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OBERWIL BEI ZUG: Zuger filmt fürs SRF auf einem Flugzeugträger

Die morgige Ausgabe von SRF «Reporter» handelt vom Piloten Andreas Kuhn, der als einer von wenigen Schweizern eine Landung auf einem US-Flugzeugträger machen konnte. Gefilmt dabei hat ihn der Zuger Kameramann Brian Gottschalk: ein Flugzeugfan.
Christopher Gilb
Brian Gottschalk während der Dreharbeiten an Bord der «USS Dwight D. Eisenhower». (Bild: Michael Weinmann/SRF)

Brian Gottschalk während der Dreharbeiten an Bord der «USS Dwight D. Eisenhower». (Bild: Michael Weinmann/SRF)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

An ein Erlebnis aus seiner Kindheit erinnert sich Brian Gottschalk noch ganz genau. Er war mit seinen Eltern auf Rhodos in den Ferien. «Vor der Insel lag ein amerikanischer Flugzeugträger vor Anker. Am Land begegneten wir einem der Piloten.» Etwas naiv habe seine Mutter gefragt, ob ihr Sohn nicht eine Besichtigung des Trägers machen könne. Dies ginge leider nicht. Ein Foto mit sich liess der Pilot aber zu.

Gottschalk sitzt im kleinen Büro seiner Firma Drehbetrieb in Oberwil bei Zug. Bis vor kurzem hat der Kameramann von zu Hause gearbeitet. Um etwas besser trennen zu können, hat der zweifache Vater sich nun ein Büro in unmittelbarer Nähe genommen. Gegenüber dem Schreibtisch steht eine Kommode mit drei F/A-18-Modellen darauf. Darüber hängt ein grosses gerahmtes Foto. Auch dieses zeigt eine F/A-18, aber das Foto wurde nicht in der Schweiz aufgenommen, sondern auf der USS Dwight D. Eisenhower vor der Küste Virginias, wo Gottschalk das Highlight seiner Karriere erlebte: Er filmte für einen «Reporter»-Beitrag des SRF den Schweizer Militärpiloten Andreas Kuhn. «Dieses Erlebnis ist auch der Grund, wieso ich die Flugzeugmodelle aus meiner Jugendzeit wieder ausgepackt habe», sagt Gottschalk.

Helikopterpilot oder Filmer

Eigentlich ist Brian Gottschalk ausgebildeter Informatiker. Filmen, das sei nur sein Hobby gewesen. Er habe so manchen Film mit der Super-8-Kamera durchgelassen. Doch dann habe er genug vom gelernten Beruf gehabt. Gemeinsam mit einem Freund produzierte er, der selbst hin und wieder gerne aufs Bike steigt, zwei Mountainbike-Filme. 15 000 DVDs konnten davon auf Anhieb abgesetzt werden. Danach folgte eine Arbeit nach der anderen. 2017 gewann ein Film, bei dem er gefilmt hatte, den Innerschweizer Filmpreis. «Nach der Arbeit als Informatiker konnte ich mir beruflich zwei Dinge vorstellen – zu filmen oder zu fliegen», erinnert sich Gottschalk. Doch als er registriert habe, wie teuer und schwierig es ist, Helikopterpilot zu werden, habe er sich fürs Filmen entscheiden.

Das Thema Aviatik zieht sich trotzdem wie ein roter Faden durch seine Arbeit. So hat er beispielsweise einen Imagefilm über die Motorfluggruppe Zürich oder einen Fernsehbeitrag über die Patrouille Suisse gedreht. «Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich den Film ‹Top Gun› gesehen habe», erzählt Gottschalk. Mehrmals arbeitete er auch schon für «Schweiz aktuell» und lernte dort den Moderator Michael Weinmann kennen, der seine Leidenschaft für die Aviatik teilt. Weinmann hatte einen Plan: Als die Schweizer Luftwaffe 1995 amerikanische Flugzeuge vom Typ F/A-18 kaufte, begann ein Pilotenaustauschprogramm. Jeweils drei Jahre lang arbeitet ein Schweizer Pilot bei der Navy und umgekehrt ein Navy-Pilot in der Schweiz. Der 37-jährige Andreas Kuhn ist der aktuelle Austauschpilot in den USA. Zum Aufenthalt Kuhns gehört auch der Höhepunkt jeder Pilotenausbildung, die sogenannte «carrier qualification», der Start und die Landung auf einem Flugzeugträger. Bei dieser wollte Weinmann Kuhn begleiten. «Ich war begeistert», sagt Gottschalk. Dies war 2015. Doch es war nicht einfach mit den US-Behörden. Erst als dann auch Kuhn unterstützend tätig geworden sei, sei die Sache ins Rollen gekommen.

Flug sollte abgesagt werden

Mehrmals wurde auf amerikanischer Seite verschoben. Dann im Mai 2017 war es endlich so weit. «Es war von Anfang an ein Blindflug», erinnert sich Gottschalk. «Schon die Vorbereitung war schwierig, ich fand nirgends tiefer gehende Informationen dazu, wie es ist, auf einem Flugzeugträger zu filmen.» Dass eine extreme Geräuschkulisse herrschen würde, habe er sich zwar vorstellen können, mehr aber nicht. Die ersten Aufnahmen von Kuhn im Einsatz machte er dann noch nicht auf dem Wasser, sondern auf dem Boden, auf dem Flugplatz des Militärstützpunktes in Virginia Beach, wo die Piloten die Landung auf dem Träger trainieren. Dort sei das US-Militär dann ­­um einiges zugänglicher gewesen. «Ich konnte sozusagen frei an der Piste drehen, das hat niemanden gestört.»

Anfänglich sei ihnen zugesichert gewesen, sich fünf Tage auf dem Träger aufhalten zu können. «So hätten wir Zeit gehabt, diesen gesamten Teil der Ausbildung abzubilden.» Doch dies erschien dem US-Militär zu lang, wir erhielten eineinhalb Tage.» Sie stachen also auf dem Träger, der nach dem 34. US-Präsidenten benannt ist und schon 1977 in Dienst gestellt worden war, in See. Doch um ein Haar hätte Kuhn dann gar nicht ­­starten können. «Er hat dort keine Priorität, da die Landung nur eine Art Bonus für ihn ist und er danach keine Kriegseinsätze wie die anderen Piloten fliegen muss. Sie wollten seinen Flug deshalb zurückstellen», erinnert sich Gottschalk. Weinmann hätte dann aber auf Führungsebene interveniert, dass sonst das Scheitern der Reportage gedroht hätte. Er hatte Erfolg. Ein anderer Pilot wurde runtergeholt, und Kuhn erhielt sogar den Jet mit der Nummer 300. «Das ist das Vorzeigeflugzeug seiner Staffel.»

Jede Einstellung musste sitzen

Bei der Aufnahme von Start und Landung ging es dann Schlag auf Schlag. «Man liess mir für jede Einstellung nur wenig Zeit.» Er sei sehr nervös gewesen, da bei so wenig Zeit fast jedes aufgenommene Bild auch verwendet werden müsse. Dann sei auch noch der Ton durchgedreht. «Ich denke, es hing mit der Radarschüssel des Trägers zusammen.» Jedes Mal, wenn sich diese in seine Richtung gedreht habe, habe er nur noch ein Rauschen auf den Ohren gehabt. Die vielen Mikrowellenstrahlen während des Flugbetriebs macht er auch verantwortlich dafür, dass ihm in kürzester Zeit zwei Akkus verschmorten. «Es waren komische Bedingungen.»

Schlussendlich funktionierte aber alles, sogar Aufnahmen aus dem Flugzeug konnten gemacht werden, obwohl Gottschalk selbst nicht mitdurfte. «Natürlich fragte ich, ob ich mich hinten reinsetzen kann, dies wurde mir untersagt.» Eine Kamerainstallation am Piloten ersetzte ihn dann. Während Gottschalk vom Geschehen auf dem Flugzeugträger berichtet, dringen durchs Fenster seines Büros die passenden Geräusche herein. Kurz hält er inne. «Nein, das sind keine F/A-18, sondern Tiger vom Flugplatz in Emmen.» Die seien leiser. Ein spitzbübisches Lächeln huscht über sein Gesicht.

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