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OBERGERICHT: Das Opfer hofft vergeblich

Ein Genfer hat einer Zugerin rund 30'000 Franken abgenommen. Statt die Darlehen zurückzuzahlen, zeigte er sie an.
Jürg J. Aregger

Jürg J. Aregger

juerg.aregger@zugerzeitung.ch

«Es geht nicht an, dass das Opfer kriminalisiert wird und der Täter ungeschoren davonkommt», führte die 45-jährige Zugerin am Montag vor Obergericht aus. Sie hatte im Internet einen zwei Jahre älteren Genfer kennen gelernt. Dieser sagte, er arbeite in der Internetbranche und verdiene monatlich 15'000 Franken. Wegen einer momentanen Geldknappheit borgte ihm die Frau vorerst 10'000 Franken.

Im Laufe der Zeit beliefen sich die Darlehen auf 31'000 Franken, wovon er schriftlich 27'000 Franken festhielt. Plötzlich verschwand der Liebhaber im Sommer 2012 spurlos, und die Zugerin fiel aus allen Wolken. Unter Mithilfe der Polizei konnte sie schliesslich seinen Wohnort feststellen. Sie hinterliess an seiner Wohnungstüre auf A4-Zetteln Nachrichten, deckte ihn mit SMS-Nachrichten ein und prangerte ihn im Internet an.

Von der Anklage des Betrugs freigesprochen

«Er hat mich vom ersten Tag an angelogen. Er hätte jederzeit mit mir reden können», lamentierte die Frau vor Obergericht. Der Mann sei fünfmal vorbestraft, unter anderem wegen Zechprellerei und Alimentenschulden. Gegenüber verschiedenen Personen habe er inzwischen Schulden von gegen 1 Million Franken. Staatsanwältin Marionna Isenring hatte zwar den Genfer wegen Betrugs angeklagt, doch wurde er im August 2015 vom Einzelrichter freigesprochen. Ihr Anwalt habe sie überredet, den Fall nicht weiterzuziehen, sagte die Zugerin. «Wenn der Prozess in Genf stattgefunden hätte, wäre er sicher verurteilt worden.» Der Fall habe sie inzwischen 50'000 Franken gekostet.

Die Frau wurde vom Einzelrichter verurteilt

Auch gegen die Zugerin lief ein Strafverfahren, das der Genfer angestrengt hatte. Die Zugerin wurde von Einzelrichter Marc Siegwart vom Tatvorwurf der üblen Nachrede in einem Fall und von der versuchten Nötigung freigesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 120 Franken (die Anklägerin forderte 40 Tagessätze) und einer Übertretungsbusse von 300 Franken verurteilt. Sie nahm dieses Urteil nicht an und erschien vor Obergericht ohne Verteidiger. Die andern Parteien wurden vom Erscheinen freigestellt.

«Selbstjustiz geht nicht»

Das Obergericht unter Abteilungspräsident Paul Kuhn verurteilte die Zugerin wegen mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage und übler Nachrede statt in vier noch in zwei Fällen zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagen und der Busse. Auch die Verfahrenskosten wurden ihr zur Hälfte erlassen. Die Vorinstanz sei von einem Dauerdelikt ausgegangen, doch handle es sich bei der üblen Nachrede gemäss der jüngsten Bundesgerichtspraxis um ein Zustandsdelikt mit einer dreimonatigen Antragsfrist. Die Vorwürfe auf einer Internetblogseite an den Genfer – Betrüger, Lügner, Kriminellen – habe sie mutwillig aus Wut und Rache gemacht. Der Wahrheitsbeweis sei nicht erbracht (Freispruch), der Gutglaubensbeweis ebenfalls nicht. Mit der Anklage habe lediglich ein Tatverdacht vorgelegen. Sie dürfe diese Vorwürfe nicht mehr äussern. Nach Ablauf der Probezeit wird der Strafeintrag nach aussen gelöscht. Subjektiv berücksichtigte das Obergericht, dass der Mann sie aus- genützt hat, weshalb ein leichtes Verschulden vorliege. Aber «Selbstjustiz geht nicht», führte der Referent aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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