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OBERGERICHT: Gutachter räumt Fehler ein

Zwischen 2005 und 2010 soll ein heute 33-Jähriger unter Gewaltandrohung sexuell mit Kindern verkehrt haben. Das Zuger Obergericht bestätigt nun den Schuldspruch der Vorinstanz jedoch nur teilweise.
Christopher Gilb
Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Im Januar 2017 verurteilte das Zuger Strafgericht einen heute 33-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Dies unter anderem wegen Drohung, Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kinder, versuchter sexueller Nötigung und mehrfacher sexueller Nötigung. Der Mann akzeptierte das Urteil nicht, ging in Berufung und forderte einen Freispruch. Dies unter anderem mit der Begründung, dass die drei mutmasslichen Opfer mit gegenseitigen Absprachen bewusst falsch ausgesagt, und ihm so geschadet hätten.

Der Angeklagte, geboren 1984 in Cham und nun im Kanton Aargau lebend, soll Kinder – als dies gelten sie, weil sie zum Zeitpunkt der Tat noch nicht 16 waren – unter Androhung von Gewalt zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. So zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zwischen November 2008 und Januar 2010.

Bedroht und eingesperrt

Ein Bube aus Rotkreuz war damals bei ihm zu Hause zu Besuch. Der Beschuldigte soll das Zimmer abgeschlossen, den Schlüssel versteckt und den Buben zur gegenseitigen Befriedigung aufgefordert haben. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, habe er gedroht, ihn bei allfälliger Gegenwehr zusammenzuschlagen. Der Bube widersetze sich jedoch und drohte, die ebenfalls in der Wohnung anwesenden Mutter des Beschuldigten um Hilfe zu rufen. Daraufhin durfte er gehen. Zwischen Januar 2010 und Mai 2010 hielt sich dann mindestens zweimal ein damals 15-jähriger Knabe aus Zug bei ihm auf. Kennen gelernt haben sie sich am Bahnhof Rotkreuz – wie es in der Anklageschrift heisst: «Offenbar ein Treffpunkt für Jugendliche.» Der Beschuldigte sei auf ihn zugekommen und habe gesagt, dass er Kleider aus China verkaufe. Auch dieser Knabe hätte ihn befriedigen sollen, dieses Mal habe er sogar gedroht, dessen Eltern und dessen kleinen Brüdern etwas anzutun. Daraufhin habe der Knabe seinen Widerstand aufgegeben. Doch die meisten sexuellen Handlungen soll er mit einem Knaben aus Abtwil im Kanton Aargau gehabt haben. Zwischen Juli 2005 und Juli 2008 soll es um die 100 Mal im Zimmer des Beschuldigten und in dessen Autos unter anderem zu Sexualverkehr gekommen sein.

Wie die Vorinstanz hält auch das Obergericht nichts von der Theorie des Beschuldigten. «Ein Komplott kann ausgeschlossen werden», schreibt es. Dafür werden diverse Gründe aufgeführt, unter anderm, dass die mutmasslichen Zuger Opfer zwar bereits vor Erstattung der Anzeige über die Vorfälle mit dem Beschuldigten gesprochen hätten. Doch würden sich ihre Versionen unterscheiden, dies auch deutlich von der Version des Jungen aus dem Aargau. Auch seien die Aussagen der mutmasslichen Opfer betreffend den Kernsachverhalt konstant und würden zahlreiche Realkennzeichen erfüllen.

Rückfallrisiko falsch berechnet

Das Obergericht bestätigt jedenfalls das Urteil der Vorinstanz, gibt aber ein tieferes Strafmass. Der Angeklagte wird mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten bestraft. Der Vollzug wird im Umfang von 16 Monaten aber mit einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben. Im Umfang von 12 Monaten muss die Freiheitsstrafe vollzogen werden. Zu den Gründen: Schon das Strafmass der Vorinstanz wäre um 12 Monate höher ausgefallen, wäre nicht gegen das Beschleunigungsgebot verstossen worden, was heisst, die Strafverfolgung brauchte zu lange. Da nun etwas mehr als ein Jahr seit dem Urteilsspruch der Vorinstanz vergangen ist, wurde die Haftzeit noch einmal reduziert. Auch zum Strafmass beigetragen hat, dass bei einem Teil der Straftaten bereits mehr als zwei Drittel der Verfolgungsverjährung vergangen sind und sich der Beschuldigte ausser einer Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen. Doch wieso wird die Strafe zum Teil aufgeschoben? Im Gutachten für die Vorinstanz kam der Gutachter zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit für eine sexuell motivierte Straftat beim Beschuldigten nach fünf Jahren 26 Prozent betrage, ein durchschnittlich bis hohes Rückfallrisiko also. Im Ergänzungsgutachten fürs Obergericht räumte er nun ein, dass er zu seinem damaligen Gutachten bemerken müsse, dass zum Zeitpunkt der Begutachtung die Taten eben schon vier Jahre zurückgelegen hätten, ohne dass es zu erneuten Taten gekommen sei, dementsprechend hätte das Rückfallrisiko schon damals nur noch 8 Prozent betragen, weshalb das Rückfallrisiko beim Beschuldigten als niedrig bis durchschnittlich eingestuft werden müsse. Zudem ging der Gutachter damals davon aus, dass der Beschuldigte nicht in einer mindestens zwei Jahre andauernden Beziehung lebe, was im Gutachten als Risikopunkt gewertet wurde. Doch genau dies konnte er nun dem Gericht glaubhaft darlegen. Zwischenzeitlich hat er geheiratet und ist Vater geworden. Vor diesem Hintergrund sei das Rückfallrisiko eher niedrig im Sinne des Gutachtens, so das Gericht, weshalb der Aufschub gewährt wird. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

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