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OBERÄGERI: Oberägerer stellt mit seiner Firma Klon-Pflanzen her

Der Unternehmer Meindert Don will Bauern dazu bringen, Früchte wie Blaubeeren im Labor grosszuziehen. Seine Anbaumethode soll nicht nur Essen in besserer Qualität liefern, sondern auch günstig sein.
Fabian Gubser
Meindert Don sieht in der pflanzlichen Gewebekultur die Zukunft. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. Februar 2018))

Meindert Don sieht in der pflanzlichen Gewebekultur die Zukunft. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. Februar 2018))

Fabian Gubser

redaktion@zugerzeitung.ch

Was auf den ersten Blick wie ein Krankenhaus wirkt, ist tatsächlich ein moderner Bauernhof. Auf diesem Bauernhof irgendwo in China werden Blaubeeren produziert. Aber nicht unter freiem Himmel, sondern im Labor, im Reagenzglas. Der Landwirt hat weder Gummistiefel an noch fährt er einen Traktor, sondern trägt einen weissen Kittel und arbeitet mit einer Pinzette. Mit ihr setzt er vorsichtig Keimlinge in Beete, die wie Tupperware aussehen. Die Beete stapelt er im Gewächshaus auf mehreren Etagen übereinander. Unter violettem Licht werden die Jungpflanzen grossgezogen und nach einem Jahr draussen auf dem Feld ausgesetzt. Fünf Jahre später verkauft der Bauer die Pflanzen in einem möglichst lokalen Supermarkt.

Entwickelt hat dieser moderne Bauernhof das Biotech-Unternehmen «Livingstone Ventures». Die Firma gehört dem Oberägerer Meindert Don. Ihm zufolge wird in Zukunft das meiste, was wir essen, genau auf diese Weise produziert.

Problematische Landwirtschaft

Im Jahr 2040 werden gemäss Schätzungen zirka 9 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Um all diese Menschen zu ernähren, ist die Nahrungsmittelindustrie auf neue Ideen angewiesen. Die herkömmlichen Anbaumethoden brauchen viel Wasser und Platz. Wasser ist bereits heute in vielen Gegenden knapp. Und aufgrund der Platzknappheit werden Gemüse und Tomaten vom Acker bis zum Supermarkt oft über Tausende von Kilometern transportiert – was wiederum viel CO2-Austoss bedeutet.

Der Unternehmer Meindert Don glaubt, eine Lösung gefunden zu haben, die gleichzeitig umweltfreundlich und wirtschaftlich ist: die sogenannte pflanzliche Gewebekultur. Die bekannte Technologie wird in gewissen Ländern bereits eingesetzt und funktioniert folgendermassen: Eine Art «Mutterpflanze» wird in Reagenzgläsern geklont und in einer sterilen Umgebung aufgezogen. Dadurch können sich keine Viren auf der Pflanze einnisten, was höhere Qualität bedeuten soll. Violettes Licht und eine Nährlösung beschleunigen das Wachstum. Je nach Pflanzenart werden die Keimlinge später im Gewächshaus platziert oder unter freiem Himmel ausgesetzt.

Laut Don ist der Vorteil dieses Konzepts, dass auch kleinere Betriebe in kürzester Zeit sehr viel produzieren können. Durchschnittlich brauche seine Anbaumethode nur halb so lange, wie wenn der Landwirt die Pflanzen traditionell, etwa mit Samen anpflanzt. Zudem soll so die Nahrungsmittelproduktion dezentraler und deswegen weniger abhängig und umweltbelastend werden. In Deutschland, China, Kasachstan und Holland sind die Labors von «Livingstone» bereits im Betrieb. In deren Reagenzgläser wachsen Bäume, Kartoffeln oder Farne, andere Arten wie Tomaten sollen 2019 folgen. Das Unternehmen bewirbt seine Anbaumethode in vielen Ländern, zum Beispiel in der Schweiz, Spanien und den ehemaligen Ländern der Sowjetunion.

Als Niederländer hat Don die Landwirtschaft quasi in den Genen. Aufgrund der kleinen Fläche des Landes wird die Landwirtschaft dort sehr intensiv betrieben. Die Bauern haben ihre Anbaumethoden perfektioniert. Unter anderem verwenden sie auch die erwähnte pflanzliche Gewebekultur. Dieses Wissen ist gefragt: Das Land ist nach den USA weltweit der zweitwichtigste Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten. Dennoch war es nicht Don selbst, der die Firma «Livingstone» gründete. Ursprünglich war er im IT-Bereich tätig. Mit dem eigenen Unternehmen richtete er beispielsweise ein Auktionssystem für den Blumenhandel in den Niederlanden ein. Seinen heutigen Geschäftspartner – den Agronomen Stef Schreuder – lernte er 2014 kennen. Don beriet dessen damaliges Start-up. Im gleichen Jahr gründete Schreuder die Firma «Livingstone» und beginnt, die Technologie der pflanzlichen Gewebekultur zu standardisieren, damit sie nicht nur von Experten eingesetzt werden kann. Der Unternehmer Don ist begeistert, stösst dazu und im Jahr 2016 wird das erste Blaubeeren-Labor an China ausgeliefert, das jetzt 1,5 Millionen Pflanzen pro Monat produziert.

Don zog 1998 nach Oberägeri. Angezogen hat ihn die starke Demokratie der Schweiz und das unternehmerfreundliche Klima von Zug. Neben seinem Beruf ist Dons grösste Passion das Segeln. Daneben macht er gerne Spaziergänge mit seiner Berner Sennenhündin Cleo und praktiziert täglich Yoga. Das Unternehmertum fasziniert Don, seit er 17 Jahre alt ist. «Die Gesellschaft mitzugestalten durch unser Geschäft gibt meinem Leben einen Sinn.»

Skeptische Bauern

Aktuell liegt für Don die grösste Schwierigkeit darin, die Bauern von der für sie teilweise neuen Technologie zu überzeugen. Ob das im grossen Massstab gelingt, wird sich zeigen. Unbestritten ist, dass die ressourcenintensive Landwirtschaft mit Blick auf das weltweite Bevölkerungswachstum dringend auf neue Ideen angewiesen ist. Vielleicht ist der Bauer im weissen Kittel eine davon.

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