Oberägeris Gemeindepräsident zur Postschliessung: «Wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Mittel genutzt»

Die Gemeinde wehrte sich gegen den Entscheid des gelben Riesen, die Poststelle in eine Postagentur umzuwandeln – vergeblich, wie sich nun zeigt.

René Meier
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Ab wann die Türen der Poststelle in Oberägeri zubleiben, ist noch offen.

Ab wann die Türen der Poststelle in Oberägeri zubleiben, ist noch offen.

Bild: Stefan Kaiser (9. Dezember 2019)

Es hat sich angekündigt und wird nun Tatsache: Die Poststelle in Oberägeri schliesst. Sie wird in eine Agentur umgewandelt, wie die Gemeinde am Dienstag mitteilte. Der Gemeinderat hatte alles versucht, die Schliessung der Poststelle zu verhindern. So hatte er den Entscheid zur Postfilialenschliessung von der zuständigen Kommission Postcom überprüfen lassen. Diese heisst nun die Umwandlungspläne des Unternehmens gut.

Die Postcom begründet ihren Entscheid damit, dass der Beschluss der Post, Agenturen mit Bedientheken zu schaffen, in Einklang mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen stehe und nach wie vor eine gute postalische Grundversorgung in den betreffenden Gebieten ermögliche, wie es in der Mitteilung heisst.

Einsatz für eine gute Agentur

Der Gemeinderat ist selbstredend enttäuscht. Der Gemeindepräsident Pius Meier wird folgendermassen zitiert:

«Wir sind nach wie vor überzeugt, dass eine Agenturlösung die bisherigen Dienstleistungen nicht in vollem Umfang anbieten kann und die nötige Diskretion nicht gewahrt ist.»
Gemeindepräsident Pius Meier.

Gemeindepräsident Pius Meier.

Weiter sagt er: «Wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Mittel gegen die Schliessung genutzt und bedauern sehr, dass die Postcom nicht unserer Argumentation gefolgt ist. »

Die Gemeinde will sich nun dafür einsetzen, «damit bei einer Agenturlösung die volle Bandbreite an Dienstleistungen der Bevölkerung zur Verfügung stehen wird». Wann die Schliessung Tatsache ist, sei noch nicht geklärt. Klar ist hingegen bereits seit längerem, dass die Postagentur in Oberägeris Coop an der Hauptstrasse 15 angesiedelt werden wird.

Eine unabhängige Kommission

Bereits 2017 hatte die Post angekündigt, die Filiale im Dorf schliessen zu wollen. Der Oberägerer Gemeinderat liess diesen Entscheid durch die Postcom überprüfen. Dabei handelt es sich um eine unabhängige Behörde, die den schweizerischen Postmarkt beaufsichtigt und dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) angegliedert ist. Die Postcom prüft gemäss Postverordnung auf Verlangen einer betroffenen Gemeinde, ob die Post die Anforderungen an das Verfahren eingehalten und die Behörden angehört sowie eine einvernehmliche Regelung angestrebt hat.

Ferner klärt die Kommission ab, ob der Entscheid die regionalen Gegebenheiten berücksichtigt. Die Prüfung durch die Postcom steht allen betroffenen Gemeinden offen. Oberägeri war nach eigenen Angaben die erste im Kanton Zug, die sich zu diesem Schritt entschlossen hatte.

Der Wunsch war eine Poststelle in der Überbauung

Die Gemeinde hatte zwar das bekannte Argument der Post für eine Schliessung, die rückläufigen Kundenzahlen, nicht bestritten. Allerdings erachtete sie den Zeitpunkt als schlecht gewählt. Dies vor dem Hintergrund der Ortsplanungsrevision, die in diesem Jahr begonnen hat. Im Rahmen dieses Prozesses wird die künftige Gestaltung des ZVB-Areals überprüft, vorgesehen ist eine publikumsorientierte Zentrumsüberbauung. In dieser hätte man gern eine Poststelle gesehen, sagte der Gemeindepräsident Pius Meier im Dezember 2019 gegenüber unserer Zeitung. Er stellte klar, dass der Gemeinderat alle verfügbaren Möglichkeit ausschöpfen wollte.

Das hat er nun getan. Letztlich aber – wie wohl in den allermeisten Gemeinden der Schweiz – vergeblich.