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OBERÄGERI: «Wir brauchen vielmehr bessere Spiesse»

Mit dem Festakt um 10 Uhr begann gestern der dritte Tag des Morgarten-Festes. Dabei standen fünf Redner im Mittelpunkt, die Vergleiche mit einst und heute zogen.
Oben: Beat Villiger, Andreas Barraud, Ueli Maurer, André Rüegsegger und Heinz Tännler mit ihren Hellebarden (von links). Unten: Werbung für das Freilichtspektakel. (Bilder Christian Hildebrand)

Oben: Beat Villiger, Andreas Barraud, Ueli Maurer, André Rüegsegger und Heinz Tännler mit ihren Hellebarden (von links). Unten: Werbung für das Freilichtspektakel. (Bilder Christian Hildebrand)

Bundesrat Ueli Maurer während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberaegeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Bundesrat Ueli Maurer während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberaegeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Bundesrat Ueli Maurer während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberaegeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Bundesrat Ueli Maurer während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberaegeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Der Zuger Regierungsrat Beat Villiger, der Schwyzer Landammann Andreas Barraud, Bundesrat Ueli Maurer, der Schwyzer Regierungsrat Andre Ruegsegger und der Zuger Landammann Heinz Taennler, von links, während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberaegeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Der Zuger Regierungsrat Beat Villiger, der Schwyzer Landammann Andreas Barraud, Bundesrat Ueli Maurer, der Schwyzer Regierungsrat Andre Ruegsegger und der Zuger Landammann Heinz Taennler, von links, während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberaegeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Bundesrat Ueli Maurer, links, und der Zuger Landammann Heinz Tännler, rechts, waehrend den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Bundesrat Ueli Maurer, links, und der Zuger Landammann Heinz Tännler, rechts, waehrend den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Die Kantonsweibel aller Schweizer Kantone während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Die Kantonsweibel aller Schweizer Kantone während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Zwei Besucher beobachten eine Flugshow während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Zwei Besucher beobachten eine Flugshow während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Eine Theatereinlage während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Eine Theatereinlage während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Das Festgelaende beim Morgarten Denkmal während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri . (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Das Festgelaende beim Morgarten Denkmal während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri . (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Die alten Schwyzer Krieger während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Die alten Schwyzer Krieger während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Die Nidwaldner Landsknechte in Uniform während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Die Nidwaldner Landsknechte in Uniform während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Die alten Schwyzer Krieger während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Die alten Schwyzer Krieger während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Die alten Schwyzer Krieger während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Die alten Schwyzer Krieger während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Nidwaldner Landsknechte in Uniform während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Nidwaldner Landsknechte in Uniform während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Ein Szene der Schlacht am Morgarten während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Ein Szene der Schlacht am Morgarten während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Nidwaldner Landsknechte in Uniform während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Nidwaldner Landsknechte in Uniform während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten in Oberägeri am Sonntag. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Nidwaldner Landsknechte in Uniform benützen den Shuttlebus während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)Nidwaldner Landsknechte in Uniform benützen den Shuttlebus während den Feierlichkeiten zum Volksfest 700 Jahre Schlacht am Morgarten. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
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Morgarten-Feier

Charly Keiser

Sonntagsreden – so werden schöne Ansprachen mit grossen Worten abwertend bezeichnet. Sinnigerweise drehten sich die Reden des offiziellen Festakts des Volksfests «Morgarten – 700 Jahre Abenteuer Geschichte» um eine «Sonntagsschlacht». Doch davon später.

Pünktlich um 10 Uhr sassen gestern die geladenen Gäste auf der grossen gedeckten Tribühne, von der vom 7. August bis zum 12. September das musikalische Freilichtspektakel «Morgarten – der Streit geht weiter» verfolgt werden kann. Viel zusätzliches Volk stand am Festort – und dies meist unter einem Schirm. Denn während der rund anderthalb Stunden regnete es immer und immer wieder.

Damit zurück zur Vergangenheit, wo es offenbar auch um Wasser und Sumpf gegangen ist. Am 15. November 1315 ist Herzog Leopold von Habsburg mit seinem teilweise berittenen Gefolge von Zug her kommend durch das Ägerital gegen Sattel gezogen. Beim südlichen Ende des Ägerisees – am Morgarten – sollen die Habsburger und die Zuger von zahlenmässig unterlegenen Schwyzern überfallen, in den Sumpf und in den See getrieben sowie in die Flucht geschlagen worden sein. Mehr denn je steht diese Darstellung der «ersten Freiheitsschlacht der Waldstätte gegen die fremden Vögte» im Zweifel. Darum zuvor der Ausdruck «Sonntagsschlacht». Was für die einen einen wertlosen Mythos darstellt, ist für andere ein Symbol für unser Land und unsere Freiheit.

Mit dem Velo zum Schlachtort

Mythos oder Symbol? André Rüeg­segger (SVP), Vorsteher des Sicherheitsdepartements des Kantons Schwyz und Präsident des Organisationskomitees des Fests, brachte es so auf den Punkt: «Morgarten hat unser Selbstverständnis geprägt, und wir dürfen stolz sein auf unser Land.»

Parteikollege und Bundesrat Ueli Maurer verriet zu Beginn seiner Festansprache: «Einen Tag nachdem wir in der Schule die Schlacht von Morgarten durchgenommen hatten, fuhr ich mit dem Velo nach Morgarten.» Dies, weil er vom Ereignis sofort fasziniert gewesen sei, wie er offen bekannte. Er wolle den Anwesenden keine Geschichtslektion erteilen, ergänzte der Zürcher Oberländer und sagte in seinem Votum, was «Morgarten» für viele Schweizer im Grundsatz bedeute. So habe ihm beispielsweise eine Spielerin der Schweizer Fussballnationalmannschaft vor dem Abflug an die Weltmeisterschaften gesagt: «Wir werden es machen wie an Morgarten», erzählte Maurer. Und er betonte: «Das zeigt, wie wichtig Morgarten für unser Land als Symbol ist. «Wer einem Volk die Geschichte nimmt, nimmt ihm die Identität», ergänzte Maurer. Und er fügte an: «Wir Schweizer sind ein Sonderfall, und als kleiner Staat konnten und können wir nur überleben, wenn wir anders sind als die anderen.» Es gehe nämlich nicht darum, gleich lange Spiesse zu haben wie die anderen. «Wir brauchen vielmehr bessere Spiesse.» Maurer beschwor: «Die Schweiz muss ihre Eigenheiten bewahren, wenn sie nicht in anderen Staaten oder Bünden aufgehen will. Morgarten ist eine aktuelle Lektion, die uns lehrt, wie gut es ist, anders als die anderen zu sein. Ich wünsche der Schweiz Mut zur Eigenständigkeit – und mehr ‹Morgarten› im Alltag.»

Maurers Rede dürfte wohl von einigen Leuten als Sonntagsrede bezeichnet werden – die Gäste befanden danach aber mehrheitlich, dass der Vorsteher des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) magistrale Worte gewählt habe. Auch die anderen Redner erhielten «vom Volk» beste Noten.

«Sie existieren noch heute»

Der Zuger Landammann Heinz Tännler schlug mit seinen Worten in die gleiche Kerbe wie Parteikollege Maurer. Die Akten würden über die Schlacht am Morgarten nur wenig hergeben, begann er. Vieles bleibe offen. Nur eines sei unbestritten und zentral: «Sie existieren noch heute, die drei Talschaften, die 1291 den Bundesbrief unterzeichneten und 1315 gegen Herzog Leopold kämpften. Das ist das Aussergewöhnliche, das Einmalige. Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden sind noch da. Kein Land unseres Kontinents kennt solche Kontinuitäten.» Der Blick nach vorne brauche einen Rückspiegel, ergänzte Tännler. Je schneller sich die Gesellschaft nämlich verändere, desto wichtiger werde das Wissen um die eigene Geschichte und das Bewusstsein, wo man herkomme. Dazu gehöre Morgarten, und Morgarten sei wichtig, und zwar nicht als isoliertes Ereignis. Das Geschehen stehe in einem grösseren Zusammenhang. «Erst wenn wir die Dinge im geschichtlichen Kontext erkennen, gehen uns historische Welten auf», sagte Tännler. Und er fügte an: «Der Zusammenhang wird zum Türöffner in die Zukunft.»

«Hüte dich vor dir selbst!»

Die politisch «heisseste» Rede bot Jürg Rother, der reformierte Pfarrer von Ägeri. «Hüte dich – hüte dich – am Morgarten!», zitierte er im ersten Satz die Geschichte, um sogleich festzustellen: «Heute gilt wohl eher: Hüte dich vor dir selbst! Hüte dich vor Selbstüberschätzung, hüte dich vor Machtfantasien und simplen Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit den grossen nicht gelösten Herausforderungen der Gegenwart!» Rother warnte vor dem «Blick zurück» und sagte: «Die Versuchung die Vergangenheit zu idealisieren, beinhaltet die Gefahr, dass der Blick zurück zur Erstarrung für die Aufgaben der Gegenwart führt. Eine Rettung aus dem gegenwärtigen weltpolitischen und dem ‹Swiss-made-Desaster› wird dadurch massiv be-, wenn nicht verhindert.»

Wetterglück beim Umzug

Das Schlachtgedenken sei seit mindestens 50 Jahren eine gemeinsame Angelegenheit von Kirche und Staat, ist sich Hans-Peter Schuler, Gemeindeleiter der römisch-katholischen Pfarrei Sattel, sicher. Er betonte in seiner Rede, wie wichtig ihm der Respekt vor dem Unterschiedlichen sei. «Auch der Frieden ist ein Mythos», sagte Schuler und regte an, «dass auch dieser Mythos gepflegt werden» solle. Nach dem feierlichen Festakt sorgten Jets der Schweizer Armee für Stimmung am Himmel, und in und um die Morgarten-Hütte wurde ein Apéro serviert. Pünktlich vor dem Startschuss zum grossen Umzug verzogen sich die Wolken immer mehr. Sie liessen die Sonnenstrahlen passieren, die Strassen und Wiesen zügig abtrockneten.

Ein Mitglied der Schweizer Armee half einem Mann an Krücken beim Einsteigen in den Shuttlebus, der die Gäste nach Oberägeri zum Zmittag beförderte. Im Hirn blitzten die letzten Sätze von Jürg Rother auf: «Alles nun, das ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr ihnen tun. Diese goldene Regel gilt es zu leben – im gesellschaftlichen, im wirtschaftlichen und im politischen Alltag.»

Hinweis

Den Bericht über den Festumzug lesen Sie auf Seite 14 dieser Ausgabe.

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