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OBERÄGERI: Maria Speerli ist mit sechs Jahren schon ein kleiner Schach-Profi

Eben wurde Maria Speerli Schweizer Meisterin in der Kategorie U8. Sie freut sich besonders über die vielen glänzenden Pokale.
Carmen Rogenmoser
Mit viel Freude und Erfolg: Maria Speerli spielt leidenschaftlich gerne Schach. (Bild: Patrick Hürlimann (Oberägeri, 13. Oktober 2017))

Mit viel Freude und Erfolg: Maria Speerli spielt leidenschaftlich gerne Schach. (Bild: Patrick Hürlimann (Oberägeri, 13. Oktober 2017))

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Die Herbstsonne bringt sie so richtig zum Strahlen, die vielen Pokale und Medaillen. Sie alle gehören Maria Speerli, sechs Jahre alt. Das kleine Mädchen aus Oberägeri spielt Schach, und das richtig gut. Kürzlich ist sie als jüngste Teilnehmerin Schweizer Meisterin im Schnellschach in der Kategorie U8, der unter 8-Jährigen also, geworden. Einen kleinen silberfarbenen Pokal hat Maria dafür bekommen.

Ein anderer, viel markanterer Pokal allerdings, gefällt ihr viel besser. Er ist golden und doppelt so gross wie der Schweizer-Meister-Pokal. Gewonnen hat sie ihn am 14. Mai beim U16-Schülerschachturnier in Dänikon-Hüttikon. Es war ihr erstes Turnier über mehrere Runden. «In der ersten Runde habe ich gegen einen 13-jährigen Jungen gewonnen», erzählt Maria aufgeregt und spielt mit dem Deckel des Pokals. Ziemlich schwer sei der schon, gibt sie zu, und behalten dürfe sie ihn auch nicht. «Es ist ein Wanderpokal.» Auch das weiss die 6-Jährige bereits.

Den kleinen Pokal, den sie ebenfalls erhalten hat, darf sie behalten, und er zeigt ihre Lieblingsschachfigur: den Springer. Sie nimmt sich ebendiese Figur vom vor ihr aufgestellten Schachbrett und zeigt, wohin der Springer sich überall bewegen kann. «Damit kann man eine Gabel machen und zwei Figuren gleichzeitig angreifen», erklärt sie. Ausserdem mag sie das «erstickte Matt» oder die «tödliche Umarmung». Aha – die Journalistin versteht nur Bahnhof. Annette Waaijenberg, Marias Mutter, lacht und erklärt: «Die Kinder lernen Schach mit speziellen Begriffen. So können sie sich die Spielzüge besser merken.» Waaijenberg weiss das so genau, weil sie selber Schachlehrerin ist.

«Viele denken, dass Maria wegen mir mit Schach angefangen hat, dabei war es umgekehrt», sagt sie. Maria habe sie dabei beobachtet, wie sie mit einem Onkel Schach spielte, und sei fasziniert gewesen. Waaijenberg selbst habe bis zu diesem Zeitpunkt Jahre nicht mehr gespielt. «Maria wollte es unbedingt lernen.» Damals war sie gerade vier Jahre alt. «Ich dachte, dass sie viel zu jung dafür ist.» Sie habe im Internet recherchiert und gesehen, dass es in Zürich Schachschulen für so kleine Kinder gibt. Maria besuchte eine solche und war immer noch begeistert. «Sie kann sich sehr gut und lange auf etwas konzentrieren.» So habe sie sich etwa auch beim Memory immer viel Zeit gelassen und genau überlegt. «Sie mag strategische Spiele. Beim Schach ist dann alles zusammengekommen», erklärt Annette Waaijenberg. Genau das sei wohl auch der Grund, weswegen sie so viele Turniere gewinne. «Maria beobachtet den Gegner und will wissen, welche Strategie dieser verfolgt.» Die Kleine hört die ganze Zeit gespannt zu und wirft dann ein: «Der 13-jährige Junge dachte, er kann mich austricksen. Dann habe ich ihn ausgetrickst.» Zum Schachunterricht geht Maria zweimal pro Woche. Montags besucht sie den Gruppenunterricht in Oberägeri und seit Frühling dieses Jahres trainiert sie einmal wöchentlich beim Junioren-Nationalcoach Markus Regez aus Zürich. Zu hoch möchte Waaijenberg den Höhenflug ihrer Tochter nicht bewerten. «Natürlich bin ich stolz auf sie. Aber sie ist erst sechs Jahre alt. Vielleicht hat sie in einem Jahr ganz andere Interessen.»

Gründung des Vereins Chess-Mates Zugerland

Bei Annette Waaijenberg selber wird das Schachfieber aber wohl nicht so schnell nachlassen. Nachdem sie seit rund zwei Jahren – wegen ihrer Tochter – wieder selbst aktiv Schach spielt und seit mehr als eineinhalb Jahren Schachtrainerin ist, hat sie den Verein Chess-Mates Zugerland gegründet. Dieser bietet Schachunterricht vor allem für Kinder und Jugendliche an. Die Kurse finden bereits in Oberägeri und Neuheim statt, in Steinhausen und Unterägeri starten sie nach den Herbstferien. «Die Nachfrage ist gross», sagt sie. In Oberägeri allein unterrichtet sie momentan rund 30 Kinder. Die jüngsten sind fünf Jahre alt. «Es braucht Zeit, wir lernen einen Schritt nach dem anderen. So bleiben die Kleinen bei der Sache.»

Schach braucht viel Selbstdisziplin

Vor und nach jeder Partie geben sich die beiden Spieler die Hand, das ist Ehrensache und gefällt den Kindern. «Vielen fällt es anfangs schwer, dem Sieger die Hand zu schütteln.» Gewinnen sie, geniessen sie das aber umso mehr. «Ausserdem gewinnt man beim Schach, weil man etwas geleistet, und nicht einfach, weil man gut gewürfelt hat.» Annette Waaijenberg hat beim Schweizerischen Schachbund (SSB) Trainerkurse absolviert, und sie habe sich zum Ziel gesetzt, im nächsten Jahr ­einen ersten offiziellen Fide-Trainer-Titel zu erhalten. Dafür müsse sie noch mehr Turniere spielen. Denn ein Kriterium zum Bestehen der Prüfung ist die sogenannte Elo-Zahl. Eine Wertungszahl, wie man sie vom Golf oder Tennis her kennt. Mehr Siege an offiziellen Turnieren bedeuten mehr Elo-Punkte. Der Erfolg gibt ihr recht: Die Schachwoche für Kinder, die diese Woche in Oberägeri stattfindet, ist fast ausgebucht. Darüber freut sich Annette Waaijenberg. Maria hingegen kümmert sich lieber um ihre vielen Preise und überlegt schon mal, wo in ihrem Zimmer sie die alle hinstellen soll.

Hinweis: Weitere Informationen gibt es unter: www.chessmates.ch

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