OBERÄGERI: Lehrerin mit Herz und Leidenschaft

Magda Senti geht nach 44 Jahren in Pension. Der Abschied fällt ihr nicht leicht. Wie es weitergeht, weiss sie aber schon genau.

Rahel Hug
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Magda Senti sah es nicht gern, wenn die Schüler «gagelten». Das hat ein Kind für sie festgehalten. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Magda Senti sah es nicht gern, wenn die Schüler «gagelten». Das hat ein Kind für sie festgehalten. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Das Leuchten in ihren Augen ist kaum zu übersehen, wenn die langjährige Primarlehrerin Magda Senti von ihren Schülern erzählt. Mit einem Schmunzeln zeigt sie die Collagen, die sie von den Kindern zum Abschied geschenkt bekommen hat. Mehr als zwei Drittel ihres Lebens hat die 64-Jährige an der Schule Oberägeri unterrichtet. Jetzt geht für sie und 20 weitere Lehrpersonen (siehe Box) eine Ära zu Ende. Die Zeit der Pension und damit ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Der Abschied fällt ihr schwer

Angefangen hat die gebürtige Bündnerin im Jahr 1969 als Stellvertretung in Oberägeri. «Damals hatte ich eine reine Mädchenklasse vor mir», erzählt Magda Senti. Dieser Jahrgang war aber die letzte getrennte Klasse. «Es war spannend, diesen Umbruch mitzuerleben», so Senti. Damals hat das Schulgeben sie so sehr gepackt, dass sie gleich in Oberägeri geblieben ist und im Frühjahr des nächsten Jahres eine fixe Stelle angetreten hat. Bis heute ist sie Oberägeri treu geblieben und hat in den letzten Jahren zweite und dritte Klassen unterrichtet. Am liebsten hat sie mit den Schülern gezeichnet und geturnt.

«Ich habe mich jeden Morgen auf die Schüler gefreut», sagt Magda Senti. Diese Freude hat sie all die Jahre hindurch für ihren Beruf motiviert. «Es kommt so viel zurück von den Kindern. Die strahlenden Gesichter haben mich immer aufgestellt.» Doch bei allen guten Worten gibt es auch Dinge, die Magda Senti weniger gefallen haben am Lehrerberuf. So zum Beispiel die immer grösser werdende Bürokratie: «Das ganze Administrative hat mir wenig Freude gemacht», so Senti. Und sie fügt an: «Früher hat man mehr persönlich miteinander geredet, es gab keine grossen Konferenzen und E-Mail-Verkehr.» Das meine sie aber nicht abschätzig, sagt Magda Senti: «Ich bin einfach immer auf meinem Kerngebiet geblieben, dem Schulgeben.» Das eigenständige Denken der Kinder war ihr wichtig: «Ich war nie die Lehrerin, die vor der Klasse steht und doziert», so Senti. Sie habe versucht, mit einer Frage oder einem Spruch etwas aus den Schülern herauszukitzeln und sie damit zum Denken und Erzählen zu motivieren.

Jetzt steht für die in Morgarten wohnhafte Lehrerin ein grosser Abschied an. Dass die Zeit im Schulhaus Hofmatt 1 vorbei ist, geht Magda Senti sehr nah: «Ich bin eine emotionsgeladene Frau. In den letzten Tagen habe ich mehr geweint als gelacht.»

Draussen gezeltet

Dennoch war es für Magda Senti eine schöne letzte Schulwoche. In der Nacht von Montag auf Dienstag hat sie mit ihrer Klasse trotz schlechtem Wetter draussen gezeltet. Am Dienstag organisierte sie zusammen mit ihrer Pensenpartnerin einen Elternabend im Freien. «Als dieser vorbei war, mussten wir blitzartig evakuieren», sagt Magda Senti. «Viele Zelte lagen flach, weil es so gestürmt hat.» Trotz Regen sei es ein eindrückliches Erlebnis zum Schulschluss gewesen, den Schülern habe es gefallen.

Ein zweites Zuhause in Afrika

Magda Sentis Herz schlägt neben ihren Schülern in der Schweiz auch für die Menschen in Senegal. In der Stadt M’Bour hat sie vor fünf Jahren einen Kindergarten gegründet und aufgebaut. Unterdessen sind dort auch eine 1. und 2. Klasse entstanden. «Mich fasziniert die Fröhlichkeit der Menschen in Senegal», sagt Senti. Über 100 Kinder besuchen ihre Schule in M’Bour. Mindestens drei Mal im Jahr reist sie selber in das westafrikanische Land.

Ihrem zweiten Zuhause in Afrika wird die pensionierte Lehrerin jetzt mehr Zeit widmen können. Im August plant sie, wieder nach Senegal zu reisen. Was sie als Erstes macht, weiss sie schon ganz genau: «Ich will die Sprache Woloff richtig lernen.» Sie verstehe schon viel, aber sie habe noch Nachholbedarf. Langeweile wird bei Magda Senti nach ihren 44 Jahren in der Schule bestimmt keine aufkommen. Und Auswandern? Das kommt für die Lehrerin dann doch nicht in Frage: «Ich würde die Berge und die Seen vermissen.»