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OBERÄGERI: Vom Tüftler zum Lehrer – und zurück

Die Brüder Felix und Reto Speerli integrieren ihr Hobby in den Beruf. Mit dem Schulprojekt Ikarus machen sie mit ihren Schülern Bilder von der Grenze zum Weltall. Nun stellen sie dieses am internationalen Festival «Science on Stage» vor.
Andrea Muff
Felix (links) und Reto Speerli mit der Ausrüstung für die «Weltraummission». (Bild: Werner Schelbert (Oberägeri, 23. Juni 2017))

Felix (links) und Reto Speerli mit der Ausrüstung für die «Weltraummission». (Bild: Werner Schelbert (Oberägeri, 23. Juni 2017))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Ihre Schulstunden haben bestimmt nichts mit trockener Theorie zu tun: Die Brüder Reto (38) und Felix Speerli (36) sind Lehrer und tüfteln oft an technischen Projekten, um ihren Schülern das jeweilige Thema möglichst praxisnah zu erklären. So steht beispielsweise ein 3D-Drucker im Zimmer von Reto Speerli im Oberägerer Schulhaus Hofmatt. Felix Speerli unterrichtet an der privaten Tagesschule Elementa in Neuheim, und zu seinem Unterrichtsequipment gehört ebenfalls ein solcher Drucker.

Ihr momentan wichtigstes Projekt heisst Ikarus. Damit dürfen sie nach Debrecen, Ungarn, fahren und am internationalen Festival Science on Stage ihr Projekt vorstellen. Ab morgen bis nächsten Sonntag sind die beiden also im Osten Europas, um ihre neue Unterrichtsidee anderen Lehrern weiterzugeben. Felix Speerli erklärt: «Das Ziel ist der Austausch unter Berufskollegen.»

Höher als siebenmal das Matterhorn

Das Experiment funktioniert folgendermassen: Die Schüler schicken mit einem Helium gefüllten Wetterballon eine Kapsel aus Styropor, die sogenannte Raumsonde, in die mittlere Stratosphäre – das heisst, über 30000 Meter in die Höhe. Um sich das bildlich vorzustellen, wären das ungefähr 17-mal die Rigi aufeinandergestapelt oder ungefähr 7-mal das Matterhorn. In der am Ballon befestigten Styroporbox befinden sich eine Go-Pro-Kamera, die den ganzen Flug aufnimmt und so spektakuläre Fotos schiesst, und ein GPS-Tracker, damit die Kamera auch wieder gefunden werden kann. Das sei nicht immer ganz einfach, sagt der 38-jährige Lehrer und hat einige Anekdoten auf Lager: «Einmal landete sie mitten im Zugersee, ein anderes Mal auf einem Gebäudedach auf dem Waffenplatz Thun oder immer mal wieder hängt die Kapsel in einem Baum fest», erzählt Reto Speerli lachend. Dank einer Webseite der Cambridge University, wo der Abflugort mit den aktuellen Wetterdaten abgeglichen wird, wissen die Bürder bereits beim Start, wo in etwa die Raumsonde wieder landen wird. Die beiden Lehrer haben bereits 23 Ballone in die mittlere Stratosphäre steigen lassen – alle haben sie wieder gefunden. Einen allerdings erst nach einer dreitägigen Suche. Die Freude bei den Schülern sei jeweils gross, wenn sie den Ballon wiederfinden: «Dann sind sie kaum zu bremsen», sagt Reto Speerli.

Neben Kamera und GPS-Tracker kommt jeweils noch ein stellvertretender «Astronaut» mit auf die Reise. Das heisst, eine Lego-Figur fliegt mit. Die Kamera macht Fotos vom Erdball und mitten im Bild steht der «Astronaut». Damit die Styroporkapsel nach dem rund zweistündigen Aufstieg nicht ungebremst zur Erde zurückfliegt, hängt sie an einem Fallschirm und wird auf 30 bis 50 Kilometer pro Stunde abgebremst. Während des Fluges ins Weltall wird der Ballon immer grösser, da sich das Helium ausdehnt und der Luftdruck gleichzeitig sinkt. Die Folge: Der Ballon platzt. «Die Fallzeit beträgt ungefähr eine halbe bis eine Dreiviertelstunde», so Felix Speerli.

Beide hatten die gleiche Idee

Dass aber nicht nur die Schüler grosse Begeisterung für das Projekt Ikarus verspüren, können die beiden Lehrer nicht verbergen: «Es macht grossen Spass», gibt Reto Speerli zu. Auf die Idee seien sie unabhängig voneinander gekommen. Der 38-Jährige erklärt: «Vor ungefähr viereinhalb Jahren hatte ich ein Video im Internet entdeckt, wo ein Kanadier eine Lego-Figur ins All schickte. Ich war einfach baff und wollte das unbedingt ausprobieren. So brauchte ich nur noch eine ‹Ausrede›, und da kam mir mein Beruf als Lehrer ganz recht.»

Auch sein zwei Jahre jüngerer Bruder hatte das Video gesehen, und so schlossen sich die beiden zusammen. «Wir waren als Kind schon sehr neugierig und haben viel gebastelt und experimentiert», gibt Felix Speerli zu. Das Projekt Ikarus behandelt verschiedene naturwissenschaftliche Fächer: wie etwa Meteorologie, Geografie, Mathematik und Physik. Die Speerli-Brüder haben das vielseitige Projekt extra für die Schule konzipiert. «Ich unterrichte Schüler der 5. und 6. Primarstufe, das Projekt funktioniert aber auch bei Jüngeren», meint Reto Speerli und fügt hinzu: «Auch für die Oberstufe ist es geeignet – so könnte man allgemeine Wetterdaten erheben.» Die Tüftler sind als Quereinsteiger zum Lehrerberuf gekommen und haben ein gemeinsames Ziel: «Wir wollen, dass die Schüler mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gute Erinnerungen verbinden. Wenn man möchte, kann man als Lehrer den Kindern den Stoff sehr kreativ vermitteln und dabei grossen Spass haben», ist sich Reto Speerli sicher und fügt grinsend hinzu: «Wir haben permanent neue Ideen.»

Hinweis

Weitere Informationen über das Projekt Ikarus finden Sie auf www.projekt-ikarus.ch. Über die Vereinshomepage www.die-denkschule.ch können die Brüder Speerli kontaktiert werden.

Ein Video über das Projekt Ikarus: zugerzeitung.ch/bonus

Mit dem Roboter auf den «Mond»

Oberägeri Ein weiteres Projekt hat Reto Speerli mit zwei 6.-Klässlern im Köcher: Irina und Philipp haben für die Moonbots Challenge ein Bewerbungsvideo eingereicht und damit den Sprung ins Finale geschafft. Insgesamt 166 Teams aus 24 Ländern haben sich dafür beworben. Die Moonbots Challenge soll Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften, Technik und für die Weltraumforschung begeistern. In einem Team lösen die Kinder eine problembasierte, reale Aufgabe mit Robotiksystemen und modernen Technologien wie 3D-Druckern in einer kreativen Weise.

Das Schweizer Team «Aegeri Space Agency» möchte auf dem Mond eine Beobachtungsstation für Asteroiden einrichten und nach Meteoriten suchen. Die beiden Schüler gestalten dafür eine Mondlandschaft, bauen und programmieren einen Roboter, der die Mission ausführt. Für die Jury von Google führen die beiden 6.-Klässler ihre Mission in einer Liveübertragung vor. Mitte Juli werden die Gewinner der Moonbots Challenge bekannt gegeben. (mua)

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