OBERWIL: Leidenschaft hält ihn weiterhin gepackt

Noch immer begibt sich Peter Tiefenbacher mit der Kamera auf Motivsuche. Selbst der Rollstuhl hält ihn nicht davon ab.

Merken
Drucken
Teilen
Peter Tiefenbacher fotografiert schon sein ganzes Leben lang. Nun erfüllt er sich mit einer Ausstellung einen grossen Wunsch. (Bild Stefan Kaiser)

Peter Tiefenbacher fotografiert schon sein ganzes Leben lang. Nun erfüllt er sich mit einer Ausstellung einen grossen Wunsch. (Bild Stefan Kaiser)

Eine lange, dünne Schnur hat Peter Tiefenbacher an seine Lumix mit dem Leica-Objektiv gebunden. Die kann er um den Hals legen, um die Kamera vor dem Herunterfallen zu sichern, wenn er fotografiert. Heute, mit 85 Jahren, benutzt er sie allerdings nicht mehr so häufig wie früher – wegen der Altersbeschwerden, die ihn in den Rollstuhl zwingen. Trotzdem liegt die Kamera stets auf seinem Tisch im Oberwiler Seniorenzentrum Mülimatt bereit, wo Peter Tiefenbacher seit einem halben Jahr lebt. Denn ab und zu packt es ihn wieder, wenn er drinnen oder draussen ein schönes Sujet entdeckt: eine Blume im Teich, farbiges Herbstlaub oder Bewohner, die gerade aktiviert werden.

Ausstellung vorbereitet

Weil das Fotografieren seit der Jugend seine grosse Leidenschaft ist, hatten sich im Laufe der Zeit Hunderte, ja Tausende Diapositive angesammelt. «Weil ich vor ein paar Jahren über 3000 vernichtet habe, sind nicht mehr so viele vorhanden», resümiert Peter Tiefenbacher. Doch es seien immer noch genug, um jetzt eine Ausstellung mit seinen Fotoimpressionen zu organisieren, hält die Aktivierungsfachfrau Christine Joller fest. Sie unterstützt mit herzlichem Engagement den grossen Wunsch des Seniors, eine Auswahl seiner persönlichen Impressionen einmal zu zeigen.

«Für die Ausstellung, die am Samstag im Galeriegang eröffnet wird, haben wir aus über 200 Bildern zusammen 51 ausgewählt», sagt Christine Joller. Sie besorgte das Ausdrucken der Fotos aus dem PC, stiftete die Folie und organisierte das Rahmen und Aufhängen, nachdem die Hausleiterin Petra Häusler das Projekt und sogar eine kleine Kostenbeteiligung (Fotopapier) bewilligt hat. «Schön, dass wir das machen können», hält der Senior dankbar fest.

Die Natur ist ihm wichtig

Ein Gang durch die Ausstellung vermittelt wirklich einen spannenden Eindruck von dem, was Peter Tiefenbacher dem Betrachter zeigen will. Zudem weiss er bei jedem Bild noch oft, wo und wann es entstanden ist. Ein grosse Rolle spielt bei ihm die Natur. Da kann man Kühe auf dem Zugerberg entdecken, die Farbenpracht der Schmetterlinge, Chriesibäume voller Bluscht, Blumen und stimmungsvolle Herbst- oder Winterimpressionen.

Peter Tiefenbacher beweist ein gutes Auge für Ästhetik, weil er selbst einfache Dinge wie Reihen farbiger Kerzen und Flaschen genauso perfekt ins Bild rückt wie die Skulpturen einer Ausstellung in der Zuger Metalli. Immer wieder entdeckte er im Alltag interessante Sujets, die er festhielt. Das Licht- und Schattenspiel der Treppe auf einem grossen Silo hat ihn ebenso fasziniert wie dessen Abbruch, den er detailliert festgehalten hat. «Stundenlang war ich vor Ort, bis das Silo am Boden lag», erinnert sich der Senior lachend.

Fachmann auf dem Gebiet

Er war ein richtiger Fototechnikfreak und erwarb sich im Laufe der Jahre eine grosse Erfahrung. «Meine Kamera hatte ich immer dabei», sagt er. Rund 50 Jahre habe er zudem dem Fotoklub Rapperswil-Jona angehört. Stolz erzählt Peter Tiefenbacher gerne, dass er mit seinen Fotos sogar Wettbewerbe gewonnen hat: «Mein erster Preis war einmal ein Flug von Kloten nach Genf.»

Gepackt hat ihn seine Leidenschaft mit elf, als er das erste Mal mit der Voigtländer Balgenkamera seines Vaters eine Dampfwalze fotografieren durfte. Schnell habe er gelernt, die Schönheit eines Motivs und seine Details zu erfassen. Peter Tiefenbacher erwähnt gerne, dass er neben den technischen Feinheiten der Fototechnik auch die Verarbeitung in der Dunkelkammer praktiziert habe.

Gelernter Schuhmacher

Gelernt hat Peter Tiefenbacher Möbelschreiner, bevor er sich an der Kunstgewerbeschule zum Innenarchitekten weiterbildete. Nach der Heirat mit der Bündnerin Anita von Blumenthal lebte er einige Jahre in Samedan. Später absolvierte er eine Schuhmacherlehre und arbeitete in Rapperswil im elterlichen Schuhgeschäft mit, bevor er sich in Zürich selbstständig machte. Vor elf Jahren ist er nach Zug gezogen, das sein Lebensmittelpunkt wurde. Leider ist seine geliebte Ehefrau vor rund einem Jahr verstorben, weshalb er ins Seniorenzentrum umzog. «Ich fühle mich hier wohl. Vor allem will ich die Zeit nützen, um zu fotografieren», sagt er ernsthaft. Und er wollte vom Fotografen unserer Zeitung unbedingt wissen: «Welche Optik haben sie bei ihrer Kamera?»

Monika Wegmann

Hinweis

Die Fotoausstellung von Peter Tiefenbacher im Galeriegang des Seniorenzentrums Mülimatt, Oberwil, dauert vom 24. Oktober (Vernissage ist um 14.30 Uhr) bis 22. November.