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OBERWIL: «Die meisten finden es cool»

Diana Marleku (19) absolviert derzeit die Rekrutenschule und ist begeistert vom Militärdienst. Die auf Bundesebene debattierte Wehrpflicht für Frauen würde sie begrüssen – Bedenken äussert sie gleichwohl.
Raphael Biermayr
Diana Marleku (im Bahnhof Zug) trägt den Tarnanzug mit Stolz. Bild: Christian H. Hildebrand (25. September 2016)

Diana Marleku (im Bahnhof Zug) trägt den Tarnanzug mit Stolz. Bild: Christian H. Hildebrand (25. September 2016)

An fünf Tagen in der Woche braucht sich Diana Marleku nicht zu überlegen, was sie anzieht. Die Uniform ist – je nach Sichtweise – ein angenehmer oder grauslicher Teil des Militärdiensts. Marleku, die im Zivilleben offensichtlich Wert legt auf eine elegante Erscheinung, sieht das positiv. Sie trägt den Tarnanzug nicht nur gern, sie trägt ihn mit Stolz. Dieser Begriff fällt oft im Gespräch mit der 19-Jährigen aus Oberwil. Am 4. Juli hat sie die Rekrutenschule in Airolo als Sanitäterin begonnen und ist mittlerweile in den einjährigen Durchdienerdienst gewechselt. Warum das? «Für Frauen ist er das bessere Modell im Vergleich mit den alljährlichen Wiederholungskursen. So kann man die Familienplanung besser angehen», sagt sie wie selbstverständlich. Sie verfolge gegenwärtig zwar keine Familienpläne, «aber so stelle ich mir das eben vor».

Vorausschauen gehört zu den herausragenden Eigenschaften der jungen Frau. Ebenso zeichnen sie Bestimmtheit und Sicherheit in ihren Worten aus. Der Militärdienst ist Teil des grossen Plans Marlekus, der die gelernte Hauswirtschaftspraktikerin dereinst zur Polizei führen soll. «Das passt zu mir, wie jetzt das Militär», sagt sie, und ihre dem Gespräch beiwohnende Mutter Flora nickt zustimmend. Marleku ist eine von ursprünglich 16 Frauen in ihrer Kompanie, in der sich eine weitere Zugerin findet. Weibliche Armeeangehörige sind heute zwar immer noch etwas Seltenes, aber längst nichts Exotisches mehr. Nach eigenen Angaben werden seit längerem jährlich 100 bis 200 Frauen rekrutiert. Vor kurzem gab es eine öffentliche Diskussion darüber, ob die Wehrpflicht in der Schweiz auch für Frauen gelten soll, wie das seit 2015 in Norwegen der Fall ist. Diana Marleku würde das begrüssen, äussert aber auch Bedenken: «Dürfen ist eine andere Motivationsgrundlage als Müssen.» Sie hat den aus dem Zwang resultierenden «Anschiss» bei ihren Kameraden kennen gelernt. Es sei ihr gelungen, einige von ihnen für die Aufgaben zu motivieren.

Offizierskarriere ist verlockend

Diese Rolle hat ihr einen Vorschlag zum Weitermachen eingebracht, wie ihre Vorgesetzten auf Nachfrage bestätigen. Marleku will Gruppenführerin werden, was dem Grad des Wachtmeisters entspricht. «Wenn ich den Vorschlag nicht erhalten hätte, wäre ich schon enttäuscht gewesen», sagt sie. Enttäuscht sei die begeisterte Schützin auch gewesen, dass sie die Leistungsabzeichen – mehrere Tests während der RS – wegen einer Sehnenscheidenentzündung nicht absolvieren konnte. An eine Offizierslaufbahn denke sie gegenwärtig nicht. «Sollte ich den Vorschlag bekommen, würde ich aber sicher weitermachen», sagt sie. Auf das tatsächlich Gelernte in der Armee angesprochen, nennt Marleku gewohnt überzeugt jene stereotypen Eigenschaften, die jedem Instruktionsoffizier die Freudentränen in die Augen treiben: «Disziplin, Durchsetzungsvermögen und Durchhaltevermögen.» Auch für die Oberwilerin sei es anfangs schwierig gewesen, «mit dem Ton zurechtzukommen, der in der RS herrscht». Sie habe mit Bedenken gekämpft, ob sie genug Kraft hätte, um die Märsche zu bestehen. Doch sie hat die Herausforderungen bestanden, «ohne Hilfe von männlichen Rekruten anzunehmen», wie sie stolz betont. Die Frage geht an die Mutter: Wie nimmt sie ihre Tochter wahr, seitdem sie Dienst leistet? «Sie kommt immer zufrieden nach Hause. Wir sind sehr stolz auf Diana, dass sie das für sich und unser Land macht, wirklich sehr stolz.»

In ihrem Umfeld und innerhalb der Armee sei Diana Marleku mehrfach auf ihren Entscheid für den Militärdienst angesprochen worden, nicht selten mit Skepsis. «Ich habe ihnen erklärt, warum ich das mache. Einige können es immer noch nicht verstehen, die meisten aber finden es cool.» Für die ältere Schwester sei dieser Schritt indes nie in Frage gekommen. Der jüngere Bruder wird wohl keine Wahl haben. Immerhin wird er seine Schwester nach Tipps fragen können, wie man den Militärdienst meistert.

Raphael Biermayrraphael.biermayr@zugerzeitung.ch

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