OBERÄGERI: Volk will weniger Denkmalschutz

An der Budgetgemeinde gaben nicht der Voranschlag und der Finanzplan, sondern die Unterschutzstellung des alten Bahnhöflis sowie Buslinien viel zu reden.

Charly Keiser
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Der Souverän ist gegen den Schutz des alten Bahnhöflis. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 5. September 2016))

Der Souverän ist gegen den Schutz des alten Bahnhöflis. (Bild: Stefan Kaiser (Oberägeri, 5. September 2016))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Das alte Bahnhöfli an der Morgartenstrasse 4 hat an der gestrigen Gemeindeversammlung in der Aula der Mehrzweckanlage Maienmatt in Oberägeri erwartungsgemäss viel zu reden gegeben. Bauchef Peter Staub beantwortete die Fragen einer entsprechenden Interpellation, die zudem eine Konsultativabstimmung darüber verlangte, ob die Oberägerer das Bahnhöfli unter Schutz stellen wollen oder nicht.

Von einem Hammer aus Zug sprach vor der Abstimmung Interpellant Peter Letter (FDP), «als das Amt für Denkmalpflege bekannt gegeben hat, dass es die Bruchbude unter Schutz stellen will. Wir wollen mit der Konsultativabstimmung dem Gemeinderat den Rücken stärken und ein Signal nach Zug senden, dass man in Oberägeri nicht alles machen kann.» Die Abstimmung greife in ein laufendes Verfahren ein, monierte Philippe Röllin (Forum). Auch habe sich niemand über das alte Bahnhöfli Gedanken gemacht. «Es ist doch gut, wenn jetzt seine mögliche Schutzwürdigkeit abgeklärt wird.»

«Zug lässt uns einfach hängen»

«Wir schämen uns wegen des Bahnhöflis und dessen miserablen Zustands», konterte Hanspeter Isler. «Bei uns in Oberägeri geht in Sachen Bahnhöfli nichts, und Zug lässt uns einfach hängen», doppelte Isler nach. Der Gemeinderat tue alles, was in seiner Macht stehe, bekräftigte Peter Staub. Und Gemeindepräsident Pius Meier wies darauf hin, dass die Abstimmung lediglich ein Signal nach Zug zuhanden der Denkmalpflege und des Regierungsrats sei. «Wir können den Zugern sagen, dass wir das Bahnhöfli nicht unter Schutz haben wollen.» Nur sechs Stimmbürger sahen es anders und verlangten ein Ja zum Schutz. Die Versammlung sandte mit 157 Nein-Stimmen ein deutliches Signal nach Zug.

Ebenfalls deutlich sprach sich die Gemeinde für die Wiedereinführung der Busverbindungen nach Alosen und Morgarten in der Zeit nach 20 Uhr aus. Dank einem Zusatzantrag der SVP fahren besagte Busse ab dem 1. Februar 2017 wieder wie zuvor. Die Kosten von 39 375 Franken addierte die Gemeindeversammlung direkt dem zuvor einstimmig genehmigten Budget. Patrick Iten (CVP) hatte dieses im Namen seiner Partei unterstützt. «Sparen kann man nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit.»

Er habe vor einem Jahr das Budget abgelehnt, schaute Peter Held (FDP) zurück und lobte nun die veränderte Haltung und den Einsatz des Gemeinderats und der Verwaltung.

Entscheide

An der gestrigen Gemeindeversammlung haben die Stimmbürger folgendermassen entschieden:
Das Protokoll der Versammlung vom 13. Juni 2016 wurde einstimmig genehmigt. Auch das Budget 2017 wurde ohne Gegenstimmen angenommen und der Finanzplanung 2017 bis 2021 zur Kenntnis genommen. Die Versammlung sagte Ja zum Reglement über das Halten von Hunden und zur Anhebung der Hundesteuer. Die Gemeindeversammlung sprach sich ausserdem für die Sanierung der Trinkwasserleitung Eggmatt–Würzli und die Motion «Busverbindungen Alosen und Morgarten» aus. (kk)