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OBERÄGERI: Mit eigenen Robotern an die Olympiade

Programmieren und Bauen: Das machen vier Schülerteams unermüdlich. Ihr Ziel dabei – die World Robot Olympiade in Indien.
Carmen Desax
Noch sind Ramon Camenzind, Katja Kälin und Shahithya Thayakaran aus Oberägeri am Tüfteln. Bald müssen ihre Roboter aber startklar sein. (Bild Stefan Kaiser)

Noch sind Ramon Camenzind, Katja Kälin und Shahithya Thayakaran aus Oberägeri am Tüfteln. Bald müssen ihre Roboter aber startklar sein. (Bild Stefan Kaiser)

Carmen Desax

Es ist Dienstagnachmittag, die Sonne scheint, im Informatikraum der Schule Oberägeri treffen die Schüler pünktlich ein – dies, obwohl gerade Frühlingsferien sind. Die Fünf fackeln nicht lange. Sie starten die Laptops und packen ihre Lego-Roboter aus. Insgesamt vier Teams (drei auf Primarstufe und eines von der Oberstufe) werden am 4. Juni in Aarburg an der Schweizer Vorausscheidung für die World Robot Olympiade (WRO, siehe Box) mitmachen. Die Vorbereitungen laufen deshalb auf Hochtouren, denn die Teilnehmer sind ehrgeizig. Kein Wunder lockt doch das Weltfinale in Indien im November. «Schüler aus der ganzen Welt machen bei dem Wettbewerb mit, und alle haben genau die gleiche Aufgabe, egal, ob sie in Hongkong, Schweden oder eben der Schweiz wohnen», erklärt Lehrer Reto Speerli. Er ist Initiator des Projekts und genauso motiviert wie seine Schüler. So weit, so gut, doch was machen die Kinder denn nun konkret? «Sie müssen einen Lego-Mindstorm-Roboter bauen und diesen so programmieren, dass er die gestellte Aufgabe erfüllt», so Speerli.

Teamarbeit der Schüler

Die Aufgabe für die Primarstufe lässt sich zwar leicht erklären: Auf einer Plache, die am Boden liegt, ist ein Nikolaus-Haus aufgezeichnet. Den Grundlinien des Hauses muss der Roboter selbstständig folgen. Zusätzlich werden unterwegs rote und blaue Legosteine in den Weg gestellt. Der Roboter soll in der Lage sein, die Farben zu erkennen und die roten Steine aufzuladen und an einem anderen Ort abzuladen. Leichter gesagt als getan. Den Linien des Hauses folgen alle Roboter schon ziemlich sicher. Nun geht es darum, den Roboter so zu programmieren, dass er die unterschiedlichen Farben der Legosteine erkennt.

Die Aufgabe der Oberstufenschüler ist noch anspruchsvoller. Doch eine ausführliche Erklärung erspart sich Lehrer Speerli – zum Glück für die Journalistin, die schon jetzt kaum folgen kann.

Die Schüler allerdings bewegen sich flink zwischen Laptop und Roboter hin und her. Verstellen da etwas, bauen dort etwas um und probieren wieder aus. «Ich baue am liebsten, doch auch das Programmieren mache ich gerne», meint Nino. Der Fünftklässler hat zu Hause einen eigenen Roboter. «Das Schöne ist, dass es nicht einfach nur eine Lösung gibt, sondern viele Möglichkeiten. Das Damenteam beispielsweise hat ihren Roboter sehr geschickt programmiert», so Reto Speerli.

Momentan aber ist besagtes Damenteam, vertreten durch Katja (12) und Shahithya (11), am Rätseln: «Beim letzten Mal hat der Roboter die Legosteine erkannt und vor ihnen angehalten, jetzt geht das nicht mehr», erklärt Katja. Doch aufgeben ist keine Option. Insbesondere weil die Mädchen ideal aufgestellt sind: «Ich programmiere sehr gerne», meint Shahithya. «Katja macht beides und die dritte Freundin baut am besten.» Da kann ja nichts schiefgehen.

Ein reales Objekt erschaffen

«Computer kennen die Schüler, da muss man nicht mehr viel erklären», so Speerli. «Aber etwas zu bauen, das man tatsächlich in die Hand nehmen kann – quasi ein reales Objekt zu erschaffen, und diesem durch ein selbst geschriebenes Programm Leben einzuhauchen – das fasziniert sie.» Ihm selber geht es offenbar ähnlich. Der gelernte Ingenieur ist auf dem zweiten Bildungsweg Lehrer geworden. «Per Zufall bin ich an einer Weiterbildung mit dem Programmieren in Berührung gekommen.» Es habe ihn aber sofort gepackt. «Die Schüler lernen so, ein komplexes Problem in viele kleine Teilaufgaben zu zerlegen und diese Schritt für Schritt zu lösen», so Speerli. «Nicht zuletzt brauchen die Kinder viel Kreativität, um die Aufgabe erfolgreich zu meistern.» Sie profitierten aus schulischer Sicht enorm viel von diesem Projekt, ist er sich sicher.

Deshalb führt er auch immer wieder Projektwochen mit Primarschülern durch. Dabei geht es aber nicht nur um das Programmieren, sondern auch ums Sensibilisieren. Die Kinder setzen sich mit der fortschreitenden Technologisierung und Automatisierung der Gesellschaft auseinander. «Wir schauen uns bereits existierende Roboter an. Beispielsweise Pflegeroboter, die in Altersheimen eingesetzt werden und fragen uns: Wie wäre es, wenn wir selber von Maschinen gepflegt würden?», erklärt Speerli. Die Ethik spiele eine wichtige Rolle und berühre die Kinder.

Zweite Teilnahme aus Oberägeri

Für die Schüler, die sich auf den Wettbewerb vorbereiten, steht aber der Spass im Vordergrund. «Wir werden Gas geben», versichert Reto Speerli. Bereits im letzten Jahr hat er mit an der WRO teilgenommen. «Damals waren wir klar die Underdogs. Völlig überraschend holte sich ein Team den dritten Platz, und wir haben sogar den Design-Preis gewonnen», erinnert er sich. Klar, dass man sich für dieses Jahr auch Chancen ausrechnet.

Roboter-Olympiade

Die World Robot Olympiade (WRO) ist ein weltweiter Wettbewerb für Jugendliche. Diese designen und bauen einen Lego-Mindstorm-Roboter, programmieren ihn und starten am Wettkampf gegen andere Teams. Weltweit nehmen fast 20 000 Teams in über 50 Ländern an den Vorentscheiden teil. Am Wettbewerbstag müssen die Aufgaben gelöst werden, ohne dass dabei im Voraus gebaute Teile oder Anleitungen benutzt werden. 150 Minuten haben die Teams dafür zur Verfügung. Zum vierten Mal findet eine Qualifikationsrunde in der Schweiz für das Weltfinale in Indien statt. Die Teilnehmer können in den Altersklassen Elementary (8 bis 12 Jahre), Junior (13 bis 15 Jahre) und Senior (16 bis 19 Jahre) mitmachen.

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