar. Wird er in vier Jahren loslassen können? «Ja, das traue ich mir durchaus zu», schmunzelt er. Er habe in den letzten Jahren bewusst Tempo aus seinem Leben genommen. «Lassen Sie es mich so sagen: Früher bretterte ich mit 120 über die Autobahn, heute fahre ich in der 30er-Zone. Da fällt das Anhalten nicht so schwer.»

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