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OBERÄGERI: Sein Gesang hat weit über seine Heimat hinaus Gewicht

Opernsänger John Uhlenhopp wohnt mit seiner Familie in der beschaulichen Zuger Berggemeinde. Er fühlt sich hier wohl – und hat mehr zu bieten als eine aussergewöhnliche Stimme.
John Uhlenhopp hat im Ägerital ein neues Zuhause gefunden. (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 17. August 2017))

John Uhlenhopp hat im Ägerital ein neues Zuhause gefunden. (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 17. August 2017))

«Treffen wir uns bei Bruno?», fragt John Uhlenhopp mit einem charmanten, aber unverkennbaren englischen Akzent gerade­heraus. Bruno? Da muss selbst die Einheimische schnell überlegen, wer damit gemeint ist. Ah ja, klar, der Betreiber des kleinen Seebistros in Oberägeri. Seit drei Jahren lebt Uhlenhopp, gebürtiger Amerikaner, im Ägerital – und er kennt sich bestens aus. «Ich und meine Frau wohnen mitten im Dorf. Wenn möglich gehe ich jeden Tag im See schwimmen», erklärt er. Bei dieser Gelegenheit stattet er auch dem Bistro einen Besuch ab. «Das ist einer meiner Lieblingsorte, alle Ägerer treffen sich dort», sagt er mit seiner tiefen Stimme. Die ist sein Markenzeichen und sein Arbeitsinstrument. Denn John Uhlenhopp ist ein international tätiger Tenorstar mit Engagements in Deutschland, Italien und Israel. Auch in Übersee, unter anderem an der San Francisco Opera oder der Seattle Opera ist Uhlenhopp aufgetreten. Er spiele schwierige Rollen, etwa jene des Tristan in Richard Wagners Oper «Tristan und Isolde». «Das sind gesuchte Tenöre», sagt der 56-Jährige. So sei er immer gut beschäftigt gewesen. «Momentan bin ich zwischen Arrangements, was auch völlig okay ist.» Dafür hatte er Zeit, bei der 1.-August-Feier in Oberägeri aufzutreten. «Ich bin schon länger in Kontakt mit der Kulturverantwortlichen Claudia Häusler und immer auf der Suche nach neuen Projekten.» So coacht er etwa auch junge Talente.

Doch eigentlich wolle er es etwas ruhiger nehmen. Es gebe zwar noch die eine oder andere Herausforderung, der er sich stellen wolle, aber der ganz grosse Ehrgeiz sei vorbei. «Wir hatten wirklich immer auch viel Glück. Ich konnte viele Ziele erreichen», sinniert er. Mit «wir» meint er seine Frau Mary und die beiden Kinder Jakob und Emma. Mary und er seien als junges Ehepaar durch Zufall in der Schweiz gelandet, haben sich dann aber konkret für ein Leben hier entschieden. «Wir lebten in New York, als Jakob vor 22 Jahren zur Welt kam», erinnert er sich. «Das war keine gute Umgebung, um ein Kind grosszuziehen.» Uhlenhopp hatte zu der Zeit einige Auftritte in Deutschland und bekam dann das Angebot für einen festen Vertrag im Stadttheater Luzern. «Uns gefiel es hier», sagt er.

Musiklehrer und Chorleiter

1996 siedelte die Familie in die Schweiz über. «Das Leben mit Kindern ist hier gesund, es ist sinnvoll.» Sie wohnten in Kriens und später in Gisikon. Dort liessen sie sich 2013 einbürgern. «Wir hatten ein schönes Haus, doch das wurde zu gross, als die Kinder auszogen», sagt der Sänger. Tochter Emma (19) studiert in Den Haag internationale Beziehungen, Sohn Jakob (22) in Pittsburgh Architektur. «Es sind echte Schweizer Kinder, aber mit einem internationalen Zugang», sagt Uhlenhopp nicht ohne Stolz.

Er und seine Frau entschieden sich für einen Tapetenwechsel. «Wir kannten bereits viele, die in Ägeri und Umgebung wohnen.» Sie fühlen sich in Zug wohl. «Aber wer weiss, was noch alles kommt?», sagt der Sänger und lacht verschmitzt. Diese Einstellung gehört zum Leben Uhlenhopps – und sie erklärt auch, wie er Opernsänger wurde. Der ausgebildete Musiklehrer und Chorleiter erklärt: «Ich habe immer gewusst, dass ich eine sehr dramatische Stimme habe.» Mit rund 30 Jahren habe er dann angefangen, diese auszubilden.

Er ist auch begeisterter Volksmusiker

2001 endete sein Engagement beim Luzerner Theater. Seither ist er freischaffend. «Ich konnte fantastische Sachen machen, war etwa für sechs Wochen in Rom, dann wieder in Venedig.» Und zwischendrin immer wieder in der ruhigen Schweiz mit der Familie. «Ich nehme das Üben sehr ernst und achte auf meine Gesundheit», erklärt er. Übertreiben mag er aber nicht. «Ich gehe auch im Winter raus und trage nicht immer einen Schal.» Bei John Uhlenhopp hört sich das alles ganz leicht an. Eins führt zum anderen. Er macht einen zufriedenen Eindruck, ist angekommen. «Aber das Leben ist noch nicht vorbei», wirft er ein und lacht schallend.

Und es gibt für ihn mehr als Opernmusik. «Ich bin ein begeisterter Volksmusiker», sagt er. Er spielt alle Saiteninstrumente und ist Mitglied der Zuger Band Triple Bypass. Den gleichen Enthusiasmus, den er für die Musik hat, hat er auch für seine Wohngemeinde. Uhlenhopp spricht fliessend deutsch. «Wir haben uns in der Schweiz von Anfang an wohlgefühlt und können nun vielen Expats quasi als Botschafter weiterhelfen.» Dazu gehöre etwa das Übersetzen amtlicher Briefe oder «wenn jemand seinen Nachbarn wütend gemacht hat und keine Ahnung hat, wieso». Wieder blitzt Uhlenhopps Humor auf, Uhlenhopp lacht schallend.

Carmen Rogenmoser

carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

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