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OBERÄGERI: Solang die Stimmbänder schwingen: Wirtechor feiert Jubiläum

Der Wirtechor Zug feiert morgen sein 50-jähriges Bestehen. Toni Müller (83) ist seit Anfang an Mitglied und bis heute aktiv. Der Überlebenskampf des Vereins ist ein Abbild der Gastronomie.
Raphael Biermayr
Toni Müller – hier am heimischen Esstisch – singt auch im Kirchenchor. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 17. November 2017))

Toni Müller – hier am heimischen Esstisch – singt auch im Kirchenchor. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 17. November 2017))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Wie der Gründungsabend genau ablief, das weiss Toni Müller nicht mehr. Was es zu essen gab, ist ihm aber noch präsent: grüne Wurst. Kein Wunder – der Mann war schliesslich 24 Jahre lang Wirt auf dem Gottschalkenberg.

Deutlich länger, als er in der Gastronomie tätig war, ist Müller im Wirtechor. Seit 50 Jahren schon, seit jenem Gründungsabend, an dem man im «Hagebüechli» alias «Frohsinn» in Zug zum ersten Mal zusammensass. Ein Zürcher hatte die Idee dazu, erinnert sich Müller. Hans Hoffmann, Vertreter für Mineral­wasser, kannte die damals noch deutlich reichere Gastronomieszene im Kanton und gewann deshalb schnell Mitglieder. Er war auch erster Dirigent des heute 24 Singende umfassenden Zuger Wirtechors, der morgen in Steinhausen zum Jubiläumskonzert lädt.

Gegenseitiges Verständnis

Toni Müller war 16 Jahre lang Präsident der singenden Wirte. Er ist eines von noch zwei lebenden Gründungsmitgliedern und der Letzte, der immer noch singt. «Solange meine Stimme mitmacht, denke ich nicht an das Ende», hält der bescheidene 83-jährige Tenor in seiner schmucken Wohnung in Oberägeri fest. «Und meine Stimme ist gut, das darf ich, glaube ich, sagen.»

Spricht der gebürtige Morgärtler über den Wirtechor, merkt man, dass jener ihm stets eine willkommene Abwechslung war. Eine Möglichkeit, abzuschalten und «verstanden zu werden». Wirte hatten es schon früher schwer, zumal wenn ihr Lokal auf dem abgelegenen Gottschalkenberg stand. «Einmal hatten wir wegen Verwehungen dreieinhalb Meter Schnee auf der Strasse liegen», sagt Müller und lächelt. So gab es auch Momente, in denen er eine wöchentliche Probe auslassen musste.

Er brauchte nicht für den Beitritt zum Chor überredet zu werden. Schon in seiner Familie hätte man gern gesungen, er war Mitglied im Kirchenchor Morgarten und gehört heute dem Kirchenchor Oberägeri an. Ein Lieblingslied hat er nicht, er mag vom kirchlichen bis zu Trinkliedern das ganze Repertoire.

Ein Feuerwehrauto rettet die Zuger

Die Höhepunkte im langen Vereinsleben bilden die Sängertage, an denen sich die Zuger mit den einst sieben und heute noch sechs anderen Wirtechören der Schweiz messen. Die dort abgegebenen Bewertungen der Juroren seien «wichtig, um zu wissen, wo man steht», aber beim folgenden Zusammensein «gleich wieder vergessen». Einmal, erinnert sich Müller, hatten die Zuger grosses Glück. Bei einer Darbietung drohte ein Abschiffer, nachdem ein Übergang misslungen war. Doch weil gerade ein Feuerwehrauto vorbeifuhr, durften sie nochmals von vorn beginnen.

Wer die Chronik des Zuger Wirtechors überfliegt, kommt zum Schluss, dass die besten Tage hinter ihm liegen. Immer wieder sind Todesfälle vermerkt, die Rekordzahl von 32 Sängern aus dem Jahr 1990 dürfte nie mehr erreicht werden. Toni Müller ist das bewusst. Ob es dereinst ein 60-Jahr-Jubiläum geben wird, steht in den Sternen. «Es gibt einerseits viel weniger Lokale als früher. Andererseits gibt es immer wieder Wechsel und mehr ausländische Wirte, an die der Chor nicht so leicht herankommt», erklärt Müller. Der Wirtechor ist letztlich ein Abbild der Gastronomie.

Hinweis Das Jubiläumskonzert des Wirtechors Zug mit dem Jodlerclub Schlossgruess Cham findet morgen ab 16 Uhr im Restaurant Schnitz und Gwunder in Steinhausen statt.

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