OBERWIL: «Es ist wichtig, Menschen eine helfende Hand zu reichen»

Die Psychiatrische Klinik Zugersee bekommt einen neuen katholischen Seelsorger. Dieser wertet Empathie höher als Effizienz – zum Wohl der Menschen.

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Der neue katholische Klinikseel­sorger Alois Metz möchte sich viel Zeit für die Patienten und das Personal nehmen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der neue katholische Klinikseel­sorger Alois Metz möchte sich viel Zeit für die Patienten und das Personal nehmen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der 45-jährige Alois Metz war zuletzt als Leiter der Pfarrei St. Johannes in Luzern tätig. Geboren und aufgewachsen ist er in Beilngries im Altmühltal (Oberbayern). Nach dem Abitur absolvierte Metz seinen Zivildienst in Pflege und Behindertenarbeit. Das Studium eines Bauingenieurs verfolgte er bis zum Vordiplom – danach wechselte er zur Theologie, die er in München, Wien und Eichstätt studierte. 1998 kam er als Jugendseelsorger ins Baselland. Von 2002 bis 2006 arbeitete er im Ökumenischen Aids-Pfarramt Basel. Als Pfarreileiter in Luzern amtete er bis Mai dieses Jahres.

Alois Metz, was bedeutet Seelsorge für Sie?

Alois Metz: In erster Linie, da zu sein. Da sein für die Menschen, ohne einen Krankenschein einzufordern oder die Mitgliedschaft bei einer bestimmten Kirche. Die Hemmschwelle, diese Seelsorge in Anspruch zu nehmen, muss so niedrig wie nur möglich sein. Seelsorge heisst für mich zudem, den Blick nach vorne zu richten und Hoffnung wie auch Schönheit zu vermitteln. Weiter bedeutet Seelsorge für mich, das Unsichtbare zu zeigen, aber auch bescheiden zu sein: Ich mag keine ganzen Wahrheiten – das ist mir bei jedem Dialog und jeder Begegnung sehr wichtig.

Und was bedeutet für Sie Seelsorge in der Psychiatrie?

Metz: Eigentlich das Gleiche. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Wichtig sind mir stets der Dialog und das Miteinander. Worauf ich mich besonders freue: Als Pfarreileiter war ich stark in Administratives eingebunden, beispielsweise hat mich der Umbau des Pfarreiheims sehr viel Zeit gekostet. Jetzt darf ich, kann ich, will ich mehr Zeit für die Seelsorge im Wortsinn haben. Der Wunsch, mich mehr auf menschliche Beziehungen konzentrieren zu können, ging einher mit dem Wunsch nach beruflicher Veränderung – obwohl ich sehr gerne Pfarreileiter war.

Was werden Ihre Aufgaben in Oberwil sein?

Metz: Ich werde sicher unter der Woche regelmässig Gottesdienste abhalten und Meditationen anbieten. Und: Die Menschen sollen auf mich zukommen können. Für sie da zu sein, soll kein Luxus sein. Die Gottesdienste sollen die Patienten mitgestalten können. Schön wäre auch eine Zusammenarbeit mit den Therapeuten – wie etwa der Musiktherapie. Zudem möchte ich den Dialog mit dem Dorf suchen, vom Haus eine Brücke schlagen nach Oberwil und weiter. Was übrigens auch im Leitbild der Klinik so festgehalten ist.

Wie sehen Ihre Schwerpunkte aus?

Metz: Die Wertschätzung des Menschen und die Empathie für ihn sind zentral. Psychologie und Seelsorge haben im Prinzip das gleiche Ziel: dem Menschen einen Boden zu geben. Was Spiritualität angeht, bin ich sehr offen. Aber auch unsere christliche Kultur bietet viel Schönes: Musik, Texte, die Osterliturgie, die Symbolik mit Feuer und Erde und vieles mehr. Sehr gerne würde ich – zusammen mit den Therapeuten – Konzerte organisieren. Zudem möchte ich den Weihnachtsbazar mitgestalten – ich habe bereits das Sommerfest als sehr herzlichen und verbindenden Anlass wahrgenommen.

Sie waren auch schon in der Pflege und Behindertenarbeit tätig. Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Metz: Im Ökumenischen Aids-Pfarramt Basel habe ich schwere Stunden, aber auch schöne Momente erlebt. Kleine Dinge sind plötzlich wichtig – diese schwer kranken Menschen haben mich Achtsamkeit gelehrt.

In einem früheren Interview haben Sie sich für mehr Empathie ausgesprochen. Fehlt unserer Zeit die Empathie?

Alois Metz: Die Empathie macht den Mensch zum Menschen. Ohne Empathie wird der Mensch zur Kreatur. Wir sind dabei, Empathie zu verlernen. Auch weil jeder versucht, effizient zu sein. In der Psychiatrie ist Effizienz aber zweitrangig.

Susanne Holz