OBERGERICHT: Richter der Pädophilie bezichtigt

In einem Massenschreiben werden einem Kantonsrichter Straftaten vorgeworfen. Nach dem Einzelrichter verurteilt jetzt auch das Obergericht den Verfasser.

Drucken
Teilen

Im Namen einer fiktiven Organisation gegen Pädophilie wurde im Oktober 2006 ein damaliger Scheidungsrichter in einem Schreiben als Pädophiler bezeichnet. Der in Basel aufgegebene Brief war an rund 30 Nachbarn des Zuger Richters sowie an die Sicherheitsdirektion und die Staatsanwaltschaft adressiert. Jetzt wurde ein 49-jähriger Vater zum zweiten Mal wegen Verleumdung und falscher Anschuldigung verurteilt. Bereits im April hatte ihn der Einzelrichter dafür bestraft.

Selbstanzeige des älteren Sohns

Drei Wochen nach der Verurteilung durch den Einzelrichter übergab der damals noch nicht 18-jährige Sohn der Zuger Polizei ein Schreiben. Darin erklärte er, die fraglichen Briefe verschickt zu haben – ohne Wissen des Vaters. Deshalb verurteilte Jugendanwalt Alex Briner auch ihn wegen Verleumdung und falscher Anschuldigung.

Das Obergericht die Berufung des Vaters ab und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 261 Tagessätzen zu 120 Franken (total 31 320 Franken) und 1000 Franken Busse. Dem Kantonsrichter, der noch heute im Amt ist, muss er eine Genugtuung von 3000 Franken bezahlen sowie dessen Anwaltskosten von gegen 15 000 Franken übernehmen.

Jürg J. Aregger

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der «Zentralschweiz am Sonntag».