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OBERÄGERI: Nur guten Steuerzahlern wird gedankt

Wer in der Gemeinde viel Steuern bezahlt, kann sich zu Weihnachten über einen Dankesbrief freuen, das finden nicht alle gerecht. Auch der Hünenberger Gemeinderat zeigt sich guten Steuerzahlern erkenntlich.
Christopher Gilb
Im Eichli ist eines der gehobeneren Wohngebiete in Oberägeri. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 22. Dezember 2017))

Im Eichli ist eines der gehobeneren Wohngebiete in Oberägeri. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 22. Dezember 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Das Schreiben des Gemeinderats von Oberägeri beginnt mit einem Zitat des deutschen Lyrikers Karl-Heinz Söhler: «Wenn das alte Jahr erfolgreich war: Mensch, freu dich auf das neue. Und war es schlecht – ja dann erst recht.» Für Oberägeri jedenfalls, so steht in den folgenden Zeilen, sei das Jahr ein erfreuliches gewesen. Die finanzielle Situation der Einwohnergemeinde habe sich dank «konsequenter Ausgabedisziplin» und höherer Steuereinträge verbessert. Dann bedanken sich die Unterzeichner, Gemeindepräsident Pius Meier und Gemeindeschreiberin Jirina Copine, bei den Empfängern, dass jene mit ihren Steuern dazu beigetragen haben, dass die Gemeinde ihre Aufgaben erfüllen könne und attraktiv bleibe.

In den Genuss dieser Aufmerksamkeit von hoher Stelle kamen aber nicht alle Bewohner der Gemeinde. Sondern nur jene, die viel Steuern bezahlen. Das ruft Kritik hervor: Sie störe, dass nur den reichen Steuerzahlern gedankt werde, schliesslich leiste doch jeder einen Beitrag entsprechend seinen Möglichkeiten, kritisiert eine Leserin unserer Zeitung aus Oberägeri, die anonym bleiben möchte. Anzumerken gelte es zudem, dass «dank» den reichen Steuerzahlern beispielsweise die Preise für Wohnraum in Oberägeri so hoch geworden seien, dass viele «Normalbürger» es sich nicht mehr leisten, können dort zu wohnen.

Oberägeri versteht Ärger nicht

Die Gemeinde jedenfalls kann die Kritik am Brief nicht nachvollziehen: «Selbstverständlich danken wir allen Steuerzahlenden für ihren Beitrag», sagt Jirina Copine. Alle hätten im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beigetragen, dass Oberägeri über eine gute Infrastruktur verfüge und in den vergangenen Jahren Investitionen in verschiedenen Bereichen tätigen konnte, die der gesamten Bevölkerung zu Gute gekommen seien. «Diejenigen, die überdurchschnittlich hohe Steuern zahlen, beteiligen sich an diesen Errungenschaften in einem besonders hohen Ausmass. Deshalb danken wir ihnen einmal jährlich schriftlich», so Copine weiter. «Die so geäusserte Wertschätzung ist die geringen Kosten zweifellos wert.» Man sei überzeugt, dass dies auch im Sinne der Bevölkerung sei. Detailliertere Auskünfte – etwa zum Preis für den Versand und ab welchem Steuerbetrag man einen solchen Brief bekommen hat –, möchte die Gemeinde nicht erteilen.

Die Steuerpflichtigen in vier Gemeinden im Kanton Zug hatten gemäss den Zahlen aus dem Jahr 2013 ein vergleichbares oder höheres durchschnittliches steuerbares Einkommen als diejenigen in Oberägeri.

In Hünenberg gibt’s ein Gratisessen

Doch wie eine Nachfrage zeigt, wird weder in Zug noch in Walchwil noch in Hünenberg oder in Baar ein solcher Brief an die besseren Steuerzahler verschickt. «So etwas gibt es bei uns nicht und war auch nie ein Thema. Für uns sind alle Steuerzahler gleichwertig», sagt der Baarer Gemeindeschreiber Walter Lipp. Und ergänzt: «Wir wünschen allen ein gutes neues Jahr.» Aus Zug heisst es, so etwas gebe es zwar nicht, der Stadtrat pflege aber einen regelmässigen Austausch mit für die Stadt Zug wichtigen Unternehmen. «So etwas machen wir nicht», sagt der Walchwiler Gemeindeschreiber René Arnold.

Von den befragten Gemeinden gibt es einzig in Hünenberg einen Ausdruck der Dankbarkeit, der mit jenem in Oberägeri vergleichbar ist oder gar noch etwas weiter geht. «Die besten Steuerzahler, Private und Firmen, werden zu einem Essen eingeladen, an dem auch die Gemeindepräsidentin teilnimmt», sagt Guido Wetli, der Hünenberger Gemeindeschreiber. Dies seien ungefähr zehn Personen pro Jahr, die jeweils einzeln zum Essen eingeladen würden. Kritik daran aus der Bevölkerung habe es bisher keine gegeben.

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