OC OERLIKON: In Cham werden 70 Stellen gestrichen

Der Technologie­konzern OC Oerlikon verkauft das Halbleitergeschäft Esec nach Holland und baut in diesem Bereich weltweit weitere 150 Arbeitsplätze ab. Dies hat auch Folgen für die Region.

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Passanten vor der Esec in Cham. (Archivbild Alexandra Wey/Neue ZZ)

Passanten vor der Esec in Cham. (Archivbild Alexandra Wey/Neue ZZ)

Mit Esec und dem Etch-Geschäft trennt sich OC Oerlikon von zwei Halbleiter-Geschäftsfeldern. Esec geht zu einem nicht genannten Preis an die niederländische SB Semiconductor Industries NV (BESI). Gleichzeitig wird bei Esec die bereits laufende Restrukturierung ausgedehnt. Insgesamt werden weltweit 150 Arbeitsplätze abgebaut, rund 70 davon im zugerischen Cham und weitere 80 im globalen Verbund. Zudem wurde für 70 Esec-Angestellte in Cham eine Verlängerung der laufenden Kurzarbeit beantragt.

Strategische Gründe angegeben
Die Übernahme von Esec durch BESI soll im April abgeschlossen sein und unterliegt den üblichen Konditionen und Bewilligungen. Für den Kauf wurden strategische Gründe geltend gemacht, weil das Backend-Halbleitergeschäft keine technischen Synergien zu den Kernkompetenzen von OC Oerlikon im Bereich Beschichtung/Dünnfilm aufweise. BESI sei dagegen ein etablierter Anbieter im so genannten Halbleiter Assembly Equipment Markt und könne durch die Übernahme von Esec die Marktposition stärken und ausweiten.

Oerlikon plant zudem in den nächsten Tagen den Verkauf des Geschäfts zum Strukturätzen von Wafern und Photomasken (Etch-Geschäft) von Oerlikon Systems im Rahmen eines Management-Buyouts. Im Etch-Geschäft von OC Oerlikon sind in St. Petersburg im US-Bundesstaat Florida weniger als 100 Angestellte tätig.

Portofolio soll gestrafft werden
Konzernchef Uwe Krüger sagte laut der Mitteilung, mit diesen Massnahmen setze Oerlikon die Ankündigung um, sein Portfolio weiter zu straffen. Oerlikon Balzers wird auf Grund seiner gewachsenen Bedeutung in den Status eines eigenen Konzernsegments erhoben. Oerlikon Balzers ist Lieferant von Verschleissschutz-Beschichtungen für Werkzeuge und Bauteile und gehörte bisher zur Konzerndivision Oerlikon Coating. Oerlikon Systems, das ebenfalls zu Oerlikon Coating gehörte, wird in Oerlikon Components eingegliedert.

Der Konzern war in den vergangenen Tagen an der Börse weiter abgestürzt. Gerüchte, wonach Oerlikon die Kreditbedingungen nicht mehr erfülle, wurden von Krüger mehrmals dementiert.

Positives Echo der Analysten
Der Verkauf der beiden Halbleiterbereiche Esec und Etch wurde von Analysten als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Die Abhängigkeit von OC Oerlikon von der extrem zyklischen Halbleiterausrüstungsbranche sei damit auf praktisch null reduziert worden. Zudem dürfte der Verkauf zum Verschuldungsabbau beitragen, hiess es bei der Zürcher Kantonalbank. Aus Sicht des Bank-Vontobel-Analysten werde sich dadurch der Betriebsgewinn EBITDA der Gruppe wegen der Ausklammerung von Verlusten mit positiven Auswirkungen auf die Barmittel verbessern.

Anleger reagierten vorsichtiger. An der Börse gaben die Oerlikon-Aktien am Montag im frühen Handel nach kurzen anfänglichen Avancen weiter nach. Sie notierten bei 39,28 Franken und damit nochmals 1,9 Prozent tiefer als am vergangenen Freitag.

ap